Kaviar Gauche auf der Fashion Week Feen ohne Lässigkeit

Nach einem Abstecher nach Paris präsentiert Kaviar Gauche wieder in Berlin die Kollektion für die Herbst-/Wintersaison 2015/2016.

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Mit Kaviar Gauche kehrt eines der erfolgreichsten deutschen Labels zurück auf die Fashion Week in Berlin. Doch reichen die dünnen Models in feenhaften Kreationen, um das deutsche Publikum zu begeistern?

Von Felicitas Kock, Berlin

Ach, die Deutschen, wie sie wieder daherkommen in ihren unprätentiösen Outfits. In dunklen Hosen, weiten Blusen, unauffälligen Cardigans. Auch zur Fashion Week in Berlin. Verzweifelt man da nicht als Klamottenlabel, das sich zum Ziel gesetzt hat, "modernen Glamour" zu verkaufen? "Manchmal ja", sagt Johanna Kühl, Mitgründerin der Modemarke Kaviar Gauche, "vor allem in Berlin". Die Stadt sei großartig, in Sachen Mode aber gleichzeitig oft deprimierend. Immer diese Zurückhaltung, dieses Understatement, dieses betonte Nichtauffallenwollen.

Trotzdem sind Johanna Kühl und ihre Kollegin Alexandra Fischer-Roehler nach einem Abstecher nach Paris, wo sie im Sommer ihre Mode präsentierten, wieder in die Heimat zurückgekehrt und haben in Berlin am Mittwochabend ihre Kollektion für die Herbst-/Wintersaison 2015/2016 vorgestellt.

Für die Hauptstadt ein klarer Gewinn, muss sie doch seit Jahren immer wieder neu um ihren Platz im internationalen Modezirkus kämpfen. Mehrere Veranstaltungen wurden kurz vor der Fashion Week abgesagt, wirklich große Namen wie Wolfgang Joop oder Escada sind ihr auch diesmal wieder ferngeblieben. Dass wenigstens Kaviar Gauche immer wieder zu den eigenen Wurzeln zurückfindet, lässt die Fachwelt ein bisschen aufatmen.

Oskar Roehler, Heike Makatsch und Lavinia Wilson scheint die Kaviar Gauche Show zu gefallen.

(Foto: Getty Images for Kaviar Gauche)

Kühl und Fischer-Roehler haben sich auf der Berliner Modeschule Esmod kennengelernt, 2004 ihr gemeinsames Label gegründet und 2007 auf der Berliner Modewoche den "New Generation Fashion Award" gewonnen. Heute gehören sie zu den wichtigsten Designerinnen, die die Republik zu bieten hat, ihre Fangemeinde ist beachtlich.

Dass sie nun erneut nach Berlin gekommen sind, hat wenig mit Heimatverbundenheit zu tun. Es sei ein Kompliment, dass man sich in Berlin über ihre Anwesenheit freue, sagt Kühl. Aber natürlich müssen die Designerinnen wie alle anderen aufs Geschäft achten. Und das läuft nur, wenn ausreichend Werbung gemacht, wenn viel über ein Label berichtet wird. Deshalb laden Modefirmen Prominente ein, die sich medienwirksam in die erste Reihe setzen, deshalb werden Journalisten hofiert und mit kleinen Geschenken überschüttet. So funktioniert das System.

Kaviar Gauche steht für festliche Abendgarderobe aus zarten Stoffen und für feenhafte Brautkleider.

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Designerinnen in der Zwickmühle

Gerade was die Berichterstattung angeht, stecken die Designerinnen von Kaviar Gauche in der Zwickmühle: Wenn sie nur in Berlin zeigen, werden sie auf dem internationalen Markt zu wenig wahrgenommen. Wenn sie nur in Paris und London zeigen, tauchen sie in der deutschen Presse kaum mehr auf. Deutsche Modejournalisten, die auf Modemessen im Ausland fahren, tun das, um über die dort ansässigen internationalen Größen zu berichten: In Paris über Chanel, in London über Burberry, in Mailand über Gucci, Prada, Dolce & Gabbana.

Kühl und Fischer-Roehler haben sich deshalb für einen Mittelweg entschieden: "Wir wechseln ab, zeigen unsere Kollektionen abwechselnd in Berlin und Paris", sagt Johanna Kühl. Das sei für den Moment die beste Lösung, auch wenn es viele Leute nerve, dass sie bei der Modewoche im Januar vertreten seien und im Juli nicht.

"Wir zeigen unsere Kollektionen abwechselnd in Berlin und Paris" Die Designerinnen Johanna Kühl (links) und Alexandra Fischer-Roehler.

(Foto: dpa)

Zumindest in Berlin stößt das, was da am Mittwochabend zu sehen ist, nicht (mehr) nur auf Begeisterung. Seit Beginn steht Kaviar Gauche für festliche Abendgarderobe aus zarten Stoffen, für feenhafte Brautkleider mit viel Spitze und floralen Elementen. Seit Jahren immer das Gleiche, hört man es aus allen Ecken murren. Zur Schau gehe man nicht mehr, es werde ja nur Altbekanntes geboten. Wo bleiben die neuen Ideen, wo die Weiterentwicklung?