Einrichtung Bauhaus mit Herz

Entwürfe von der Kölner Möbelmesse

Wiederentdeckt: Der Society Table, von Arne Jacobsen 1952 als Einzelstück gefertigt, wird neu aufgelegt. Doch das ist nicht der einzige Beitrag zum Klassiker-Trend. mehr...

Auf der Kölner Möbelmesse ist nächste Woche zu besichtigen, worauf es im Designjahr 2018 ankommt: Neue Möbel sehen aus wie Klassiker und Wohnen wird sachlicher - aber nicht kühl.

Von Max Scharnigg

Einen entscheidenden Vorteil hat die Kölner Möbelmesse gegenüber dem Salone del Mobile in Mailand. Sie ist zwar weitaus kleiner, findet aber gottgegeben immer drei Monate vor dem italienischen Weltgipfel für Design und Einrichtung statt. Und da die Möbelbranche sich zunehmend die Hektik der Fashionwelt angewöhnt, also immer mehr Aufhebens um neue Entwürfe, Kollektionen, Trendfarben und Designer-Personalien macht, bietet Köln nicht nur die erste Sicht über die europäische Interieur-Szene, sondern legt oft auch schon die heißen Eisen fürs aktuelle Designjahr fest.

Eines davon scheinen Wiedergänger und Jubiläen zu werden, denn die Klassikersucht ist anhaltend groß - bei den Käufern und damit auch bei den Herstellern, die ihre Archive fleddern. Bei Vitra stößt man zudem auf den runden Messe-Geburtstag des Panton Chair an, sicherlich einer der bekanntesten Stuhlentwürfe der Gegenwart. Vor 50 Jahren wurde der vorteilhaft verbogene Stuhl von Verner Panton in Köln präsentiert - als erster reiner Kunststoff-Freischwinger überhaupt und mit einer diffizilen Statik. Zur Feier wird der Stuhl in verchromten oder mit Leuchtpigmenten lackierten Versionen gezeigt. Beides durchaus Oberflächen, die an die Stilsprache von Verner Panton anknüpfen, in ihrer Exzentrik aber doch eher was für Sammler sein dürften. Immerhin, über einen Leuchtstuhl fällt man nachts nicht drüber.

Der Niederländer Marcel Wanders wird zum Designer des Jahres gekürt. Seine Stilsprache vereint Sinnlichkeit und Opulenz mit Funktion.

(Foto: privat)

Ein anderer großer Geburtstag kündigt sich ebenfalls bereits an - 100 Jahre Bauhaus wird 2019 begangen und in den Musterwohnungen der Messehallen am Rhein wird an vielen Ecken schon jetzt verstärkt ein Remix dieser Urwohnlehre zu beobachten sein. Passt ja auch gut zur universellen Sehnsucht nach einem aufgeräumten Leben und dem allgemeinen Designanspruch an alle Dinge des täglichen Bedarfs. Wo also in den letzten Jahren Wohnräume in weltflüchtiger Gemütlichkeit und samtiger Salon-Optik gestylt wurden, kehrt langsam wieder Ordnung und formale Strenge ein.

Viel Marmor, dickes Holz und dünnes Metall

Ob man das dann weimarisch, japanisch oder skandinavisch interpretiert, ist ziemlich egal. Denn auch das ist eine aus der Modebranche neu abgeleitete Regel: Alles darf gleichzeitig sein. Das gilt vor allem für Materialien, immer noch viel Marmor, dickes Holz und dünnes Metall, dazu hochwertige Stoffe, grüne Farbtöne, viele Indoor-Pflanzen kombiniert mit Outdoor-Mobiliar und umgekehrt. Übergreifend lässt sich aber feststellen: Der wohnende Mensch soll 2018 eher sanft und ohne große Ablenkung zur Ruhe kommen und daheim in seinen Zen-, Hygge- oder Detox-Bemühungen bestärkt werden. Emo-Bauhaus! Selbst neue Möbel, wie etwa der Stuhl von Sebastian Herkner für den Traditionshersteller Thonet, sehen aus wie Instant-Klassiker. Die Botschaft: Zeit verbringen in möglichst zeitloser Umgebung.

Zum Glück gibt es aber auch frischen Wind im Programm. Lichtgestalt dieser Messe dürfte im Wortsinne die junge tschechische Designerin Lucie Koldova werden, der die ehrenvolle Aufgabe zukommt, "das Haus" zu gestalten, eine zentrale Wohnvision, die jedes Jahr von einem Designer kuratiert werden darf. Koldova gilt als Licht- und Glas-Spezialistin, ihre Idealwohnung für Köln besteht aus fünf "Lichtzellen", die sich um einen Raum anordnen, teils mit transparenten Wänden und immer mit einer vom Licht gesteuerten Funktion: Entspannung, Kreativität, Meditation. Mit ihrer Philosophie eines "heimischen slow down" passt Koldova jedenfalls sehr gut zum achtsamen Wohntrend dieser Messe.

Und dann ist es da noch Marcel Wanders, der am Sonntag zum Designer des Jahres gekürt werden wird. Der Niederländer behauptetet sich seit mehr als zwanzig Jahren mit seinen genialischen bis flamboyanten Entwürfen in der ersten Liga der Gestalter und hat zuletzt auch mit detailverliebten Hotelausstattungen von sich reden gemacht. Kristallglas, Farbe, Spieltrieb - wenn man so will, ist Wanders der Zauberer unter den Designern und scheut auch nicht das Rampenlicht. Gut so, denn in Sachen Show und Glamour war Köln Mailand bislang immer noch hoffnungslos unterlegen.

Die Imm Cologne findet von 15.-21.1. auf dem Kölner Messegelände statt.

Mo siegt über Malm

Hat Ikea das Bett Malm von einem Frankfurter Möbeldesigner abgekupfert? Gut möglich, urteilt der Bundesgerichtshof. Zumindest in Deutschland war Ikea mit dem Design des Bettes jedenfalls zu spät dran. Von Wolfgang Janisch mehr...