Arbeitsbedingungen in Apple Stores Schnüffel-Vorwürfe gegen Apple

Kritik an Arbeitsbedingungen: Im Apple Store München gibt es einen Betriebsrat

(Foto: dpa)

Die Zentrale soll per Webcam überwachen, wie oft Mitarbeiter aufs Klo gehen: Ein anonymer Blogger überzieht Apple mit schweren Vorwürfen. Der Konzern schweigt offiziell - doch der Münchner Betriebsrat macht Druck.

Von Sibylle Haas

Ein anonymes Blog wirft dem Technologiekonzern Apple teilweise schwere Rechtsverstöße vor. Apple bespitzele seine Mitarbeiter, heißt es dort. So seien in einigen deutschen Apple Stores Kameras in den Pausenräumen und vor den Toiletten installiert, um zu sehen, welche Mitarbeiter wie oft aufs Klo gehen. Auch Tonaufnahmen würden in einigen Läden durchgeführt. "In England sitzt die Sicherheitszentrale für die europäischen Apple Stores, hier laufen die Bilder der über das Internet als Webstream übertragenen Überwachungskameras zusammen", heißt es. Diese Art der Kontrolle von Mitarbeitern ist in Deutschland nicht erlaubt. Wohl aber die offene Überwachung der Verkaufsräume mit Kameras, um Ladendiebstählen vorzubeugen.

Apple will sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Der Konzern kommentiere solche Sachen nicht in der Öffentlichkeit, sagt ein Konzernsprecher auf Anfrage. Einen Fragenkatalog ließ das Unternehmen unbeantwortet.

Auch der Blogger, der sich per E-Mail kontaktieren lässt, bleibt anonym. Er verschleiert seine Identität, will nicht sagen, in welchem Apple Store er arbeitet und in welcher Funktion. "Bei Apple ist es genau dies, was man vom ersten Tag an lernt: totale Geheimhaltung", antwortet er auf E-Mail-Anfrage.

Victoria Sklomeit ist Gewerkschaftssekretärin bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in München. Sie beobachtet den Computerkonzern seit Langem und hat vor einem Jahr die Gründung eines Betriebsrats im Münchner Apple Store begleitet. Inzwischen gibt es auch in Frankfurt einen Betriebsrat, in Hamburg wird die Wahl gerade vorbereitet.

Verdi-Frau Sklomeit erzählt: In München sei die Kamera-Überwachung Thema gewesen. Doch Betriebsrat und Management hätten sich nicht auf eine entsprechende Betriebsvereinbarung geeinigt. Nun liege die Entscheidung bei der Einigungsstelle. Auch habe es Lärmmessungen gegeben, da der Lärmpegel in den Stores manchmal extrem hoch sei. Die hätten allerdings nicht in der Hauptverkaufszeit stattgefunden und seien unter dem gesetzlichen Limit geblieben. So steht es übrigens auch im Internet-Blog: Eine weitere Messung, die in das Weihnachtsgeschäft gefallen wäre, sei abgesagt worden.

"Überstunden sind nach wie vor ein Thema", sagt die Gewerkschafterin. Verdi wirft der Firma schon seit Längerem vor, systematisch auf Überstunden zu drängen. Auch der anonyme Blogger schreibt: "So ist zum Beispiel das Festhalten von Mitarbeitern weit über die Arbeitszeit hinaus ein gern gepflegtes, sehr ernstes Spiel der Manager."

Lesen Sie nachfolgend leicht redaktionell bearbeitete Auszüge aus dem E-Mail-Verkehr mit dem Autor des "About Apple"-Blogs.

Frage: Sind die Betriebsräte bei Apple "echte" Betriebstäte oder sind diese dem Management gewogen, vielleicht sogar vom Management "installiert"?

