Zweite Fußball-Bundesliga Der passende Philosoph

Endlich im Regensburger Stadion: der Fußballtrainer Achim Beierlorzer an seinem neuen Arbeitsplatz.

(Foto: imago/Eibner)

Jahn Regensburgs neuer Trainer Achim Beierlorzer kommt mit besten Empfehlungen von RB Leipzig - und als Jahrgangsbester der Fußballlehrer-Ausbildung.

Von Max Ferstl

Vor ein paar Wochen wandte sich Achim Beierlorzer mit einem heiklen Anliegen an Christian Keller: Ob er denn eine Karte bekommen könne, fragte Beierlorzer, für das Relegationsspiel Jahn Regensburg gegen 1860 München. Keller, Regensburgs Geschäftsführer, kam ohnehin kaum mit den Ticketwünschen hinterher, also sagte er ab. Beierlorzer, zu diesem Zeitpunkt Trainer der U19 von RB Leipzig, blieb also zu Hause und fuhr kurz darauf in den Urlaub - bis eines Tages das Handy klingelte. In der Leitung war Christian Keller, er hatte ein Anliegen. In Regensburg war gerade eine Stelle als Trainer frei geworden, weil Heiko Herrlich überraschend nach Leverkusen abgewandert war. Keller hatte Glück: Da Beierlorzer ohnehin seit Längerem wieder eine Profi-Mannschaft übernehmen wollte, wurde man sich schnell einig.

Die Geschichte mit der Eintrittskarte hat Beierlorzer am Montagvormittag erzählt, als der Jahn ihn offiziell als neuen Trainer vorstellte. Die Aufstiegsspiele habe er natürlich trotzdem gesehen, berichtete der 49-Jährige. Beeindruckt sei er gewesen, wie der aggressive Drittligist die Löwen überrumpelte. Auch entdeckte Beierlorzer in der Regensburger Spielanlage Merkmale, die er eigentlich aus Leipzig kennt: "Die Philosophien ähneln sich", findet Beierlorzer. RB-Teams, von der Jugend bis zu den Profis, verfolgen dieselbe Spielidee, die auf aggressivem Pressing gründet. "Im Zentrum steht die Balleroberung." Aus dieser gehe das schnelle Umschalten hervor: "Beim Jahn findet man diese Elemente auch", findet Beierlorzer. "Für mich wird es keine große Veränderung." Er will vor allem an Details feilen, die produktive Offensive und die schwankende Defensive in eine ausgewogenere Balance bringen.

Beierlorzer trifft beim Jahn auf eine Mannschaft, die er entwickeln kann - und muss

"Der Trainer muss zur Spielweise passen", glaubt Keller. Er hätte den gebürtigen Franken am liebsten schon vor drei Jahren nach Regensburg geholt. Beierlorzer, gerade fertiger Fußballlehrer (Jahrgangsbester mit der Note 1,0), hatte aus Greuther Fürths durchschnittlicher U17 binnen vier Jahren ein erfolgreiches Team geformt. Dies war allerdings nicht nur Keller aufgefallen, sondern auch Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick. Am Ende war das Leipziger Angebot wohl eine Spur verlockender. Dort erarbeitete sich Beierlorzer schnell den Ruf, ein akribischer Arbeiter zu sein. Als Rangnick im Februar 2015 einen Trainer für die Profis in der zweiten Liga brauchte, beförderte er deshalb Beierlorzer, den U17-Trainer. Später, in der Aufstiegssaison, behielt Rangnick den gebürtigen Franken als Co-Trainer. Doch der Reiz, selbst ein Profi-Team zu trainieren, blieb. "Als der Anruf aus Regensburg kam, musste ich nicht überlegen", sagt Beierlorzer.

In Regensburg trifft er auf ein Team, das er entwickeln darf, entwickeln muss. Am Montag verkündete der Jahn auch den vierten Zugang: Albion Vrenezi. Der Flügelstürmer kommt von Augsburgs zweiter Mannschaft, aus der Regionalliga. Er wird wie viele im Kader beweisen müssen, dass er sein Spiel auf Zweitliga-Niveau heben kann. Im Grunde ähnelt die Situation der vor einem Jahr, als der Jahn aus der Regionalliga aufgestiegen war und den Kader nur punktuell, aber umsichtig verstärkte. Manche dürften auch diesmal wieder das Risiko anmahnen, Beierlorzer hingegen sieht "Potenzial". Man ist geneigt, ihm ein geschultes Auge zu unterstellen. Zuletzt koordinierte Beierlorzer Leipzigs gesamten Nachwuchsbereich, von der U16 bis zur U23.

Es passt also gut, dass der Jahn, der gerne Talente verpflichtet, nun mit Beierlorzer einen Trainer bekommen hat, der Talente in Jahrgangsstärke kennt. Einmal wird Beierlorzer am Montagvormittag gefragt, ob er der einzige Leipziger sei, der zum Jahn wechsle? "Die Frage habe ich erwartet", sagt er lachend, und bleibt eine konkrete Antwort schuldig. "Neue Spieler müssen zum Jahn passen, egal woher sie kommen", findet Beierlorzer.

Auf ihn selbst trifft das schon mal zu, da sind sie sich beim SSV Jahn Regensburg sicher. "Er erfüllt alle Kriterien", betont Christian Keller. Wenn Achim Beierlorzer also künftig das Regensburger Stadion betreten möchte, dürfte ihm das nicht mehr allzu schwer fallen.