Anglo Irish Bank Telefonmitschnitte entlarven irische Banker

Die Anglo Irish Bank stand kurz vor der Pleite und zwei ihrer führenden Banker telefonierten: Voller Verachtung für ihr Umfeld überlegten sie, wie sie von Finanzhilfen profitieren könnten. Die veröffentlichten Mitschnitte der Gespräche lösen in Irland einen Aufschrei aus.

Von Andreas Oldag

Es ist ein zynischer Ton, der die ganze Verachtung millionenschwerer Banker für ihr soziales Umfeld deutlich macht. "Aber Du weißt, die Strategie ist, sie (die irischen Notenbanker- SZ) hineinzuziehen. Du kriegst sie dahin, am Ende einen dicken Scheck auszustellen", sagte der damalige Manager der angeschlagenen irischen Bank Anglo Irish, John Bowe, seinem Kollegen Peter Fitzgerald. Die beiden Banker unterhielten sich am Telefon im September 2008 darüber, wie sie bei der irischen Notenbank Finanzhilfen locker machen könnten.

Die irische Zeitung Irish Independent hat jetzt diese vertraulichen Telefongespräche veröffentlicht und damit einen Aufschrei im Land ausgelöst. Kein Wunder, denn aus den Protokollen geht hervor, dass sich ehemalige Anglo-Irish-Banker wenige Tage nach dem Kollaps der US-Bank Lehman Brothers darüber im klaren waren, dass sich ihr Institut ähnlich verzockt und verspekuliert hatte wie die große Wall-Street-Bank jenseits des Atlantiks. Aber offenbar wollten Bowe und Fitzgerald die desaströse Lage von Anglo Irish in den Verhandlungen mit der irischen Notenbank um Hilfsgelder zunächst verschleiern. Ganz nach dem Motto: Wir räumen ein kleines Malheur ein, um Geld zu erhalten. Und dann, wenn die Katastrophe ohnehin nicht mehr zu verschweigen ist, werde die Notenbank - sprich der Steuerzahler - schon nachschießen. Man könnte so etwas auch als Erpressungsstrategie bezeichnen, obwohl Bowe in der Zeitung Irish Independent solche üblen Hintergedanken umgehend dementieren ließ.

Es war einmal eine irische Bank, die das große Rad drehen wollte, aber schließlich mit einem großen Knall endete. So lässt sich das Drama um das Kreditinstitut umreißen, das ein Land fast in den finanziellen Abgrund trieb. Wie kein anderes Institut stand Anglo Irish für die Finanzierung einer gewaltigen Immobilienblase, die schließlich 2008 platzte und den einstigen "keltischen Tiger" 2010 um EU-Hilfen in Brüssel betteln ließ.

Das Problem des "too big to fail"

Einen Verlust von 17,7 Milliarden Euro - den höchsten in der Wirtschaftsgeschichte des Landes - musste Anglo im gleichen Jahr vermelden. Das entsprach einem Drittel des irischen Haushaltsdefizits. Die Anglo-Bilanz bestand vor allem aus faulen Immobilienkrediten, die die Bank-Manager in der Boomphase nach der Jahrtausendwende angehäuft hatten. Zunächst wurde das Institut 2009 verstaatlicht und dann 2011 mit der Hypothekenbank Irish Nationwide Building zur Irish Bank Resolution Corporation (IBRC) verschmolzen. Doch auch IBRC war eine Zombiebank, die keine Überlebenschancen hatte, so dass die Regierung dann die Liquidation beschloss.

Insgesamt 30 Milliarden Euro könnte das Pleiteinstitut Anglo Irish den irischen Steuerzahlern kosten. Das Desaster zeigt auch, dass das Problem des "too big to fail" - zu groß, um zu scheitern - für kleine Volkswirtschaften wie Irland mit seinen 4,5 Millionen Einwohnern finanziell weitaus dramatischere Folgen hat als zum Beispiel für Deutschland. So monieren viele Kritiker, dass die damalige Dubliner Regierung den angeschlagenen Banken - allen voran Anglo Irish - einen Blankoscheck zum Überleben ausgestellt hatte.

Bowe und Fitzgerad waren sich offenbar in der kritischen Phase des Jahres 2008 von Beginn an darüber bewusst, dass Anglo ein Fass ohne Boden werden würde. Die Notenbank-Hilfen seien eine "Brücke bis wir zurückzahlen - das ist natürlich nie", brüstete sich Bowe laut Irish Independent in seinem Telefonat mit seinem Managerkollegen.

Die irische Regierung unter Ministerpräsident Enda Kenny steht jetzt unter Druck, einen Untersuchungsausschuss über die Machenschaften der Banken zu unterstützen. Doch viele Parlamentarier zögern. Hintergrund sind offenbar auch Befürchtungen, dass man damit mächtige Familien im Lande vergrätzen könnte, die die Banken nutzten, um ihre Immobiliengeschäfte zu finanzieren. Dazu gehört auch der schillernde Unternehmer und einst reichste Mann Irlands, Sean Quinn, der gute Beziehungen zu Anglo Irish pflegte.

Linktipp: Auf den Aufnahmen ist auch zu hören, wie ein Anglo-Manager "Deutschland, Deutschland, über alles" singt - zu hören auf der Website des Irish Independent.