Wenn sich kritische Medien aus der Radberichterstattung zurückziehen würden, könnte die nächste Tour ein noch unbeschwerteres Rennen werden.
Ein Leser aus Luxemburg hat geschrieben, er ist recht empört über die SZ-Berichterstattung zu seinem Volkshelden Frank Schleck - er verweist auf das Prinzip der Unschuldsvermutung. Dieses Prinzip ist seit den Tumulten um die Operación Puerto eine beliebte Vokabel derer, die sich als Puristen und Bewahrer des Radsports verstehen. Des "wahren Radsports", ihnen hatte ja auch der Fuentes-Kunde Valverde seinen Etappensieg gewidmet.
Bild vergrößern
Da half nicht einmal die beliebte Vokabel "Unschuldsvermutung" weiter. Italians Riccardo Ricco musste sich nach ein positiven Dopingtest von der Tour verabschieden. (© Foto: AFP)
Anzeige
Sind gesicherte Indizien vorhanden, macht korrekte journalistische Arbeit Verdachtsberichterstattung erforderlich, was gerne übersehen wird. Weil die Inhalte wohl Illusionen zerstören, geschäftsschädigend sind oder sonstwie zu unangenehmen Hautrötungen führen. Dass Medien die Aufgabe haben, "bei berechtigtem Interesse der Öffentlichkeit" Dinge darzustellen, das hat das Wochenende erneut bestätigt, wird nicht nur in südeuropäischen Ländern ignoriert. Dabei bestehen doch keine mehr Zweifel daran, dass die Probleme des Radsports als phänotypisch zu bezeichnen sind für den athletischen Unterhaltungsbetrieb, der sich zurzeit nach Peking aufmacht.
In einer freien Welt darf selbstredend jeder daran glauben, dass diese Tour rückblickend eine Tour des Aufbruchs gewesen sei. Er kann auf die Erfolge der französischen Antidoping-Agentur AFLD verweisen, die bisher drei Epo-Sünder aussortierte und den Weltverband UCI mit seinem Eifer um Längen übertraf. Er kann andererseits ausblenden, dass die AFLD von rund 20 Fahrern mit Auffälligkeiten im Blutprofil sprach, dass der Italiener Piepoli Epo-Doping eingeräumt hat - und bisher trotzdem nicht überführt worden ist bei rund einem Dutzend Zielkontrollen.
Er kann außerdem ignorieren, dass beim Spanier Duenas ein bisher nicht zugelassenes Präparat gefunden wurde. Und er darf zu Recht darauf verweisen, dass dieses Rennen spannend war und deshalb ehrlicher, menschlicher anmutete, da es um Sekunden ging und, könnte ja sein, schlimmstenfalls alle nur noch ein kleines Bisschen gedopt haben. Ohne Frage, das darf er.
Generell ist es überlegenswert, dem Leser aus Luxemburg zu folgen, er meint, "am besten sollten sich die deutschen Medien ganz aus dem Radsport zurückzuziehen (...), dann hat der Rest der Welt endlich Ruhe vor dieser Hetzjagd". Man könnte ihn, den von ihm ausgenommenen Spartensender, Nachrichtenagenturen und die Veranstalter alleine lassen mit jenen, die ihnen weiter regelmäßig ins Gesicht lügen.
Und vermutlich würde das dann 2009 ein sagenhaftes und noch unbeschwerteres Rennen: Wenn die nicht belangten, mutmaßlichen Fuentes-Kunden Contador und Schleck gegen den zurückkehrenden Fuentes-Kunden Basso kämpfen; wenn sich Team Astana, die neureichen Radmillionäre von Katjuscha und CSC um den spektakulär geläuterten Antidoping-Helden Bjarne Riis duellieren. Womöglich kehrt ja sogar der Kasache Winokurow zurück, weil er doch nur mit einjährigem Bann belegt wurde. Als oberste Regel gälte die Unschuldsvermutung.
Ohne Frage, genau so könnte man es machen.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
- Thema
- Tour de France RSS
- Vierter Doping-Fall Fofonow positiv getestet 28.07.2008
- Tour de France Schlummernde Wahrheiten 27.07.2008
- Tour de France Schleck unter Verdacht 25.07.2008
- Bildstrecke Jährlich grüßt der Mann in Gelb 27.07.2008
- Enthüllungen im Radsport Doping per SMS 27.10.2009
- Doping und Jan Ullrich Teilgeständnis per E-Mail 19.10.2009
- Radsport: Tour de France 2010 Versteckspiel in Paris 14.10.2009
(SZ vom 28.07.2008)
Drogeriekette wird abgewickelt
Klar Balldieb, hast recht. aber die Leute sind halt sauer. da braucht man als kritischer Journalist doch nicht gleich so ausrasten...
Ich gebe zu, das Platzierung und Inhalt des Kommentars von H. Burkart durchaus effekthascherisch sind, und der Artikel daher alles in allem eher suboptimal ist, da gebe ich drkim recht. spiegel-online hat zu diesem Thema (Tour08) wesentlich differenzierter und besser geschrieben. Und natürlich ist Schleck solange als unschuldig zu betrachten bis eventuelles Doping bewiesen ist, auch keine Frage.
Ich habe nur etwas gegen die "Neid- und Missgunstargumentation" und gegen Argumente wie:"Ohne Doping geht es gar nicht" etc. pp.
Ich habe es schon mal gesagt: Doping ist Betrug am ehrlichen Sportler! (Sebastian Lang weiß, was ich meine...)
