Tennisspielerin Annika Beck Austricksen, kontern, siegen

"Einfach aufregend": Annika Beck darf sich erstmals Turniersiegerin nennen

(Foto: dpa)

Auf 13 Erstrunden-Pleiten folgt der erste Turniersieg: Annika Beck emanzipiert sich von ihrer Rolle als Talent. Die 20-Jährige ist bei Teamchefin Barbara Rittner längst auf dem Radar. Trotzdem muss sie beim Fed Cup wohl zusehen.

Von Gerald Kleffmann

Annika Beck ist mit ihrer netten, unkomplizierten Art beliebt, sie hat das erst Ende September wieder gespürt, wie viele sie mögen, als sie nur eine Mininachricht ins Internet stellte. Da führte sie aus, dass sie sich auf ihrer Asien-Reise erkältet und den Magen verstimmt hatte, sie hatte sich sogar auf dem Platz übergeben müssen. "China war diesmal nicht ganz mein Fleckchen Erde", teilte sie erfrischend ehrlich mit und fügte an: "Ich bin froh, wieder zu Hause zu sein."

Daraufhin wurde Beck mit Genesungswünschen überhäuft. Dass die Anteilnahme an ihrem jüngsten Schicksal nicht geringer ausfiel, sondern sogar eine neue Steigerung erfuhr, ist somit wenig überraschend. Auf Becks Tiefpunkt 2014 folgte nur drei Wochen später ihr Höhepunkt 2014. Annika Beck aus Gießen gewann am Samstag in Luxemburg ihr erstes Tennisturnier auf der Frauentour WTA. Eine der ersten, die online gratulierten, wie das inzwischen üblich ist, war Barbara Rittner, die deutsche Fed-Cup-Teamchefin, die nach Becks 6:2, 6:1-Finalerfolg gegen die favorisierte Tschechin Barbora Zahlavova Strycova meinte: "Bravo. Die harte Arbeit zahlt sich aus."

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Daraus abzuleiten, Beck habe Chancen, doch noch in den Kader fürs Finale im bedeutsamsten Mannschaftswettbewerb zu gelangen, wäre allerdings nicht ganz korrekt, Rittner hat anklingen lassen, dass sie neben den gesetzten Angelique Kerber und Andrea Petkovic noch zwei aus dem Trio Julia Görges, Anna-Lena Grönefeld und Sabine Lisicki auswählen wird. Und doch nimmt die Teamchefin natürlich erfreut den größten Einzelerfolg Becks zur Kenntnis, erst vergangene Woche hatte sie die 20-Jährige gelobt und betont, sie gehöre zur neuen Generation, die "Druck macht", die "aufrückt" und auf deren Leistungen sie sich freue.

Rittner zählte dabei auch Anna-Lena Friedsam, 20, auf, die kürzlich in Linz erstmals ein Halbfinale erreichte, sowie Carina Witthöft, 19, die schon 100. der Weltrangliste ist und gerade bei den kleineren ITF-Turnieren im Torpedotempo von Erfolg zu Erfolg eilt.

Beck nähert sich mit Rang 54 nun wieder den Top 50, in die sie im Frühjahr als 43. bereits hineingerutscht war. Schon im Vorjahr stand sie im Finale in Luxemburg, wo sie noch der Dänin Caroline Wozniacki unterlag, nun kassiert sie 43 000 Dollar und erhöht damit ihr erspieltes Preisgeld seit ihrem Profistart 2009 auf gut 900 000 Dollar. Eine Zahl, die verdeutlicht, wie sehr Beck tatsächlich direkt hinter den namhafteren Fed-Cup-Kolleginnen lauert, sie wird eben nur außerhalb der Tennisszene noch nicht so wahrgenommen.