16. Februar 2013, 07:35 Warren Buffet und der Ketchup-Hersteller Börsenaufsicht vermutet Insiderhandel bei Heinz-Kauf

1,7 Millionen Dollar Gewinn machten Unbekannte bei der Übernahme des Ketchup-Herstellers Heinz durch Warren Buffet. Sie spekulierten mit Optionsscheinen auf einen Kursanstieg. Die US-Börsenaufsicht vermutet Insiderhandel. Die Spur führt zu einem Konto nach Zürich.

Wegen des Verdachts auf Insiderhandel bei der Übernahme des amerikanischen Ketchup Königs H.J. Heinz hat die US-Börsenaufsicht SEC das Vermögen in einem verdächtigen Schweizer Depot einfrieren lassen. Die Behörde erklärte, sie habe am Freitag in New York einen entsprechenden Gerichtsbeschluss erwirkt. Sie konnte die Spur nach eigenen Angaben bis zu einem Konto in Zürich zurückverfolgen.

Die SEC hegt den Verdacht, dass die Besitzer des Kontos durch einen Tipp Wind von der anstehenden Heinz-Übernahme durch Investor Warren Buffett und den Finanzinvestor 3G Capital bekommen hatten. Sie hätten daraufhin am Mittwoch massenhaft sogenannte Optionen gekauft, so die Mutmaßung. Durch diese lässt sich auf ein Kursplus wetten.

Das Depot liegt es bei der Bank Goldman Sachs. Diese teilte mit, mit den Börsenaufsehern bei deren Untersuchung zusammenzuarbeiten. Wem das Geld gehört, das dort liegt, ist unbekannt. Es handele sich entweder um ausländische Anleger oder um Anleger, die über das Ausland gehandelt hätten, hieß es.

Optionsgeschäfte als Warnsigmal

Wer von der Fusion wusste, konnte viel Geld verdienen. Laut Financial Times geht es um 2500 Optionen, gekauft für 65 Dollar pro Stück, der offizielle Kurs lag zu diesem Zeitpunkt bei 60 Dollar. Als der Firmendeal bekannt wurde, sprang der Kurs um 20 Prozent auf 72,50 Dollar. Der Gewinn durch die verdächtigen Optionsgeschäfte liege bei 1,7 Millionen Dollar, erklärte die SEC.

Die Aufseher hoffen nun darauf, dass sich die Profiteure von selbst outen: Wenn die Anleger an ihr Vermögen heranwollten, müssten sie vor Gericht erscheinen und ihr Handeln erläutern, sagte SEC-Mitarbeiter Sanjay Wadhwa.

Bereits am späten Donnerstag hatten erste Spekulationen über verdächtige Optionsgeschäfte sowie ein Eingreifen der SEC die Runde gemacht. "Irreguläre oder hochgradig auffällige Optionsgeschäfte vor einer Fusion oder Übernahme sind ein ernstes Warnsignal, dass Anleger möglicherweise unlauter mittels geheimer Informationen gehandelt haben", sagte ein Ermittler der SEC.

Wer hat geplaudert?

Die 23 Milliarden Dollar teure Heinz-Übernahme wurde zunächst als Beginn eines neuen Zeitalters der Großfusionen bejubelt. Nun wird der Kauf des als genial verehrten Buffett von den Vorwürfen überschattet. Vor allem steht nun die Frage im Raum: Wer hat das Geschäft ausgeplaudert? Insiderhandel ist verboten, weil Börsengeschäfte auf Basis vertraulicher Informationen andere Anleger benachteiligen. Im Zuge der Bemühungen, die Finanzmärkte nach der Krise von 2008 besser zu überwachen, geht die SEC mittlerweile verstärkt gegen diese Geschäfte vor.

Es gab in den USA zuletzt eine ganze Reihe von Verurteilungen in derartigen Fällen wie beim Hedgefonds-Manager Raj Rajaratnam. Sollte sich der Verdacht erhärten, wäre das insbesondere für Warren Buffett ein heftiger Schlag - ganz gleich, wer die Übernahme letztlich ausgeplaudert haben sollte.

Der 82-jährige Chef und Hauptaktionär der Investmentholding Berkshire Hathaway legt besonderen Wert auf saubere Geschäfte. Schon vor zwei Jahren trennte er sich wegen zweifelhafter Aktienkäufe von seinem wichtigen Manager und möglichen Nachfolger David Sokol.