Erzbischof Marx über die Lehren aus der Krise, fehlende Chef-Vorbilder und seine Idee von einem Weltkartellamt.
Reinhard Marx, 56, ist seit zwei Jahren Erzbischof von München und Freising. Der Westfale nimmt gerne Stellung zu Fragen der Wirtschaft und schrieb ein Buch mit dem Titel "Das Kapital". Er nimmt erstmals am Weltwirtschaftsforum in Davos teil.
Erzbischof Reinhard Marx fordert strengere globale Kontrollen. (© Foto: dpa)
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SZ: Herr Erzbischof, was haben Sie als Kirchenmann in Davos verloren?
Reinhard Marx: Ich hoffe, dass hier so viele Entscheidungsträger zusammenkommen, dass der Schwung stärker wird, aus der Finanz- und Wirtschaftskrise zu lernen und nicht zum Business as usual zurückzukehren.
SZ: Sie glauben, die Vertreter der Wirtschaft hätten aus der Krise nicht gelernt?
Marx: Das ist mein Eindruck. Es ist doch spürbar, dass kein Lerneffekt eingetreten ist. Es ist noch nicht viel Zählbares passiert.
SZ: Was ist Ihre zentrale Botschaft?
Marx: Der Markt ist kein moralfreier Raum. Das haben wir ja in der Krise gesehen. Es reicht nicht, nur den Gesetzen zu entsprechen. Nur moralisches Handeln bringt langfristig ökonomischen Erfolg. Also nicht: Catch the money and run away - das sollten die Verantwortlichen kapieren. Das Hauptproblem in dieser Krise ist doch die Kurzfristigkeit des Denkens. Es geht um den schnellen Gewinn. Damit kann man keine Wirtschaft aufbauen. Diese Gedanken will ich einbringen. Wir wollen hier aber nicht eine Art folkloristischer Dekoration sein, sondern zeigen, dass es vernünftig ist, was wir sagen und dass es der Wirtschaft dient.
SZ: Die Vertreter der Wirtschaft haben für alles Statistiken. Sie bringen nur weiche Werte mit nach Davos. Wie wollen Sie hier bestehen?
Marx: Da habe ich keine Sorge. Die Manager und Ökonomen glauben selbst nicht mehr, dass alles genau vorhersehbar ist. Deshalb gibt es inzwischen auch eine größere Offenheit in der Frage, welche grundsätzlichen Ziele wir haben. Es ist keine weiche Angelegenheit, über Ziele und ordnungspolitische Rahmenbedingungen in der Wirtschaft zu diskutieren, sondern die harte Voraussetzung für eine bessere Zukunft.
SZ: Welche Ziele haben Sie im Auge?
Marx: Eine Lehre ist, dass wir nicht alles dem Markt überlassen können und dass Wachstum nicht die Lösung für alle Probleme ist.
SZ: Was haben Sie gegen den Markt?
Marx: Nichts. Märkte und Wettbewerb sind notwendig. Ohne Märkte kann ich mir eine Zivilisation gar nicht vorstellen, ohne sie gibt es keinen Fortschritt. Aber die Märkte verteilen von sich aus nicht gerecht. Man kann Waren auf Märkten handeln, aber Gesundheit und Bildung etwa eignen sich nicht oder nur sehr eingeschränkt für den Markt. Und wir brauchen eine gesellschaftliche Übereinkunft darüber, dass alle Menschen eine Chance haben müssen, Arbeit zu finden. Kurzum: Ich bin für einen politischen Ordnungsrahmen.
SZ: In der Wirtschaft gilt das Primat des Wachstums. Produktion, Umsatz, Gewinn, alles muss wachsen. Sie predigen das Gegenteil. Sind Sie naiv?
Marx: Überhaupt nicht. Es geht darum, wo man Wachstum braucht und welches Wachstum es ist. In Haiti wird ein Aufbau nur mit Investitionen möglich sein. Dazu braucht man auch materielles Wachstum. Aber das materielle Wachstum ist nicht alles, es muss zu den gesellschaftlichen Zielen passen. Bei uns in Deutschland reicht die Orientierung am Bruttoinlandsprodukt nicht mehr.
SZ: Wie sollen wir in Europa Beschränkungen einführen, die auf anderen Märkten nicht gelten?
Marx: Für den Weltmarkt gilt, was wir in Deutschland und Europa eingeführt haben. Es muss eine Wettbewerbsordnung da sein.
SZ: Wollen Sie etwa ein Weltkartellamt einführen?
Marx: Warum nicht. Es gibt doch inzwischen auch einen internationalen Strafgerichtshof. Auch das galt lange als undenkbar. Ähnlich wird es auch in der Weltwirtschaftordnung sein. Es muss Regeln geben, die durchgesetzt werden können. Da könnte die Welthandelsorganisation helfen. Wir sollten bestimmte Dinge im Welthandel nicht mehr akzeptieren, zum Beispiel Kinderarbeit. Menschenrechtsfragen sollten in den WTO-Prozess einfließen. Und wir brauchen eine Ethikdebatte darüber, welche Güter der Verbraucher nicht akzeptieren sollte. Wir werden von Europa aus nicht alles verändern können. Aber dass es überhaupt keine Regeln gibt, ist untragbar.