Anwort des Bloggers: Es gab ursprünglich die Idee einer Verhinderung eines Betriebsrats durch die Einsetzung eines Teams, das für eine bessere Kommunikation der Mitarbeiter mit dem Management dienen sollte. Diese Teams sollten letztlich ein Sprachrohr des Managements sein, waren vom Management kontrolliert. Deshalb musste dieses Team schnell scheitern, denn was die Leute bei Apple wirklich wollten, das war ein Betriebsrat. So waren es auch Mitglieder dieses vom Management kontrollierten Teams, die in München den Grundstock des Betriebsrats bildeten, dessen Wahl vorantrieben. Der Betriebsrat, wie er in München besteht, ist keinesfalls den Managern hörig. Was nicht heißt, dass das Management nicht versuchen würde, den Betriebsrat vor ihren Karren zu spannen. Diese Versuche verlaufen nach der Umarmungsmethode, der Betriebsrat wird umgarnt, wie ein guter Freund behandelt, der ja auch wisse, was am besten für alle sei. Dem Versuch einer Umklammerung ist sich der Betriebsrat völlig bewusst und gibt sich sehr viel Mühe, sich daraus zu entwinden. Der Betriebsrat ist also, so weit es irgendwie geht, unabhängig und versucht seine Arbeit so gut wie möglich zu machen. Um es zusammenzufassen: Das Management findet den Betriebsrat toll, um diesen zu umgarnen, der Betriebsrat redet immer nur davon, dass man ständig versuche, diesen nach Strich und Faden zu verarschen. Dass der Betriebsrat in München keine Statements von sich gibt, dies ist ebenfalls eine Entscheidung, die apple-intern zu verstehen ist: Jegliche Öffentlichkeit wird von Apple gescheut wie der Teufel das Weihwasser. Und um nicht noch mehr Probleme zu bekommen und die Arbeit des Betriebsrats nicht unnötig zu gefährden, schweigt der Betriebsrat lieber. Dies, so vermute ich, basiert aber mindestens zu einem Teil wiederum auf der Atmosphäre bei Apple, wie sie alle inkarniert haben: Schweigen, niemandem was sagen, immer aufpassen, was man wem sagt, ständige Angst, man könne einen Fehler machen, schlussendlich: einer guten alten Paranoia, wie man sie bei Thomas Pynchon nachlesen kann.

Wie ist die Zusammenarbeit der Betriebsräte mit dem Management?

Schwierig, da das Management im Betriebsrat gerne nutzen würde, um die Untergebenen besser zu kontrollieren. Andererseits kämpft der Betriebsrat täglich um seine Unabhängigkeit und möchte seine Arbeit so machen, wie dies von dessen Wählern erwartet wird. Nach außen hin, wie immer bei Apple, ist aber alles rosige Freude...

Welche Rolle spielt die Gewerkschaft Verdi?

Verdi spielt in der Arbeit des Betriebsrats eine große Rolle, denn die Gewerkschaft unterstützt den Betriebsrat in München sehr stark, zumal es eben ein sehr schwieriger Arbeitgeber ist. Sonst, unter den Kollegen, spielt Verdi keine große Rolle; es sind kaum Leute in der Gewerkschaft, egal wo in Deutschland, die meisten sehen dergleichen Institutionen sicher als etwas verstaubt, als etwas, das zu älteren Generationen gehört, aber nicht zu den jungen Computermenschen, die bei Apple arbeiten. Jegliche Versuche, die ich bei Apple erlebt habe, den Gewerkschaftsgedanken zu stärken, sehe ich als gescheitert. Die hat es durchaus gegeben. Doch das führt eher zu müdem Gähnen. Nochmals ein Aber: Jetzt haben die Mitarbeiter bei Apple wenigstens mal einen Ansprechpartner, wenn es zu irgendwelchen Problemen kommt, dies hilft schon mal ganz viel. Denn zuvor war das die Domäne der Manager, und die haben immer nur eine Richtung gekannt: Der Mitarbeiter ist schuld an allem, das Management ist sakrosankt, mit all den Ausreden und Hindrehereien, die so etwas gerne mit sich bringt.

Haben sich die Arbeitsbedingungen in den Stores verbessert, in denen es Betriebsräte gibt?

Die Bezahlung hat sich verbessert, an einigen Punkten besserte Apple nach, zum Beispiel bei Pausenräumen, Pausenzeiten und vor allem: Ruhezeiten. Aber grundsätzlich änderte sich nichts an den Arbeitsbedingungen. Ganz langsam und an spezifischen, durch den Betriebsrat aufgebrachten Schwerpunkten mag sich etwas ändern. Aber am großen Ganzen hat sich nichts geändert. Daran hat Apple auch gar kein Interesse, denn die sehen ihre internen Gesetze als international gültig und werden lokalen Gepflogenheiten, wie etwa in München beim Lohn, nur begrenzt entgegenkommen. Das Management bewegt sich erst dann, wenn gar nichts mehr geht - und bis es soweit kommt, dafür braucht es oft genug einen Richterspruch, sonst läuft da gar nichts. Die Arbeitsbedingungen wurden über Jahre hinweg immer schlechter, die Knute wurde immer straffer gezogen, und derzeit findet mal wieder so eine Evolution des Tonfalls und der Behandlung der Mitarbeiter statt, es geht weiter bergab.

Haben Sie den Betriebsräten vertraut?

Ja, voll und ganz. Denn ich weiß, wie schwer ihre Arbeit ist, und wie sehr sie darum kämpfen, ihre Arbeit wirklich gut zu machen. Selbstverständlich einigen mehr als anderen, aber das war eine persönliche Entscheidung, ob ich jemanden mehr oder weniger mochte.