19. Dezember 2012, 08:55 Libor-Skandal UBS zahlt Milliardenstrafe für Zinsmanipulation

Die Schweizer Großbank UBS muss wegen ihrer Verwicklung in den Libor-Skandal etwa 1,2 Milliarden Euro Strafe zahlen. Das ist Teil einer Einigung mit Behörden in den USA, der Schweiz und Großbritannien. Der Deal: Das Geldinstitut gab das Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter zu, dafür wurden die Ermittlungen eingestellt.

Die Verstrickung in den Libor-Skandal kommt die Schweizer Großbank UBS teuer zu stehen: Die größte Schweizer Bank zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulierung des weltweit wichtigsten Basiszinssatzes Strafen in Höhe von 1,4 Milliarden Franken (1,16 Milliarden Euro).

Wie die Bank bekanntgab, entrichtet sie entsprechende Geldbußen an US-, britische und Schweizer Behörden. Damit werden deren Ermittlungen gegen die UBS im Zuge des Libor-Skandals eingestellt. Die Strafzahlungen führen dazu, dass die UBS im vierten Quartal einen Verlust von bis zu 2,5 Milliarden Franken (2,07 MIlliarden Euro) verbuchen wird.

Bestandteil der Vereinbarung mit den amerikanischen Behörden, die mit 1,2 Milliarden Franken den Großteil der Strafzahlung erhalten wird, sei, dass die japanische Tochter der UBS sich in einem einzelnen Anklagepunkt der Libor-Manipulation schuldig bekenne. Nach Angaben von UBS waren bestimmte Mitarbeiter an dem Versuch beteiligt, die Daten zu manipulieren, die bestimmten Libor-Sätze zugrunde liegen. Ein Großteil der Manipulationen gehe auf einen einzelnen Händler zurück, der von 2006 bis 2009 für UBS in Tokio tätig war, erklärte die Schweizer Bankenaufsicht Finma.

UBS-Konzernchef Sergio Ermotti sagte in einer Telefonkonferenz, etwa 40 Mitarbeiter hätten wegen der Libor-Manipulationen die Bank verlassen oder seien entlassen worden. UBS habe mit den Untersuchungsbehörden voll kooperiert und ihr Kontrollsystem inzwischen erheblich verbessert. "Im Verlauf der Untersuchungen haben wir inakzeptables Verhalten von gewissen Mitarbeitern festgestellt", sagte Ermotti.

Insgesamt sollen mehr als ein Dutzend Großbanken über Jahre Referenzzinssätze wie den Libor zu ihren Gunsten manipuliert haben. Der einmal täglich in London ermittelte Zinssatz soll anzeigen, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen. Der Zinssatz beruht auf den - von Dritten bislang kaum nachprüfbaren - Angaben der Institute und ist die Grundlage für Finanztransaktionen in Milliardenhöhe rund um den Globus. Die Ermittler vermuten, dass die Banken vor allem auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 zu niedrige Angaben gemacht haben, um ihre tatsächlichen Refinanzierungskosten zu verschleiern und Handelsgewinne einzustreichen.

Die Zahlung, zu der sich die UBS jetzt verpflichtet hat, liegt etwa drei Mal höher als die Summe, die die britische Bank Barclays im Juni wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des Referenzzinses bezahlen musste. Sie wird nur noch von den 1,9 Milliarden Dollar übertroffen, zu deren Zahlung die in London britische HSBC vergangene Woche wegen eines Geldwäsche-Skandals verpflichtet wurde. Für UBS selbst ist es die höchste Strafe, die die Bank jemals zu entrichten hatte. Wegen der manipulation gab es vergangene Woche auch Verhaftungen.

Linktipp: Wer sich fragt, wie der Libor überhaupt funktioniert: Die Financial Times hat ein interaktives Spezial "Understanding Libor" gebastelt.