Torlinien-Technik Goalcontrol Sieben Kameras für den richtigen Pfiff

Torlinientechnologie Goalcontrol: Bewährungsprobe in Brasilien

(Foto: dpa)

Bloß nicht noch ein Wembley-Tor: Bei der WM in Brasilien wird Torlinien-Technik aus deutscher Produktion eingesetzt. Der Erfolg der Firma "Goalcontrol" liest sich wie ein Märchen. Der Gründer denkt schon an weitere Innovationen für den Weltfußball.

Von Kirsten Bialdiga

Sieben Kameras unter dem Stadiondach sind auf jedes Fußballtor gerichtet. Pro Sekunde übertragen sie eine Datenmenge, die einem gesamten DVD-Spielfilm entspricht. Sobald der Ball die Torlinie überquert, beginnt die Armbanduhr des Schiedsrichters zu vibrieren und das Wort "Goal" anzuzeigen. Sekunden später erscheint die Torszene überlebensgroß auf den Anzeigetafeln der Stadien.

Wenn es so läuft bei der Fußball-WM in Brasilien, dann wird die Erleichterung im 35 000-Einwohner-Städtchen Würselen bei Aachen groß sein. Von dort kommt die Torlinientechnik, die den Welt-Fußball verändern und das verhindern soll, was zum Beispiel als "Wembley-Tor" in die Geschichte eingegangen ist - eklatante Fehlentscheidungen, wie zuletzt auch im DFB-Pokalfinale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund.

Für Dirk Broichhausen hatte dieses Spiel sein Gutes. Der Mittvierziger ist Geschäftsführer von Goalcontrol, einer kleinen Firma aus Würselen mit gerade mal 40 Beschäftigten, die nun die WM-Stadien mit ihrer Torlinientechnik ausstattet. Und nach dem Vorfall im Pokalfinale demnächst vielleicht auch die Bundesliga.

Der Aufstieg des Unternehmens liest sich wie ein modernes Märchen. Vor fünf Jahren war es, da erzürnte Broichhausen eine strittige Entscheidung in der Zweiten Liga so sehr, dass er sich an den Chef-Entwickler seiner damaligen Firma wandte. Das Unternehmen beschäftigte sich mit der optischen Qualitätskontrolle von Produkten.

Bundesliga entscheidet über Durchbruch

Die ersten Tests mit einer Kamera auf einem Spielfeld, nicht viel größer als bei einem "Tipp-Kick"-Brettspiel, waren vielversprechend. Ende 2012 gründete Broichhausen daher Goalcontrol, eine GmbH, die bis heute auf nicht einmal zehn Millionen Euro Umsatz kommt. Der kleine Mittelständler trat an, um den Auftrag für den Confederations Cup zu ergattern, die Generalprobe für die WM.

Außerdem bewarben sich dafür noch: Eine Tochter des Konzerns Sony, deren Technik in der britischen Premier League zum Einsatz kommt. Und zwei andere Hersteller, die auf Chips im Ball setzen. Zur großen Überraschung erhielt Goalcontrol den Zuschlag des Weltfußballverbandes Fifa - weil das System mit normalen Bällen und Tornetzen funktioniert.

Seither geht es Schlag auf Schlag, auch in der Bundesliga könnte die Erfindung womöglich Anwendung finden. Bayern München hat schon die Einführung der Technik beantragt. Voraussichtlich im Dezember soll erneut darüber abgestimmt werden, im März hatte ein Vorstoß für Torlinientechnik die nötige Mehrheit unter den Profi-Klubs verfehlt. Sollte Goalcontrol den Auftrag bekommen, wäre das wohl der endgültige Durchbruch: 170 000 bis 300 000 Euro kostet die Installation je System.

Derweil denkt Broichhausen schon einen Schritt weiter. Die Technik könnte auch strittige Abseits-Situationen klären, glaubt er. Und manche im Unternehmen verfolgen sogar schon eine Vision, die den Fernsehzuschauer zum Teil des Geschehens machen könnte: Künftig werde es Systeme geben, die noch mehr Daten verarbeiten könnten, heißt es. Dann könne der Fan das Spiel so erleben, als stünde er selbst auf dem Platz. Doch bis es so weit ist, muss bei der Weltmeisterschaft in Brasilien für Goalcontrol erst noch alles nach Plan laufen.

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