WM-Übertragung im TV Zank über die Reichweite

Womöglich liegt dem Konflikt ein tiefgreifendes Unverständnis dem jeweils anderen Kulturkreis gegenüber zugrunde. Und so ein Konflikt droht auch bei weiteren Gelegenheiten: Die Straßenrad-WM 2016, die Leichtathletik-WM 2019, die Fußball-WM 2022 sind ja ebenfalls nach Katar vergeben worden. Nicht auszuschließen, dass es dann auch Signalstörungen gibt. Beim Handball scheiterten die Verhandlungen jedenfalls nicht wie sonst oft am Geld, sondern am Zank über die Reichweite der Übertragungssignale, dem in Fernsehkreisen so genannten "Overspill".

ARD und ZDF wollten die Handball-WM genau wie ihr restliches Programm über die deutschen Grenzen hinaus senden, zum Beispiel in Ferienhotels rund ums Mittelmeer. Das wiederum wollte beIN Sports nicht zulassen mit dem Argument, dadurch würden Exklusivrechte anderer Länder verletzt, was geringere Einnahmen zur Folge habe.

Mittlerweile hat beIN Sports jedoch die TV-Rechte an alle europäischen Interessenten verkauft, das hätte die Gespräche mit den Deutschen erleichtern können. Kenner der Szenerie vermuten indes, dass die Katarer bei den letzten Verhandlungen nicht nachgeben wollten, um das Gesicht nicht zu verlieren. Nun ist die Situation allerdings ein Verlustgeschäft für alle. Zunächst für die Verbände IHF und DHB, die ihren Sponsoren keine Plattform bieten und auch nicht in eigener Sache werben können. "Wir brauchen die große Öffentlichkeit einer Weltmeisterschaft auch, um Jugendliche für den Sport zu begeistern und damit die Zukunft des Handballs zu sichern", erklärt DHB-Chef Bauer.

ARD und ZDF verlieren in der fußballarmen Zeit einen Quotenbringer: Bei der WM 2013 hatte das deutsche Team in der Spitze neuneinhalb Millionen Zuschauer. Und beIN Sports wird die erst im Frühjahr teuer erkauften Rechte - 81 Millionen Euro für die vier WMs 2015 und 2017 (jeweils Frauen und Männer) - auf diese Weise kaum refinanzieren können. Speziell im Hinblick auf die Frauen-WM 2017 in Deutschland erwartet DHB-Chef Bauer, dass aufgekehrt wird, was gerade an Porzellan zerschlagen worden ist: "Wir werden das noch mal thematisieren mit der IHF."

Die Hoffnung auf Fernsehbilder aus Katar hat Bauer freilich nicht aufgegeben. Zwar haben etliche Privat- und Bezahlsender bereits ihr Desinteresse an diesem Turnier bekundet, dafür steht Sport1 bereit. Der Spartenkanal hat aber noch keine Gespräche geführt und wird vermutlich auch nicht so viel für die Rechte zahlen können wie ARD und ZDF. "Bald ist Weihnachten", sagt Bernhard Bauer, "wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir wünschen, dass wir im Januar zu sehen sind."