Bundesregierung Was der Armutsbericht über Deutschland verrät

Die gute Nachricht ist: Es gibt in der Bundesrepublik weniger Arbeitslose und weniger Kinder, die Hartz IV benötigen. Doch die Bildungschancen hierzulande hängen immer noch sehr stark vom Einkommen der Eltern ab. Die SZ dokumentiert wichtige Daten und Fakten, die das Bundesarbeitsministerium im Armuts- und Reichtumsbericht zusammengetragen hat.

Von Thomas Öchsner, Berlin

Er ist fast 500 Seiten stark, kommt alle vier Jahre heraus und sorgt jedesmal für politischen Streit in der Hauptstadt: der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Auch der Entwurf für die neue Fassung, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt, enthält viel Stoff für Diskussionen. Wie ist es um die Bildung in Deutschland bestellt? Was läuft am Arbeitsmarkt gut oder schlecht? Wie hoch ist das Risiko, arm zu werden? Die SZ dokumentiert wichtige Daten und Fakten, die das Bundesarbeitsministerium in dem Bericht zusammengetragen hat.

Die Reichsten werden immer reicher. Das geht aus dem vierten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung hervor. Das private Nettovermögen hat sich allein zwischen 2007 und 2012 um 1,4 Billionen Euro erhöht - allerdings ist der Wohlstand sehr ungleichmäßig verteilt. Die reichsten zehn Prozent der Deutschen verfügen über mehr als die Hälfte des Gesamtvermögens, der unteren Hälfte der Haushalte bleibt gerade mal ein Prozent. Und der Anteil des obersten Zehntels ist in den letzten Jahren immer weiter gestiegen. 1998 belief er sich noch auf 45 Prozent, 2008 lag er bereits bei mehr als 53 Prozent des Nettogesamtvermögens.

(Foto: SZ-Grafik)

Kinder

Die Zahl der Kinder unter 15 Jahren, die von Hartz IV leben müssen, ist von 2007 bis 2011 um 236.000 zurückgegangen. Ihr Risiko, arm zu werden, ist am höchsten in Haushalten ohne Verdiener (60 Prozent), gefolgt von Alleinerziehenden (55 Prozent) und Ausländern (28 Prozent).

Kinderbetreuung

Die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder ab einem Jahr hat sich seit 2006 auf mehr als 500.000 verdoppelt. Auch gibt es seitdem doppelt so viele Jungen und Mädchen in Grundschulen mit Ganztagsbetreuung. Das Ministerium merkt kritisch an, dass trotz der Investitionen die eingesetzten Mittel für die frühkindliche Bildung und Betreuung von Kindern unter sechs im internationalen Vergleich "immer noch weit unterdurchschnittlich seien". Sie beliefen sich auf 0,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. "In Ländern wie Dänemark oder Schweden beträgt dieser Anteil das Dreifache", heißt es in der Regierungsanalyse.

Wenn der Staat aber früh Geld für Kinder und in den Schulen ausgebe, spare dies "hohe Folgekosten", vor allem wenn junge Menschen später keine Ausbildung abschließen. Über einen Zeitraum eines 35-jährigen Berufsleben summierten sich diese "auf 1,5 Milliarden Euro für jeden neuen Jahrgang an jungen Menschen".

Bildung

Der Anteil der Schüler, die nicht einmal einen Hauptschulabschluss schaffen, ist von 7,7 Prozent im Jahr 2007 auf 6,5 Prozent 2010 zurückgegangen. Nach wie vor seien aber in Deutschland die Bildungschancen von Kindern sehr stark davon abhängig, was die Eltern gelernt haben und welches Haushaltseinkommen sie erzielen.