Ende gut, alles gut? Der US-deutsche Privatinvestor Berggruen verleibt sich Karstadt ein. Für die marode Warenhauskette bedeutet das vor allem eines: die Chance auf einen Neustart.
Der insolvente Warenhauskonzern Karstadt versucht unter der Regie des Investors Nicolas Berggruen einen Neustart. Der Gläubigerausschuss des Unternehmens sprach sich am Montagabend nach mehr als achtstündiger Beratungen überraschend mit großer Mehrheit für den Sohn des Berliner Kunstsammlers und Mäzens Heinz Berggruen als neuen Eigentümer aus. Der überwiegend in den USA lebende Investor will Karstadt als Ganzes weiterführen und sämtliche 25.000 Arbeitsplätze erhalten.
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Nicolas Berggruen (rechts) erhält den Zuschlag für Karstadt, für Karstadt-Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg ist damit eine anstrengende Schlacht vorbei - mit positivem Ende. (© dpa)
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Kurz vor knapp noch nachgebessert
Der Entscheidung war ein heftiges Ringen der Bieter um den Zuschlag vorausgegangen. Sie hatten ihre Angebote noch kurz vor Beginn des Gläubigertreffens nachgebessert. Zwischen drei Kaufangeboten hatte der aus elf Mitgliedern bestehende Gläubigerausschuss zu entscheiden. Neben Berggruen hatten die deutsch-schwedische Beteiligungsgesellschaft Triton und das Immobilienkonsortium Highstreet um die US-Investmentbank Goldman Sachs eine Offerte abgegeben. Der vierte Interessent, eine Gruppe um den russischen Unternehmer Artur Pachomow, hatte bis Sitzungsbeginn nicht alle erforderlichen Unterlagen eingereicht.
Der 1961 in Paris geborene Investor war in Deutschland nahezu unbekannt, bis er sich am Pfingstwochenende überraschend als möglicher Retter des seit einem Jahr in der Insolvenz befindlichen Essener Warenhausunternehmens ins Spiel brachte. Die Gewerkschaft Verdi hatte damals spontan wenig Sympathie für seine Offerte geäußert. Doch in intensiven Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern war es Berggruen gelungen, das anfängliche Misstrauen von Verdi, die an der Seriosität des Angebots gezweifelt hatte, zu zerstreuen. Kurz vor Beginn des Gläubigertreffens am Montag hatte die Gewerkschaft sogar öffentlich angekündigt, für Bergruen stimmen zu wollen. Dessen Angebot sei aus Sicht der Beschäftigten die attraktivste Offerte, hatte eine Verdi-Sprecherin gesagt. Zudem hätten die geplante Finanzierung und die vorgesehenen Investitionen die Gewerkschaft überzeugt.
Berggruen hatte von Anfang an zugesagt, von den Karstadt-Beschäftigten, die im Rahmen des Sanierungsvertrages in den nächsten drei Jahren bereits auf 150 Millionen Euro verzichten, keine weiteren Zugeständnisse zu verlangen.
Runter mit der Miete
Dagegen fordert er von den Eigentümern der Karstadt-Häuser deutliche Mietminderungen. Über das Konzept, mit dem Berggruen dem Warenhausunternehmen neues Leben einhauchen will, ist bisher wenig bekannt. Vorwürfe, er kenne sich im deutschen Einzelhandel nicht aus, hatte er mit dem Hinweis gekontert, den US-Designer und Modeketten-Betreiber Max Azira als Partner gewonnen zu haben. Erfahrungen mit einem insolenten Unternehmen aus Deutschland besitzt er bereits: Ende 2007 erwarb er wesentliche Teile des in eine Schieflage geratenen größten deutschen Möbelhersteller Schieder. Aus dieser Zeit kennt er Thomas Fox, der seit einigen Monaten als Sanierungsexperte für Karstadt im Einsatz ist.
Berggruen war nicht als Favorit in das Bieterrennen gegangen. Viele Beobachter hatten darauf gesetzt, dass das Highstreet-Konsortium, zu dem auch Fonds der Deutschen Bank sowie der italienische Kaufhausbetreiber Maurizio Borletti gehören, den Zuschlag erhält. Highstreet hatte bei den Arbeitsplätzen und Standorten keine größeren Einschnitte geplant. Allerdings sollten die Mitarbeiter pro Woche zwei Stunden länger arbeiten ohne zusätzlich entlohnt zu werden.
Mit dem Zuschlag für Berggruen wird ein Zusammengehen von Karstadt mit dem zum Metro-Konzern gehörenden Konkurrenten Kaufhof, über das seit Monaten heftig spekuliert wird, unwahrscheinlicher. Denn nur im Fall eines Zuschlags für Highstreet hätte sich Metro-Chef Eckhard Cordes Hoffnung machen können, die etwa 50 Karstadt-Standorte, auf die er ein Auge geworfen hat, erwerben zu können.
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(SZ vom 08.06.2010/mel)
Großprojekte in Berlin
Hoffentlich macht der Berggruen nun ein Qualitätskonzept für die Kundschaft, die dieses schätzt.
Das bisherige Ramschkonzept von Karstadt hat ja in die Pleite geführt. Der Kunde muss darauf vertrauen können, dass jede Ware gute Qualität hat. Dann geht er auch wieder in die Kaufhäuser und wählt aus. Weil er ja kaufen will. Deshalb geht er dahin! Dieser Ramsch der letzten Jahre führte doch zum Verlust der qualitätsbewussten (und kaufstarken) Kundschaft.
Zuletzt konnte man noch nicht einmal mehr ins Restaurant zum Frühstücken gehen, weil einem dort die aufgebackenen Brötchen von gestern angedreht wurden.
ist ein nicht zu unterbietendes Machwerk für männliche Ratschweiber, die sich von
Gerüchten und Strohfeuern aller Art tief beeindrucken lassen. Die sog. "Manager des
Jahres" waren dann nicht selten die Pleitiers des Jahrzehnts geworden. Mit vermeintlichem Insiderwissen und pseudo-analytischer Schärfe sucht das Blatt seit
Jahrzehnten nach Glaubwürdigkeit.
Der Zuschlag für Herrn Berggruen erinnert an den Verkauf des PrivatsendersProSieben SAT 1 an den Investor Chaim Saban,überall hoch gelobt.Ein mehr als fragwürdiger Zuschlag Angebote der Bauer-Gruppe ,vom Fach,wurden nicht berücksichtigt.Es besteht schon die berechtigte Frage ,wie der Gläubigerausschuß zu dieser Entscheidung kam.Nach nur drei Jahren wurde der Sender von dem Manager des Jahres Saban ,so das Managermagazin, mit hohem Gewinn an Finanzinvestoren einfach und mit einem Lächeln weiterveräußert.Wo die Sendegruppe nun steht,ist allgemein bekannt.