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Entspannter Vierbeiner
Ersteres , lieber spyware , sehen Sie wohl richtig . Ob und wen mein Bashing nervt , stört mich wenig . Was mich stört , sind die dummen und/oder verlogenen Schwurbelmatadore , die im politischen und wirtschaftspolitischen Mainstream den Ton angeben .
Und das Volk für blöder verkaufen als es ist ...
Wie uns JamesDean hier vorführt, brauchen wir uns nur auf den kleinen Abschnitt des Bezahlens beschränken und die Welt wird so einfach.
Wer arbeitet, setzt etwas viel wertvolleres ein, als Geld, das dadurch diese ominöse Macht bekommt, das sich die einfachen Gemüter sich auf sein Klimpern konzentrieren und dann mit dem Rechnen aufhören.
Es gibt Erträge, die in Rechnern "produziert" werden mit Annahmen, denen jede reale Grundlage fehlt und es gibt die Erträge, die aus dem Verkauf produzierter Waren erzielt werden.
Wer schafft, interessiert in diesem Selbstbedienungsmechanismus wenig, sondern wer beanspruchen kann und daraus immer weitere Ansprüche "rechtfertigt".
Wenn die Schaffenden sich nicht nur einigen, wie ihre Arbeit und Aufgabenstellung verteilt wird, sondern auch die Erträge und die Verantwortung, dann wird eine ganze Klasse von selbstherrlichen Ertragsjonglierer auf verlorenem Posten stehen.
Sie machen sich v.a. dadurch unentbehrlich, weil sie das Geld, das ihnen anvertraut wurde, wie frei verfügbares Eigentum behandeln und für die Misserfolge auch ihrer waghalsigsten Spekulationen andere zahlen lassen. Sie können dabei das Geld,was ihnen gar nicht wirklich gehört, als Druckmittel einsetzen um immer mehr von dem herauszu-bon-ern, was ihnen nicht zusteht.
Wenn sich die Arbeitenden und Schaffenden wieder auf einfacher Systeme des Wahrenverkehrs besinnen, werden diese Abrechnungstricks bald so überflüssig wie die damit jonglierende Klasse von Finanziers, die nicht umsonst mit Haien verglichen werden.
keine Inovation,
Keine Entwicklung
Keine Beschäftigung,
keine Steuern
keine Souzialabgaben
kein Wohlstand,
keine freigestellten Betriebsräte
Die Deutschen (wer ist das alles eigentlich - die breite Masse, die Oberen, die Unteren, die in der Mitte) sahen schon wieder zu lange weg. "Wir dürfen keine Angst haben!". Was ich sehe ist doch, dass der Kapitalismusbetrieb die Angst schlechthin ist (wie auch die Verdrängung der Gefährdungen durch ihn mit Angst zu hat und das Fliehen in den Glauben ohne die Probleme konkret anzupacken), ebenso die sinnlosen akademischen Diskussionen (Herumreden um den Brei in der Anonymität und dementsprechend personeller Verantwortungslosigkeit, Geschwätzigkeit) und der Versuch eines Ausbruches daraus mit Angstüberwindung bis hin zu Angstlosigkeit und Weltvertrauen zu tun hat. Seiner Eminenz, dem Kardinal, gebührt Ehre! r.kendel
Eigentlich sehr lustig zu sehen wie sich hier im Kommentarraum eine Art per.verse Koalition aus aggressiven und völlig gewissenlosen Kapitalismusapologeten auf der einen und Kirchenkritikern auf der anderen Seite bildet - zwei Gruppen, die bei genauerem Hinsehen inhaltlich denkbar wenig Berührungspunkte aufweisen dürften.
Die Wirtschaft am Beginn des 21. Jhs. ist börsengetrieben. Die Zeithorizonte der dort Agierenden sind extrem kurz. Langfristige ökonomische Entwicklung ist diesen Leuten eine Nebensache, da werden alle gutgemeinten Appelle des Bischoffs nicht helfen. Mehr als Appelle hat er nicht zu bieten, Druckmittel politischer Art stehen ihm nicht zur Verfügung. Hinzu kommt, die linkskatholische Tradition, bei der sich Marx einklingt, hat heute nur noch einen sehr schwachen Rückhalt in der Zivilgesellschaft. Ich bedauere das sehr, denn ich glaube, daß wir mittlerweile im gesellschaftlichen Leben der Bundesrepublik massive Defizite in moralischer Hinsicht haben. Allein, es bringt nichts sich Illusionen hinzugeben. Wir sind stramm auf dem Weg in eine unerträgliche Wolfsgesellschaft, und eine Wendemarke ist leider nicht in Sicht.
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