"Zwanzig18" bei Eurosport Spezielle Momente, die niemand mitbekommt

Eine Frisur wie Wellinger? Auch das gibt es auf "Zwanzig18" bei Eurosport zu sehen.

(Foto: Bettina Theisinger/Eurosport)

Die Olympia-Show "Zwanzig18" von Eurosport ist aufwändig produziert und bietet zur Primetime überraschend gute Unterhaltung. Allein der Held der Sendung hätte mehr Zuschauer verdient.

Von Thomas Hummel

Die Auswahl der Gäste ist für eine Fernsehshow ein durchaus wichtiges Detail. Geht hier beim Casting was schief, dann ist sie schwer zu retten. Insofern ereilte die Eurosport-Olympia-Sendung Zwanzig18 ein kleiner Luftanhalte-Moment. Die Sängerin Ella Endlich war eingeladen, ein Olympiafan. Oder? "Ich begeistere mich für Tennis." Wintersport sei nicht so ihr Ding. Aber die Erfolge von Laura Dahlmeier oder Andreas Wellinger habe sie doch sicher bejubelt? "Leider nicht, ich schau nicht so viel Fernsehen."

Man muss Moderatorin Julia Kleine Respekt zollen, denn Endlichs Abfuhr brachte sie kein bisschen aus der Ruhe. Es schien fast so, als hätte Kleine gar nicht zugehört, so ungerührt setzte sie ihr Interview fort. Sie leitete weiter zum Thema Singen und fragte, ob Ella Endlich eine Olympia-Hymne singen wollen würde. Daneben saß Matthias Sammer, legte die Stirn in Falten und räusperte sich.

Sogar Matthias Sammer tritt locker auf

Vielleicht sah es Julia Kleine auch so: Es war ein fast rührend ehrlicher Moment, den es so im deutschen Fernsehen selten gibt. Als würde jemand bei GNTM angeben: "Heidi Klum? Nie gehört." Ein spezieller Moment, von denen die Sendung Zwanzig18 an ihren ersten paar Tagen überraschend viele im Programm hatte.

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Es ist ja eine herkulische Herausforderung, die sich Eurosport mit dieser Show um 20.15 Uhr, der Primetime für den deutschen Zuschauer, auflastet. Der Mutterkonzern Discovery hat sich die TV-Rechte für vier Olympische Spiele gesichert, und dafür 1,3 Milliarden Euro investiert. Gut, für ein paar Hundert Millionen haben ARD und ZDF Sublizenzen bekommen - aber eigentlich gehört Olympia jetzt Eurosport. Es war noch Geld übrig für eine opulente Abendshow, an 18 Tagen in Folge über jeweils mehr als zwei Stunden. Die Idee: Weil die Wettbewerbe aufgrund der Zeitverschiebung in Mitteleuropa in der Nacht bis zum frühen Nachmittag stattfinden und viele kaum etwas davon mitbekommen, können sich die Deutschen bei Zwanzig18 den Olympia-Tag locker flockig zusammenfassen lassen.

Doch die Sendung soll viel mehr bieten als Medaillen und Hymnen: Unterhaltung, Einblicke in das Gastgeberland. Ein Hauch von Schlag den Raab mit Wettbewerben im Studio. Eine Wetten, dass?-Gedächtniscouch mit Interviews. Die Moderatorin Julia Kleine war bis zum 20. Lebensjahr im Kader des Deutschen Ski-Verbands aktiv. An ihrer Seite moderiert Marco Schreyl, der in den neunziger Jahren unter anderem als Bobfahrer in Leistungszentrum Oberhof aktiv war. Zwei, die sich im Wintersport auskennen.

Die Crux ist: Bislang interessiert das kaum jemanden. Nur 290 000 Menschen schalteten laut Quotenmessung am Sonntag ein. Dass die Sendung parallel auch beim "Frauensender" TLC gezeigt wird, bemerken noch weniger. Dabei hatte Zwanzig18 für deutsche Sofa-Sportler an den ersten Olympia-Abenden wirklich was zu bieten.

Skifahrer Felix Neureuther war zum Beispiel da und auf seine direkte, ehrliche Art wie immer eine Bereicherung. In einem der ruhigeren Momente der Sendung berichtete er vom Moment seines Kreuzbandrisses: "Das Knie ist explodiert, ich wusste eine Sekunde später: Die Arbeit der letzten sechs Monate ist umsonst." Er habe sich sogleich bei allen Trainern und Serviceleuten entschuldigt, die so viel investiert hätten.