SpVgg Greuther Fürth Einer geht immer

Sechs Spiele, zwei Vorlagen: Domi Kumbelas Bilanz in Fürth.

(Foto: Zink/imago)

Michael Mutzel hört auf, Ramazan Yildirim folgt ihm - der Posten des Sportdirektors des Teams weist eine der höchsten Fluktuationen im deutschen Profi-Fußball auf.

Von Benedikt Warmbrunn

185 Minuten lang hat Domi Kumbela für die SpVgg Greuther Fürth gestürmt, verteilt auf sechs Spiele, er hat dabei zwei Tore vorbereitet. Dass er wenig Bleibendes in Fürth hinterlassen hat, ist also etwas übertrieben. Er hat ja vielmehr fast nichts Bleibendes hinterlassen. Falls er in einigen Jahren in Fürth noch erwähnt werden sollte, dann vermutlich nur als eines der wenigen Missverständnisse in der kurzen Zeit von Michael Mutzel als Sportdirektor der SpVgg.

Es waren ja zwei überraschende Meldungen, mit denen der Fußball-Zweitligist zum Jahresbeginn auf sich aufmerksam machte. Am Montag verkündete der Verein, dass er sich von Kumbela, 31, getrennt habe, weil beide Seiten, so stand es in einer Mitteilung, mit der sportlichen Situation "nicht zufrieden sein können". Dass der Kongolose so selten gespielt habe, soll an "unterschiedlichen Gründen" gelegen haben. Präsident Helmut Hack konnte in diese mysteriösen Formulierungen keine Klarheit bringen, er war am Montag im Ausland. Und Michael Mutzel, der Kumbela ja als Sportdirektor verpflichtet hatte, konnte ebenfalls nichts erklären, er war ja am Montag schon seit einem Tag kein Sportdirektor mehr.

Nach 13 Monaten als Sportdirektor hatte Mutzel zum Ende des vergangenen Jahres darum gebeten, seinen Vertrag auflösen zu dürfen, aus nicht näher benannten privaten Gründen. "Der Wunsch von Michael Mutzel kam für uns überraschend", sagte Präsident Helmut Hack. Wobei es ein Wunsch war, den er in den vergangenen Jahren nicht das erste Mal von einem Fürther Sportdirektor gehört hat. Es ist einer der Posten mit der höchsten Fluktuation im deutschen Profi-Fußball.

Im Sommer 2014 hatte der Sportdirektor Rouven Schröder den Verein verlassen, aus privaten Gründen, er wollte wieder in den Norden, zu seiner Familie. Schröder hatte die Transferpolitik der SpVgg stark geprägt, durch seine Kontakte in Norddeutschland und Skandinavien hatte er viele Spieler geholt, die sich in Fürth bald durchsetzten; der von Schröder zusammengestellte Kader scheiterte erst in der Relegation gegen den Hamburger SV am Aufstieg in die Bundesliga. Inzwischen arbeitet er als Direktor Profi-Fußball und Scouting bei Werder Bremen; wann immer in der Bundesliga ein Sportdirektor gesucht wird, fällt auch Schröders Name. In Fürth folgte auf ihn Andreas Bornemann, auch er verließ den Verein bald wieder, aus privaten Gründen. Geprägt hatte er nichts - er hatte sein Amt noch nicht einmal offiziell angetreten. Später deutete er an, dass er Schwierigkeiten gehabt habe, sich in dem Geflecht an Entscheidungsträgern in Fürth zurechtzufinden; neben Hack gibt es in Holger Schwiewagner noch einen zweiten Geschäftsführer, dazu Martin Meichelbeck, den Leiter des Lizenzbereichs. Mittlerweile arbeitet Bornemann beim Lokalrivalen, dem 1. FC Nürnberg, bereits in den ersten Wochen hat er dabei sein Profil durch klare Ansagen schärfen können.

Ramazan Yildirims Stärke: Er kennt sich aus im Fürther Entscheidungsgeflecht

Mutzel, der nach einer halbjährigen Suche auf Bornemann folgte, ist in dieser Struktur vergleichsweise unscheinbar geblieben. In seiner Amtszeit gab es wenige Missverständnisse wie das um Kumbela, es gab allerdings auch nur wenige Glücksgriffe. Der größte Erfolg war es, dass Stefan Ruthenbeck als neuer Trainer kam. Ansonsten fiel Mutzel manchmal mit markigen Sprüchen auf, wobei stets zu spüren war, dass genau diese markigen Sprüche am wenigsten seinem Naturell entsprechen. Mutzel bedankte sich in der Mitteilung für eine "spannende und lehrreiche Zeit, in der ich enorm gefördert wurde". Persönlich war der 36-Jährige am Montag nicht zu erreichen.

Die Suche nach seinem Nachfolger zumindest zog sich nicht so lange, auf Mutzel folgt Ramazan Yildirim. Der 40-Jährige arbeitete zuvor bereits zwei Jahre lang in der Scouting-Abteilung des Vereins, er ist also keiner, der einen Blick von außen mitbringt. Dafür ist er einer, der sich in diesem komplizierten Entscheidungsgeflecht einzuordnen weiß. Hack lobte den ehemaligen Profi, der als Trainer unter anderem den VfB Lübeck und die Sportfreunde Lotte betreut hat, als "engagierten und sehr kompetenten Mitarbeiter". Yildirims Vertrag in Fürth läuft bis zum Juni 2018. Sollte er so lange bleiben, wäre das fast schon eine Ära.