Fashionspießer: Hipster-Dutt Weg mit der postmodernen Pickelhaube

Hocherhobenen Hauptes strecken die Hipster-Bräute der Nation ihr zum Dutt frisiertes Haar gen Himmel. Warum tun sie das? Und sollte es nicht verboten werden, für einen lässigen Look mehr als eine Minute vor dem Spiegel zu verbringen? Eine Stilkolumne.

Von Felicitas Kock

Der Hipster-Dutt ist so etwas wie die Pickelhaube des 21. Jahrhunderts: Sieht aus, als könnte man damit Signale aus dem All empfangen und dient gleichzeitig als Erkennungszeichen einer Armee. Die weiteren Merkmale der Hipsterheer-Uniform - Nerdbrille statt Schnauzbart, Jutebeutel statt Zündnadelgewehr - sollen hier aber nicht näher erläutert werden. Ebenso wenig die mangelnde modische Individualität der angeblichen Mode-Individualisten, über die schon zu viel geschrieben wurde.

Was sich wirklich stellt, ist doch die Frage, wie der Hipster-Dutt einen solchen Siegeszug hinlegen konnte. Auf dem ausgetretenen Pfad zwischen Secondhand-Boutique und Mädchen-Nachtflohmarkt wandelt kaum noch anderes als Bommel auf Scheitel. Warum?

Stylepsychologisch hilft hier ein Gedanke an die immerwährende, mündlich überlieferte Frisurenfibel, die besagt, dass der Pferdeschwanz - und das darf in diesem Fall auch auf den Dutt übertragen werden - im Laufe eines Frauenlebens immer weiter nach unten rutscht. Wippt das zusammengebundene Haar bei der Kindergartengöre noch weit oben, macht es sich mit zunehmendem Alter auf Wanderschaft gen Erdmittelpunkt. Zumindest so lange, bis es irgendwann nicht mehr tiefer geht und eine praktische Kurzhaarfrisur angeschafft wird.

Bindet ein Hipstermädchen ihr Haar nun also senkrecht nach oben, kann das als Hinweis auf seine Jugendlichkeit interpretiert werden. "Hallo Welt, ich bin frisch und knackig und das, obwohl ich eine Oma-Strickjacke trage", heißt die Botschaft. "Hallo Welt, meine Brille ist nur aus Fensterglas, eigentlich habe ich Augen wie ein junger Adler!"

Das mit dem "nach oben" ist also durchaus einleuchtend. Ganz abgesehen davon, dass es natürlich praktisch ist, wenn die Haare beim Essen nicht in den Frozen Joghurt hängen.

Und die Sache mit dem Bommel? Nun ja, würde das Hipstermädchen seine Haare einfach so nach oben binden, wäre das Ergebnis eine Asi-Palme. Die war in den Achtziger Jahren in Mode und wenn irgendetwas im Moment nicht hip ist, dann sind das die Frisuren der Achtziger. Und Schlaghosen. Aber auch das ist eine andere Geschichte.

Schwer zu verkraften

Mögliche Erklärungen für den Obendraufbommel gibt es genug, schön finden muss man das Ganze deshalb aber noch lange nicht. Haare offen, Pferdeschwanz, Zopf - es gibt so viele Möglichkeiten. Tatsächlich nachvollziehbar ist der Bommel nur, wenn er locker zusammengezwirbelt ist. Wenn das Haar aus Gründen der Faulheit und Praktikabilität eben mal schnell hochgebunden wurde. Lockerlässig. Ungekünstelt. Egal.

Wenn man ihm aber ansieht, dass eine halbstündige Bürstenchoreografie notwendig war, um den Hipster-Dutt so gewollt lockerlässig, ungekünstelt und egal wirken zu lassen. Wenn sich die Frisur in einem Winkel von 90 Grad zu den Bügeln der Fensterglasbrille in den Himmel reckt. Wenn das Haargummi die gleiche Farbe hat wie der aufgedruckte Spruch auf dem Jutebeutel - dann, liebe Hipstermädchen, ist das einfach schwer zu verkraften.

Denn dann erscheint ihr als bewusst inszenierter Teil eines Heeres gleichgekleideter und -frisierter junger Menschen, die verzweifelt "Hallo Welt" schreien, um doch noch aufzufallen in diesem Meer aus Bommeln. Mag sein, dass ihr euch in diesem Meer wohlfühlt, schließlich seid ihr hier nicht allein. Aber macht doch mal was Anderes. Ein kleiner, aber wirkungsvoller Schritt wäre hier zum Beispiel die Asi-Palme.