TSV 1860 München Auf Klassenfahrt

Während die Nachrichten von Investor Hasan Ismaik den Verein in Atem halten, wird im Trainingslager in Spanien Levent Aycicek als Zugang präsentiert - ein Zehner, der auf dem Flügel spielen soll.

Von Markus Schäflein, Estepona

Bei seiner Ankunft im Trainingslager des Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München wurde Levent Aycicek mitten in der Nacht von einigen Anhängern empfangen und, wie es üblich ist bei Zugängen, von Allesfahrer Roman Wöll herzlich umarmt. "Das war eine schöne Überraschung, es hat mich gefreut", sagte der 21 Jahre alte Offensivspieler. Eine derartige Begrüßungszeremonie hatte er zuvor noch nie erlebt. Er sagt: "Ich war sieben Jahre bei Werder und habe ja noch nie wirklich den Verein gewechselt."

Mit 14 war Aycicek aus Rehburg in Niedersachsen ins Werder-Internat gezogen, unter Viktor Skripnik spielte er in der U17 und der U23, von Thomas Schaaf wurde er zur ersten Mannschaft hochgezogen - als großes Talent und unter großem Druck. "Sie haben mir versprochen, dass ich auf der Zehn spiele", berichtet er. "Dann habe ich nachgefragt, ob ich auch die Rückennummer zehn kriegen kann, und sie haben sie mir gegeben. Ich wusste, dass ich damit ein bisschen Druck aufbaue."

In Bremen trug er die Zehn - doch er spielte kaum

Die Zehn zu tragen, gerade in Bremen nach Andreas Herzog, Johan Micoud und Diego, bedeutet schließlich turmhohe Erwartungen. Aycicek kam zu einigen Erstliga-Einsätzen. Aber in dieser Spielzeit fand er unter Skripnik keine Berücksichtigung mehr. "In der Sommervorbereitung habe ich nicht so gute Leistungen gebracht, dann hat sich die Mannschaft gefunden und es war sehr schwer für mich reinzukommen", sagt er.

Aycicek spielte bei der Drittliga-U23, absolvierte dort auch die bisherige Wintervorbereitung. Ihn zu verleihen, stand schon seit Mitte Dezember im Raum, aber zunächst wollte er sich mit dem Gedanken nicht so recht anfreunden. Jetzt sagt er: "Solche Phasen gibt es, deshalb gehe ich diesen Schritt, damit ich mich auf höherem Niveau wieder zeigen kann." Eine Kaufoption für Sechzig gibt es nicht, Aycicek will im Sommer zu Werder zurückkehren, wo er noch drei Jahre unter Vertrag steht.

Er saß auf der Couch, als das Angebot von Sechzig kam

Trainer Benno Möhlmann stellte die Halbjahreskraft den Mitspielern mit den Worten vor: "Das ist Levent, er wird uns helfen." Trotz seines jungen Alters erhoffen sich die Löwen von dem 1,69 Meter kleinen Techniker einen großen Beitrag auf dem Weg zum Klassenverbleib. Nachdem der Verein am Freitag kundtat, dass der launische Investor Hasan Ismaik Darlehen für die Lizenzierung der Saison 2016/17 versprochen habe, soll sich der Fokus nun bis zum Ligastart tatsächlich auf das Sportliche konzentrieren: Nach zwei Routiniers, dem Innenverteidiger Jan Mauersberger und Stürmer Sascha Mölders ist Aycicek der dritte Zugang, und mindestens ein weiterer wird in Estepona noch erwartet, wenngleich sich der Wechsel von Tom Weilandt (SpVgg Greuther Fürth) hinzieht.

Aycicek habe schon seit einiger Zeit immer mal wieder Angebote erhalten, "aber nichts, was mich vom Hocker gerissen hat", sagt er. "Dann war ich zu Hause auf der Couch und mein Berater hat angerufen: Kannst du dir vorstellen, zu Sechzig zu gehen?" Er habe den Verein "schon immer cool" gefunden, "in dem großen Stadion, und München ist auch eine super Stadt. Ich war mal auf Klassenfahrt in München, da haben wir auch eine Stadiontour gemacht, das war beeindruckend."

Dass nicht alle bei den Löwen so begeistert sind von der Fröttmaninger Arena, wird Aycicek schon noch mitbekommen. Für ihn ist ja erst einmal etwas anderes wichtig als die Debatten, die bei seinem neuen Arbeitgeber geführt werden: "Ich finde es auf jeden Fall gut, mal was Neues zu sehen und mal aus Bremen rauszukommen."

Alles harmonisch? Rubin Okotie streitet erst einmal mit seinem Trainer

Bei Sechzig wird er aller Voraussicht nach nicht auf seiner Lieblingsposition spielen, Trainer Benno Möhlmann plant ihn für die Flügel ein. "Das ist jetzt auch kein Problem", sagt Aycicek. "Mein Ziel ist, auf mich aufmerksam zu machen." Und er hat schon einen Plan, wie er das tun will: "Ich denke mal, dass ich torgefährlich bin - und dass die Löwen ein paar Tore schießen müssen, um da unten raus zu kommen." Zum Einstand erzielte Aycicek beim Testspiel am Samstag gegen den rumänischen Erstligisten Pandurii Targu (2:1), in dem er zur Halbzeit eingewechselkt wurde, den Treffer zum 2:0 nach einer knappen Stunde. Panduriis Torhüter Fernandez Vasco hatte die Löwen mit einem kuriosen Eigentor in Führung gebracht (10.).

Ein paar Tore schießen sollte auch Rubin Okotie. Der Stürmer lieferte sich mit Möhlmann beim Freitagstraining einen Disput auf dem Trainingsplatz über seinen Gesundheitszustand nach Bauchmuskelschmerzen. Am Abend entschuldigte er sich, am Samstagmorgen erklärte Möhlmann die Angelegenheit für "begradigt", und gegen Pandurii wurde Okotie zur Halbzeit als Spitze neben Mölders eingewechselt.