Arbeitslosenzahlen Bundesagentur erwartet 2013 einen Durchschnitt von weniger als drei Millionen

Im Januar wird die Arbeitslosenzahl die Drei-Millionen-Marke brechen - der Winter war einfach zu kalt. Auf das Gesamtjahr gesehen rechnet Arbeitsagentur-Chef Weise aber mit einer niedrigeren Zahl. Auch wenn viele Experten für die nächsten Monate pessimistisch sind.

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, rechnet für 2013 mit einer Arbeitslosenzahl von im Schnitt unter drei Millionen. "Im ersten Halbjahr 2013 soll es ungünstiger laufen als 2012, danach sieht es voraussichtlich wieder besser aus", sagte er der Passauer Neuen Presse.

Die Bundesagentur gibt an diesem Donnerstag die offiziellen Arbeitslosenzahlen für Januar bekannt. Nach Einschätzung von Experten überschritten sie zum Jahresauftakt die psychologisch wichtige Drei-Millionen-Marke. Sie glauben, dass im Januar insgesamt 3,18 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit gewesen seien. Dies wären etwa 340.000 mehr als im Dezember und knapp 100.000 mehr als vor einem Jahr, berichteten Volkswirte in einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Experten rechnen mit steigender Arbeitslosigkeit

Hauptgrund für die starke Zunahme ist den Experten zufolge vor allem der frostige Winter. Bei Schnee und Eis ruhe auf vielen Baustellen, vor allem aber in Gärtnereien und beim Landschaftsbau die Arbeit und zwinge Firmen, vorübergehend Jobs abzubauen. Auch in der Gastronomie werde ohne das Biergarten- und Terrassengeschäft meist weniger Personal gebraucht. Hinzu komme, dass zum Jahreswechsel viele befristete Jobs endeten. Die Betroffenen würden sich daher im Januar erst einmal arbeitslos melden, bis sie eine neue Stelle gefunden haben, geben einige Fachleute zu bedenken.

Aber auch ohne diesen alljährlich wiederkehrenden Saisoneffekt sei die Arbeitslosigkeit zum Jahresbeginn gestiegen - und zwar um 10.000 bis 15.000, schätzen die von der dpa befragten Volkswirte. Der saisonbereinigte Anstieg macht nach Einschätzung von Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld deutlich, "dass das konjunkturelle Umfeld im Moment noch schwierig ist". Auch andere Bankanalysten gehen davon aus, dass der Arbeitsmarkt vor ein paar schwierigen Monaten steht.

Alle Fachleute rechnen allerdings bis zur Jahresmitte mit einer Besserung. Frühindikatoren wie der Einkaufsmanager-Index signalisierten bereits für Frühjahr wieder eine Konjunkturbelebung. "Im Verlauf des zweiten Quartals dürfte diese positive Entwicklung dann auch auf dem Arbeitsmarkt ankommen", sagte Tuchtfeld. Bis dahin werde die Arbeitslosigkeit - selbst nach Abzug saisonaler Faktoren - zunächst noch weiter steigen. Von einer Krise könne aber angesichts der historisch niedrigen Arbeitslosigkeit keine Rede sein. Eher sollte man von einer "Delle" sprechen.

In der Arbeitslosenversicherung wird die BA ihrem Chef Weise zufolge für Arbeitsmarktpolitik so viel Geld wie 2012 zur Verfügung haben. Er rechne jedoch mit einem Defizit von gut einer Milliarde Euro, das aus den Überschüssen des Vorjahres gedeckt werden könne. Bei der Grundsicherung seien die Mittel gegenüber 2011 um etwa ein Fünftel gekürzt.