Gruß Balldieb
Tja, so ist das.
Da wird seit 2 Jahren sehr kritisch über den Radsport, speziell auch in der SZ berichtet. Och, Mensch. Und die Medien gehen auch noch kritisch mit den Olympischen Spielen in Peking ins Gericht. Und ausgerechnet der Aufrechte Ex Manager von Werder Bremen echauffiert sich darüber. Und: "Sport hat nichts mit Politik, Wirtschaft oder Geld zu tun..." BIITTE?
Schön, dass diesen armen, gebeutelten Sport Kreaturen und vor allem auch Ihren Funktionären dann hier im Forum wenigstens ein paar beleidigte Leser zur Seite springen.
Versteht mich nicht falsch - ich liebe Sport und mache auch selbst Sport und habe mich mal für die Tour de France, Leichtatlethik, Schwimmen (war selbst einer, aber seit Ian Thorpe im Methusalem Alter von 26 zurückgetreten ist, glaube ich es nicht mehr) und viele andere Sportarten interessiert und gucke auch noch immer leidenschaftlich. Aber der Respekt vor der Leistung hat immens abegenommen. Gerade weil ich Sport liebe und Respekt vor echter Leistung habe.
Und warum wird speziell über die Tour de France so viel berichtet - die Frage stellt sich doch nicht wirklich oder? Die Chance war da, für alle, hier einen wirklichen Neuanfang zu machen. Aber wenn man hier jemanden was vorwerfen kann, dann ist es der kompletten Radsport Szene - nämliche eine unsägliche Arroganz, mit der man versucht uns alle für blöd zu verkaufen. Lance Armstrong - positiv, na und, das ist passe. In Australien gerade unter die 10 besten Sportler aller Zeiten gewählt worden? Hallo, muss ich mich fragen - was stimmt hier nicht.
Ja Bikez, die Tour de France zu fahren ist eine Wahnsinnsleistung, aber mehr für den, der sich an Nummer 175 ins Ziel schleppt, halb tot vor Erschöpfung, hoffentlich ungedopt und deswegen doppelt so glücklich!
Aber so lange, wie gerade im Ausland häufig nicht mal verstanden wird, warum wir uns so aufregen, und dann auch noch solche Kommentare hier abgegeben werden - bleibt noch viel zu tun.
Viel Spass dabei
Um einmal kurz zurueck zum Thema der Aufregung zu kommen (also die anschuldigungen gegen Schleck und nicht der Radsport im allgemeinen).
Die Geschichte war duenn die verdachtsmomente basieren auf hoerensagen. Meiner Ansicht nach beschweren sich viele User hier zurecht darueber, dass Herrn Burkerts interpretation von von Verdachtsjournalismus sehr nah an der Grenze zu Verleumdung und diffamierung ist. Es ist auch nicht gerechtfertigt das rechtsstaatliche Prinzip der Unschuldsvermutung ausser Kraft zu setzen nur weil es in anderen Faellen missbraucht wurde. Haette man Frank Schleck positiv getestet, ich bin mir sicher tausende haetten traurig/wuetend/enttaeuscht die Faeuste geballt aber niemand haetten Hernn Burkert's Artikel in Frage gestellt. Aber so ist man darauf angewiesen Herrn Burkert zu vertrauen was die Schuld von Frank Schleck angeht.
Es ist auch unfair die Kritik an dem Artikel einfach auf die Wut der um ihren Volkshelden beraubten Luxemburger zu schieben. Und dann gleich die grosse Keule der kritischen Medien auszupacken. Als ob alle kritischen Medien die Einschaetzung von Herrn Burkert teilen wuerden. Spiegel-Online hatte eine kurze Meldung gebracht die dann aber tags darauf wieder aus den Schlagzeilen verschwand, die FAZ sieht die Meldung gar als Tribut an den erfolgsdruck der Tagespresse.
Der Kommentar von Herrn Burkert sieht fuer mich nach einer Trotzreaktion aus. Anstatt auf die Kritik einzugehen, dass seine Art des Verdachtsjournalismus leichtfertig den Leumund einer echten Person in Frage stellt, hat er wuetend noch einen draufgesetzt. Vielleicht sollten die "kritischen Medien" auch mal lernen ein wenig kritikfaehiger zu werden.
Wahnsinn was hier inzwischen für Argumente am Start sind, da fällt mir echt nix mehr ein!
@bikez: Was willst Du uns denn sagen? Das 6 Std. Radfahren so anstrengend sind, das es ohne Doping gar nicht geht? Und das steuerzahlende, fernsehende Couchpotatoes keine Meinung zu dopenden Betrügern haben dürfen? Lächerlich! Zieh Dir weiter Deine Stereoide rein...
@superloser: "Aber wie vieles andere lebt auch die Tour vom Ruch des Illegalen, des Schmutzigen, der Kriminalgeschichte rund um die Tour...."
Auch ein netter Versuch! "Doping für die wilden Kerle"! "Verwegen und frei, sei dabei" Ich glaube für Dich wäre Wrestling der bessere Sport (ist auch ehrlicher...;-)
Laßt mich raten: Ihr hättet nichts dagegen Doping völlig freizugeben, stimmts? Und vermutlich würdet ihr dann auch eure halbwüchsigen Kinder zu so einem Chemiepantscher von Trainer geben, der ihnen dann professionell das ganze Leben versaut. Denen könnte man dann nur noch wünschen, das sie wie Tom Simpson direkt vom Rad "geholt" werden
Gruß Balldieb
Paging