Rumänische Fastenküche Köstlicher Verzicht

Vier rumänische Fastengerichte

...von diesem Nusshefezopf zu Krautwickeln für die ganze Familie. mehr... Rezepte-Kollektion

Die rumänische Fastenzeit dauert knapp fünf Monate. Groß einschränken muss sich aber trotzdem keiner. Die Fastenküche hier ist eine der vielfältigsten der Welt.

Von Kathrin Hollmer

Es ist nun etwa ein halbes Jahrhundert her, dass die katholische Kirche die Bußpraxis entschlackt hat. Und es entbehrt nicht der Ironie, dass proportional zur stetigen Lockerung der vorösterlichen Enthaltsamkeit die Leidensbereitschaft des westlichen Menschen zunahm: Ob Alkohol-, Fleisch- oder Zuckerverzicht, ob Low-Carb oder No-Narb, die Gemüsebrühe-Methode nach Buchinger oder Detox mit Säften - das Fasten ist bei uns zur ernsten, hochpersönlichen Angelegenheit geworden. Nie geht es dabei um Genuss, selten um Demut, immer öfter dafür um Gesundheit, Selbstbestätigung, Kontrolle.

Wer diese Entwicklung paradox findet, der sollte einen Blick nach Rumänien werfen. Kaum eine christliche Kirche nimmt Ernährungsgebote so ernst wie die rumänische Orthodoxie, weshalb das Balkanland die abwechslungsreichste Fastenküche Europas entwickelt hat: "Die Rumänen verzichten auf kaum etwas", sagt Monica Petrica-Kozlowski. "Fasten hat dort nichts mit Überzeugung zu tun. Es geht darum, die Regeln der Kirche zu erfüllen und dabei möglichst wenig zu spüren, dass man fastet."

Die rumänische Fastenküche ist nahezu vegan, der Gemüsemarkt also eine gute Basis.

(Foto: Getty Images/Getty Images)

Monica Petrica-Kozlowski würde das nie so formulieren, aber sie ist nicht nur eine rare Expertin für rumänische Küche, sondern auch eine Art Fastenprofi. Wenn sie ihr Wissen heute in Kursen weitergibt, dann ist das auch Zufall. Eigentlich arbeitet die gebürtige Rumänin in München als Anwältin für eine Technologiefirma, nebenbei gibt sie Sprachkurse. Doch weil sie dort so wunderbar über Essen erzählte, baten ihre Schüler sie vor einigen Jahren auch um Kochkurse. Heimlich, erklärt sie, träume sie von einem eigenen Lokal.

Und so kommt es, dass die 41-Jährige nun in der Küche der Münchner Volkshochschule steht und einen riesigen Topf für Mangoldsuppe sucht. "Zehn Liter ist die Standard-Größe in Rumänien", sagt sie lächelnd. Dort koche man gern auf Vorrat, und meist sitze noch eine große Familie am Tisch, erklärt sie. Heute aber müssen eben fünf Liter Suppe reichen.