Bedrohung des lokalen Handels Amazon liefert in New York innerhalb einer Stunde

  • Amazon startet in New York einen neuen Dienst für seine Prime-Kunden: Produkte werden nun innerhalb einer Stunde nach Hause geliefert.
  • Die Läden vor Ort verlieren damit einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
  • Der Service soll im neuen Jahr auch in anderen Städten etabliert werden.
Von Pia Ratzesberger

Lohnt sich das Verlassen des Hauses überhaupt noch?

Schnelle Paketlieferungen können retten, gerade in der Vorweihnachtszeit. Wer sich was Geschenke angeht, wieder einmal auf einen Kreativitätsschub in den letzten Tagen vor Heiligabend verlassen hat und bei wem dieser wieder einmal - ganz überraschend - nicht eingetreten ist, dem bleibt immerhin noch das Internet. Kurz nach dem Bestellvorgang dann allerdings die bange Frage: Wird die Post das Päckchen noch rechtzeitig liefern?

Zumindest die Einwohner in Manhattan, New York City, müssen sich diese Frage nun nicht mehr stellen. Denn von Donnerstag an liefert Amazon Kunden, die eine Premium-Mitgliedschaft abonniert haben, seine Ware jetzt innerhalb von einer Stunde - und plant den Service im nächsten Jahr auch in anderen Städten anzubieten. Ein Fahrradkurier bringt Shampoo, Bücher oder Spielzeug von einem Lager gegenüber des Empire States Buildings direkt zum Kunden, knapp acht Dollar Aufschlag kostet das pro Bestellung. Wer ein wenig mehr Zeit hat - und ganze zwei Stunden warten kann -, der zahlt keinen Cent.

Eine Stunde, das ist weniger als eine Fahrt von New York nach Trenton, New Jersey, oder von München nach Nürnberg. Nicht nur zur Weihnachtszeit könnte der Lieferservice damit die Einkaufsgewohnheiten der New Yorker verändern: Noch schnell mit dem Auto ins Einkaufszentrum zwei Stadtviertel weiter fahren? Dauert in der Rush Hour womöglich länger als die Bestellung im Internet. Noch zum Buchhändler ein paar Blocks entfernt, um nach diesem einen Gedichtband von Gottfried Benn zu fragen? Amazon hat das Buch garantiert, wahrscheinlich sogar in verschiedenen Ausgaben. Lieber keine Zeit vergeuden.

Was Amazon nicht ersetzen kann

Die Läden vor Ort verlieren dadurch einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil: die sofortige Verfügbarkeit. Wer online bestellte, musste bisher mindestens eine Nacht auf sein Paket warten. Wer in den Laden ging, konnte den Einkauf direkt mitnehmen. Wenn diese Hürde nun fällt, wie können lokale Händler dann noch neben den großen Online-Shops bestehen?

Zwar ist der Prime-Dienst momentan nicht bei allen Produkten, die Amazon auf seiner Webseite aufführt, möglich. Wenn Bücher etwa noch aus Japan oder Seifen aus Frankreich importiert werden müssen, kann schließlich auch Amazon das Produkt nicht innerhalb von einer Stunde liefern. Bei 25 000 Produkten kann der Konzern das allerdings sehr wohl.

Zwei Dinge aber, die kann der schnelle Einkauf im Netz trotz allem nicht ersetzen: Eine gute Beratung im Laden. Und den Weg dorthin, der nämlich nicht immer nur Anstrengung oder Stress bedeuten muss. Manchmal bedeutet er sogar genaue das Gegenteil. Wenn man sich auf den Weg macht, zum Drogeriemarkt ein paar Blocks weiter oder zum Buchladen im nächsten Stadtviertel und dabei doch plötzlich die kalte Luft genießt, das Abendlicht oder das leise Stimmengewirr, das aus den Cafés dringt. Ein Klick im Internet kann all das nicht.