Kochnische zu Rosenkohl So schmeckt es auch großen Kindern

Lieber glaciert als gekocht: Rosenkohl auf dem Backblech schmeckt auch Skeptikern.

(Foto: Christina Metallinos für SZ.de)

Kinder, die keinen Rosenkohl mögen, werden belächelt, Erwachsene dagegen mit bösen Blicken gestraft. Dabei kann man die kleinen Röschen sogar liebgewinnen - indem man sie nicht kocht, sondern im Ofen röstet.

Von Christina Metallinos

Kinder haben es gut, zumindest in Sachen Gemüse: Niemand käme auf die Idee, von ihnen zu verlangen, Kohl zu verzehren. Die meisten Eltern sind schon froh, wenn die Kleinen ein Stück Paprika essen. Restaurants bieten in vorauseilendem Gehorsam Kinderschnitzel mit Pommes an, und das mit Erfolg. Es ist ein wenig so wie bei dem Bestseller von Heinz Strunk: Fleisch ist mein Gemüse.

Gemüse schiebt auch manch ausgewachsener Mensch ratlos auf dem Teller umher. Denn zu den Pflichten der Volljährigkeit gehört, ein ungeliebtes Gemüse wie Rosenkohl plötzlich anzuerkennen. Mehr sogar: mit Freude zu genießen. Sonst kann er sich gleich an den Kindertisch mit den Buntstiften setzen.

Meine langjährige Abneigung gegen Kohl jeder Art lag vor allem an dem Geruch, den das Hauptgericht der Germanen beim Kochen entwickelt. So gab mir denn auch der Anblick von wabbeligem, gekochtem Rosenkohl auf dem Teller den Rest.

Doch dann - die Erleuchtung: Eines Tages bekam ich Rosenkohl (oder auch Brüsseler Kohl, in Österreich auch Sprossenkohl und Kohlsprossen genannt) einmal ganz anders zubereitet: Und zwar gebraten, pikant abgeschmeckt mit der Säure von Zitrusfrüchten. Also wagte ich mich an die kleinen grünen Röschen heran und kann nun voller Stolz behaupten: Dieses Gemüse esse ich - in dieser Variante auch als vegetarisches Hauptgericht. Oder einmal ganz anders: Mit etwas orientalisch gewürztem Couscous.

Im Ofen geröstet wird der Kohl langsam weich und behält dennoch Biss. Hinzu kommt die fruchtige Säure von Orangen, deren Saft sich im Ofen als karamellisierte Glasur um die halbierten Röschen legt. Und das Beste: Dies alles geschieht ohne den typischen Kohldunst, der sich stundenlang in der Küche - und Kindernasen - festsetzen könnte. So werden kleine und große Rosenkohlhasser nicht von verräterischem Müffeln in die Flucht geschlagen, sondern vielleicht sogar vom verführerischen Duft an den Tisch gelockt.

Für vier Portionen als Beilage

750 g Rosenkohl

1 Bio-Orange

3 Zweige Thymian

1 EL Honig

2 EL Olivenöl

½ TL feines Meersalz

1 EL Weißweinessig

Ofen auf 220°C vorheizen. Rosenkohl waschen und trocknen, Strunkansätze nur sparsam entfernen, damit die Blätter noch gut zusammenhalten. Röschen halbieren. Die Orange heiß waschen und ein Viertel der Schale fein abreiben. Orangenschale mit Thymian, Olivenöl, Salz und Essig mischen und die Marinade in einer großen Schüssel gleichmäßig über die Rosenkohlhälften verteilen.

Den Rosenkohl mit der Schnittseite nach unten auf ein Backblech setzen und im vorgeheizten Ofen 220°C für lediglich zwölf Minuten rösten. Währenddessen den Orangensaft auspressen und mit dem Honig verrühren. Die Mischung auf dem Rosenkohl verteilen - und weitere fünf Minuten rösten lassen.