Zweite Fußball-Bundesliga Der Brand schwelt noch

Der bisherige Vorsitzende Siegfried Schneider zieht sich aus dem Verwaltungsrat des TSV 1860 München zurück, Otto Steiner tritt hingegen wieder an - und Helmut Kirmaier prozessiert noch weiter.

Von Markus Schäflein

Als der Fußball-Zweitligist TSV 1860 München seine Kandidatenliste für den im Juni neu zu wählenden Verwaltungsrat bekannt gab, fehlte einer der wenigen bekannten Namen des Gremiums: Siegfried Schneider tritt nicht mehr an. Der CSU-Politiker, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien, genannt Sigi, möchte dem Gremium nicht mehr angehören, dem er zuletzt vorstand. Er habe sich "aus beruflichen Gründen" dazu entschieden, sagt der 59-Jährige: "Ich habe mein Zeitbudget geprüft und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass es nicht mehr möglich ist."

Termine am Landgericht und am Oberlandesgericht stehen an

Dass sein Abschied mit dem Prozess von Helmut Kirmaier zu tun hat, der hartnäckig die Rechtmäßigkeit des im Amt befindlichen Präsidiums anzweifelt, bestreitet Schneider. Kirmaiers Anwalt Heinz Veauthier hatte Schneider, den Chef des Kontrollgremiums, mit seinen berüchtigten Feuerwehr-Vergleichen zwar stets attackiert ("Siegfried Schneider ist wie eine Feuerwehr, die nach Hause fährt, wenn es brennt"; "Siegfried Schneider hat jetzt gemerkt, dass es brennt, aber er hat kein Wasser im Schlauch, sondern Öl"). Aus Schneiders Sicht ist der Brand, nach Einsetzung eines Notvorstands und Wiederholung der in erster Instanz für ungültig erklärten Delegiertenversammlung, aber mittlerweile gelöscht: "Das haben wir ja gut gelöst, das ist aus meiner Sicht abgeschlossen."

Abgeschlossen ist die Prozess-Serie allerdings auch nach der erneuten Wahl nicht; am 9. Juni steht am Landgericht ein Termin an, bei dem Kirmaier sowohl die Rechtmäßigkeit der Notvorstandsbestellung als auch die Gültigkeit der Wiederholungswahl anzweifelt. Dazu kommt ein noch nicht angesetztes Verfahren über den Vereinsausschluss Kirmaiers - und eine für Ende August angesetzte Berufungsverhandlung vor dem Oberlandesgericht, nachdem gegen das erste Urteil aus dem vergangenen Juli beide Seiten in Berufung gegangen waren.

Weil also erst Ende August die Grundlage aller Argumentationen letztgültig geklärt wird, will der TSV 1860 am 9. Juni beantragen, dass die anderen Prozesse zunächst ausgesetzt werden. "Das ist aber erst in der mündlichen Verhandlung möglich", erklärt 1860-Anwalt Guido Kambli. Und selbst falls auch das Oberlandesgericht die ursprüngliche Wahl des Präsidiums Mayrhofer für ungültig erklärt, hofft Kambli auf eine Klärung. "Das Rechtsinstitut der faktischen Organschaft gibt es auch im Vereinsrecht", sagt er. Vereinfacht gesagt: Wer mit dem Wissen und der Zustimmung der Mitglieder präsidiert, ist auch Präsident. "Sonst müsste man ja Hunderte seitdem getätigte Rechtsgeschäfte rückabwickeln", sagt Kambli.

Abschluss in Karlsruhe

Die übrigen Spieltermine der Münchner Löwen

Sonntag, 3.5. (13.30 Uhr): FC Union Berlin (H*)

Freitag, 8.5. (18.30 Uhr): FSV Frankfurt (A*)

Sonntag, 17.5. (15.30 Uhr): 1. FC Nürnberg (H)

Sonntag, 24.5. (15.30 Uhr): Karlsruher SC (A)

* H - Heimspiel, A = Auswärtsspiel

Dennoch bleibt die Ungewissheit: Wenn sich die Mitglieder des TSV 1860 im Juni treffen, um den Verwaltungsrat zu wählen, werden sie sich wieder einmal nicht sicher sein können, ob ihr Votum gültig ist. Der bekannteste Name unter den neuen Kandidaten ist der Wirtschaftsprüfer Karl-Christian Bay, der als KGaA-Beirat den direkten Draht zum Profifußball hat; er gilt als aussichtsreichster Anwärter auf die Nachfolge Schneiders. Ansonsten sind große Namen, etwa aus der Wirtschaft oder der Politik, kaum zu finden. Einigen Kandidaten, offenbar auch Schneider, gefiel das Prozedere der Wahl nach der neuen Vereinssatzung wenig.

Für Otto Steiner könnte die Einzelwahl unangenehm werden

Denn jeder Kandidat muss sich neuerdings einer Einzelwahl durch die Mitgliedern stellen, es wird nicht mehr von Delegierten über das gesamte Gremium abgestimmt. Das könnte auch für Otto Steiner, den seit vielen missratenen Jahren als Funktionär präsenten Geschäftsführer der Constantin Entertainment GmbH, unangenehm werden - er tritt trotzdem wieder an.

Nicht gescheut hätte den äußerst basisdemokratischen Wahlmodus hingegen Harald Riedl, der so genannte Löwenforums-Harie und ein Vertrauter von Kläger Kirmaier. Nach SZ-Informationen lehnte der Wahlausschuss seine Bewerbung allerdings aus formalen Gründen ab.