Baumarktkette Insolvenzverwalter schließt mehr als 50 Praktiker-Filialen

In 51 Fillialen der insolventen Baumarktkette Praktiker beginnt der Räumungsverkauf

(Foto: dpa)

Die Suche nach Investoren für die insolvente Baumarktkette Praktiker läuft auf Hochtouren. Doch mindestens ein Drittel der Praktiker-Märkte können nicht mehr gerettet werden - lediglich die etwa 2500 Beschäftigten dürfen noch hoffen.

Bei der insolventen Baumarktkette Praktiker beginnt der Ausverkauf. Der vorläufige Insolvenzverwalter der Baumarktkette, Christopher Seagon, sieht für insgesamt 51 Märkte keine Überlebenschance und will sie möglichst rasch abstoßen. Die quer über das Bundesgebiet verstreut liegenden Häuser mit insgesamt etwa 2500 Beschäftigten schrieben seit längerem tiefrote Zahlen und belasteten damit die übrigen Filialen erheblich, begründete Seagon den überraschenden Schritt. (Hier finden Sie eine Liste mit den Standorten, die geschlossen werden sollen.)

"Diese Märkte haben unter dem Dach von Praktiker und Max Bahr keine Perspektive", erklärte er. Den betroffenen Mitarbeitern an den 51 Standorten soll noch nicht gekündigt werden. Sie sollen in der nächsten Woche in den Märkten damit beginnen, die Waren mit Rabatten loszuschlagen, damit die leeren Gebäude potenziellen Investoren aus anderen Branchen angeboten werden können. Der Abverkauf solle spätestens Ende Oktober abgeschlossen sein, hieß es.

"Ein leer verkaufter Markt ist insbesondere für potenzielle Investoren anderer Branchen interessanter als ein Markt mit Ware", erläuterte Seagon. Deshalb gebe es die Chance, dass Standorte und Beschäftigte übernommen werden könnten. Entsprechende Anfragen seien bereits eingegangen. Es sei aber nicht zu erwarten, dass Investoren diese Standorte als Baumärkte fortführen würden.

Gleichzeitig treibt der Insolvenzverwalter den Verkauf von Praktiker voran. Verschiedene strategische und Finanzinvestoren haben bereits Interesse an einer Übernahme der Gruppe im Ganzen oder in Teilen bekundet.

Die Gewerkschaft Verdi sieht die Stilllegung der Märkte kritisch: "Es ist verheerend, dass die Beschäftigten jetzt allein Management-Fehler der Vergangenheit ausbaden und wegen kurzfristiger Interessen potenzieller Investoren um ihre berufliche Existenz fürchten müssen", sagte Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Insgesamt besteht die Kette gegenwärtig aus 168 Praktiker-Märkten, 14 extra Bau- und Hobby-Märkten sowie 132 Märkten unter der Marke Max Bahr. Sie werden ebenfalls von Seagon verwaltet. In den übrigen Praktiker-Filialen des Konzerns gehe der Verkauf mit allen Beschäftigten unverändert weiter, heißt es in der Mitteilung. Die Warenversorgung sei auf der Grundlage eines Massekredits sichergestellt.

Dagegen laufen die Verhandlungen über einen Massekredit für die Max-Bahr-Läden noch. Die Tochter hatte zwei Wochen nach dem Zusammenbruch von Praktiker ebenfalls wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet, entsprechend später dürften die Gespräche mit den Banken abgeschlossen werden. Für die Tochtergesellschaft wurde ein eigener vorläufiger Insolvenzverwalter berufen.