Fashionspießer: Hündchen in der Tasche Wenn die Achsel bellt

Trendige Beutelratte: Die Damenhandtasche ist die natürliche Umgebung des Chihuahua.

(Foto: iStockphoto)

Was soll man anfangen mit einem zitternden 600-Gramm-Wesen, das Fledermausohren hat, aber ein Hund sein will? Die Mode-Industrie hat wieder mal zuerst reagiert und das perfekte Accessoire für den It-Dog erschaffen. Nun heißt es für Chihuahua und Co.: Ab ins Achseltäschchen! Und für die Hundehalter: Ab in die Ecke! Eine Stilkolumne.

Von Violetta Simon

Die Frau von heute trägt wieder Haar unter der Achsel. Allerdings nicht ihr eigenes, sondern in Form eines zitternden Fellhäufchens. Wo einst ein mit Strass verziertes Täschchen baumelte, schaukelt heute ein glupschäugiges Hundegesicht mit Fledermausohren, besser bekannt unter der Bezeichnung "Chihuahua". Die Minitöle in der Achseltasche ist DAS angesagte Accessoire schlechthin, zumindest bei trendbewussten Hundehalterinnen.

Mit einem Gewicht, das in etwa einem Pfund Aufschnitt entspricht, zitterte sich der Mikrohund geradewegs in die Herzen der Damenwelt. Es ist diese Leichtigkeit, die sie an ihrem Taschenhund lieben: Bei einem kräftigeren Tier würde sein graziles Frauchen unverzüglich ins Taumeln geraten. Das üppige Strassgehänge und die kiloschweren Creolen könnten sich aufschaukeln, die pinkfarbenen Plateaupumps würden den Rest erledigen.

Ob der Taschenhund Beine hat? Wer weiß das schon. Sie würden ihm ohnehin nicht viel nützen. Niemals könnte der mexikanische Zwerg Schritt halten mit dem Menschen. Im Supermarkt würde er von Einkaufswägen überrollt. Im Restaurant zwischen rückenden Stühlen und eiligen Kellnerschritten zermalmt. Und hat man nicht erst neulich wieder von einem Chihuahua gehört, der in die Fahrradspeichen geriet, weil sein Frauchen ihn beim Radfahren an der Leine geführt hatte?

Wunderbarerweise hat die Industrie zielsicher die Marktlücke entdeckt, die da unter dem Frauchen-Arm kläffte ... äh ... klaffte und flugs gefüllt: mit einer Hundetasche für den Taschenhund. Praktisch, vor allem, wenn man keine Hotelerbin ist und über einen Bodyguard verfügt, der einem den kleinen Liebling hinterherträgt.

Und so wurde aus einem Hund ein Achselhund, dessen natürliche Umgebung eine Damenhandtasche ist, vorwiegend in Leopardenprint. Tierfreunde, die in der Taschenhaltung Tierquälerei wittern, sollten lieber nicht versuchen, den Minihund aus seiner vermeintlichen Gefangenschaft zu befreien: Sobald seine Stummelbeinchen den Boden berühren, beginnt er derart mitleiderregend zu zittern, dass es die reine Tierquälerei wäre, ihn NICHT wieder in die Tasche zu stecken - der einzige Ort, an dem dieser Fellzwerg sich sicher fühlt.