Beschwerde stattgegeben Schelsky aus Haft entlassen

Überraschung in Nürnberg: Der ehemalige AUB-Chef Schelsky hat das Gefängnis verlassen - doch die Freiheit könnte von kurzer Dauer sein.

Von Markus Balser und Uwe Ritzer

Der ehemalige Chef der von Siemens mitfinanzierten Betriebsräteorganisation AUB, Wilhelm Schelsky, ist nach Informationen der Süddeutschen Zeitung wieder auf freiem Fuß. Überraschend durfte Schelsky nach Angaben aus Justizkreisen am Montagnachmittag das Gefängnis in Nürnberg verlassen. Er sei zu seinem Anwesen in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern aufgebrochen, hieß es. Das Oberlandesgericht Nürnberg habe zuvor einer Haftbeschwerde stattgegeben, sagte sein Anwalt Jürgen Lubojanski der SZ.

Schelsky war Ende 2008 wegen Betrugs, Steuerhinterziehung und Beihilfe zur Untreue zu einer viereinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig, weil Schelsky Revision eingelegt hat. Das könnte dem 60-Jährigen nun auf Umwegen helfen. Denn Schelskys Verteidiger ging vor Gericht gegen die lange Untersuchungshaft vor. Sein Mandant sitze bereits seit dem 14. Februar 2007 ohne rechtskräftiges Urteil in Haft, kritisierte Lubojanski.

Nur eine Unterbrechung

Damit würden Schelsky die Möglichkeiten verwehrt, die rechtskräftig verurteilte Häftlinge hätten, um ihre Resozialisierung zu forcieren, wie etwa Freigang oder Ausgang. Ein Vorwurf, dem das Oberlandesgericht in Nürnberg nun stattgab.

Damit ist die Haft Schelskys aber möglicherweise nur unterbrochen. Es sei nicht auszuschließen, dass der ehemalige AUB-Chef in den nächsten Monaten wieder in Haft müsse, wenn die Revision abgelehnt wird, sagte sein Verteidiger weiter. Schelsky hat nach Erkenntnissen der Justiz und Siemens zwischen 1990 und 2006 verdeckt mehr als 50 Millionen Euro für den Aufbau der AUB bekommen. Damit sollte er die arbeitgebernahe AUB als Gegengewicht zur kritischen Gewerkschaft IG Metall positionieren.

Neben der ausstehenden Revisionsentscheidung drohen Schelsky auch von anderer Seite weitere wegen Konsequenzen wegen der AUB-Affäre. Denn der Technologiekonzern Siemens fordert von Schelsky Schadenersatz in Höhe von mehr als drei Millionen Euro. Siemens habe Schadenersatzklage beim Landgericht Nürnberg-Fürth gegen Schelsky eingereicht, hatte der Konzern bereits im Februar bekanntgegeben.