Alberto Contador kann nur noch ein unvorhersehbares Unglück am Sieg hindern - sein Tempo und seine Werte erstaunen nicht nur die Wissenschaft.
Die Zähne, an sie wird man sich noch länger erinnern. An die weißen, aufeinandergepressten Zähne von Alberto Contador, als er an der von Menschenmassen gesäumten Seepromenade von Annecy dem Ziel mit bestimmt 60 Sachen entgegenfliegt. Sein Gebiss wirkte in diesen Momenten höchsten Energieverbrauchs wie die Waffe eines Kampfhundes. Nur die Augen des Madrilenen sah man zunächst nicht hinter dem dunklen Visier seines Helmes. Die Augen von Alberto Contador sind dunkelbraun.
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Alberto Contador dominiert die Tour de France. (© Foto: Getty)
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Die 96. Tour de France hat beim Zeitfahren in Annecy ihren logischen Sieger gefunden, nur ein unvorhersehbares Unglück könnte den Spanier bei der finalen Aufführung auf dem mythischen Mont Ventoux am Samstag noch stürzen. In Annecy gewann er nicht nur die Tour, sein zweiter Sieg nach 2007. Contador vereinnahmte das Rennen mit seinem verblüffenden Erfolg auch im Kampf gegen die Uhr. Contador fährt hier sein eigenes Rennen, in einer Kategorie, die nur für ihn reserviert zu sein scheint. Für Contador, den schmalen Kerl mit den dünnen Beinen und furchteinflößenden Zähnen.
Vielen erging es hinterher wie Bob Stapleton, dem Chef des Columbia-Rennstalls. Stapleton ist ein entspannter Millionär, aber er bleibe dabei, sagt er, weil er trotz allem an den Radsport glaube.
Es gibt ja auch durchaus Punkte, an die Insider wie er sich klammern können, wenn sie an Vorstufen der Läuterung glauben möchten: Die Abstände vorne im Klassement sind nicht eklatant wie vor Jahren; und gleich mehrere Topfahrer zeigen seltsame Einbrüche, wie Cadel Evans (30., mehr als 40 Minuten zurück), der zuletzt zweimal Zweiter war; wie Titelverteidiger Carlos Sastre (15., 17:23 Minuten), wie Stapletons Kapitän Kim Kirchen (50., mehr als eine Stunde), Giro-Sieger Denis Mentschow (47., 57:48) und wie Lance Armstrong. Der zurückgekehrte Rekordsieger belegte in seiner früheren Domäne Zeitfahren Rang 16.
Wer will, konnte also durchaus an etwas weniger Betrug glauben und an die Wirkung des Kontrollsystems, das trotz aller Schwächen Fortschritte gemacht hat und vielleicht abschreckend wirkt.
Doch dann kam Contador in Annecy an. Stapleton und ein paar Dutzend Zuschauer verfolgten seine Zieleinfahrt auf einem Bildschirm am Teamwagen. Contador zeigte seine Zähne, dann blieb die Zeit stehen: Erster, noch vor Fabian Cancellara, dem besten Zeitfahrer der Welt.
Stapleton sagte nichts. Er schaute nur auf die Bilder und auf die Zahlen. 40,5 überwiegend flache Kilometer rund um den so schönen Lac d'Annecy, eine Strecke für Rouleure wie Cancellara. Aber Contador, der Kletterer, 62 Kilo leicht, er war im Schnitt mit 50,103 km/h unterwegs. Stapleton schwieg, er lachte still und blickte auf den Schirm, 40, 50 Sekunden, eine Minute. Dann wandte sich der Amerikaner ab. Er schüttelte den Kopf.
Auf der nächsten Seite: Welche enormen Werte und welche Pläne Contador für die nächsten Jahre hat.
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