Anerkennung für virtuelle Währung Gold, Silber, Bitcoin

Vom Anarcho-Geld der Internet-Nerds zur echten Währung: Ein US-Richter hat das virtuelle Zahlungsmittel Bitcoins als Währung bezeichnet. Das von einem unbekannten Programmierer geschaffene Finanzsystem erfährt damit eine neue Anerkennung.

Von Anja Perkuhn

Der Bitcoin ist die Antwort auf die Finanzkrise - zumindest für diejenigen, die der staatenlosen Online-Währung vertrauen. Doch von offizieller Seite ist die Skepsis bisher groß gegenüber "Internet-Geld", das im Grunde nur online existiert. Nun ist der Bitcoin aber aufgestiegen: Ein Bundesrichter hat ihn als Währung bezeichnet (Das Original-Zitat findet sich auf Seite 3 der Gerichtsmitschrift, Anm. d. Red.). Damit wurde die virtuelle Währung erstmals von einer US-Behörde als echte Währung eingestuft.

In einem Verfahren gegen einen ehemaligen Bitcoin-Hedgefonds sagte der zuständige Richter: "[Bitcoin] kann auch gegen konventionelle Währungen eingetauscht werden, wie den Dollar, Euro, Yen und Yuan. Daher ist Bitcoin eine Währung oder eine Form von Geld, und Investoren, die etwas im BTCST (Bitcoin Savings and Trust, Anm. d.Red.) anlegen wollen, haben daher auch Geld investiert." Es solle deshalb auch genau so reguliert werden wie etwa Dollar oder Gold.

Das US-Finanzministerium soll nach Berichten von Online-Publikationen vorhaben, die "Kryptowährung" zu regulieren. Demnach sollen auch Unternehmen, die mit Bitcoins handeln, als Finanzunternehmen eingestuft werden. Vor kurzem hat beispielsweise das Heimatschutz-Ministerium in den USA in die größte Bitcoin-Börse Mt. Gox kurzzeitig eingegriffen und Konten beschlagnahmt, weil sie nicht den Überweisungsvorschriften nachkam. Mt. Gox hat sich inzwischen als ein Finanzunternehmen registrieren lassen.

Bitcoins sollten stabile Währung sein - unabhängig vom Staat

Nutzer können Bitcoin als virtuelle Guthaben erwerben ohne den Zwischenschritt über eine Bank. Der Wechselkurs zu echtem Geld wird täglich neu errechnet - und kann teils extrem schwanken. Das Nehmen die Nutzer aber in Kauf: Ein unbekannter Programmierer hat das System 2009 geschaffen, weil er eine von Zentralbanken und anderen Finanzinstituten unabhängige, stabile Währung wollte.

Da das Bitcoin-System auf freier Software basiert, kann auch theoretisch jeder, der möchte, einen eigenen Bitcoin-Klon erstellen - und Nachahmer gab es in den vergangenen Jahren diverse, wie die digitalen Währungen Litecoin, Ripple oder PPCoin, die ebenfalls gewisse Erfolge zu verbuchen haben. Auch zusätzliche Gimmicks für das Ursprungs-System sind inzwischen auf dem Markt: Kürzlich stellte auf der Def Con Hackerkonferenz in Las Vegas eine Gruppe von Tüftlern einen Wechselautomaten im Kofferformat vor, der reale Münzen frisst und digitale Währung in Form eines Stücks Papier mit einem QR-Code ausspuckt.

700.000 Bitcoins sammelte er ein und investierte sie nie

Das laufende Verfahren richtet sich gegen Trendon Shavers, den Betreiber des auf Bitcoins basierenden Hedgefonds BTCST (Bitcoin Savings and Trust). Er ist angeklagt, weil er von Investoren etwa 700.000 Bitcoin einsammelte, die zum Zeitpunkt des Betrugs einen Gegenwert von 4,5 Millionen Dollar hatten. Anstatt das Geld der Investoren in den angeblichen Fonds zu investieren, baute er ein Schneeballsystem auf: Er benutzte das Geld dafür, die Bitcoins von neuen Investoren mit bis zu sieben Prozent pro Woche zu verzinsen. Im August 2012 endeten aber die Auszahlungen an die Investoren plötzlich und BTCST machte dicht.