Sport in Australien Untersuchung deckt massives Doping auf

Sportministerin Kate Lundy bei der Vorstellung des Doping-Berichts: "Wenn du betrügen willst, werden wir dich kriegen."

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Die Vorwürfe gegen Athleten und Verantwortliche wiegen schwer: Eine australische Verbrechenskommission hat aufgedeckt, dass Doping in Australien weitverbreitet ist. Auch pflege der Sport Verbindungen zur organisierten Kriminalität. Die Vorwürfe könnten millionenschwere Werbedeals gefährden.

Ein Bericht über weitverbreitetes Doping hat den australischen Sport erschüttert. Die Verbrechenskommission des Landes deckte in einer einjährigen Untersuchung nicht nur den häufigen Gebrauch von verbotenen Substanzen, sondern auch eine Verbindung des Sports zur organisierten Kriminalität auf. In dem am Donnerstag vorgestellten Bericht wird ein erschreckendes Bild über den Zustand des Sports in Australien gezeichnet. "Die Ergebnisse sind schockierend und werden die australischen Sportfans anwidern", sagte Justizminister Jason Clare.

Dem Bericht zufolge waren sowohl Sportwissenschaftler, Trainer, Betreuer als auch Doktoren und Apotheker an der Versorgung mit den Dopingmitteln beteiligt. Neben den üblichen Doping-Mitteln nutzten Sportler sogar Substanzen, die nicht für den menschlichen Gebrauch zugelassen sind, heißt es in dem Bericht.

Dem Papier zufolge nutzen viele Athleten Wachstumshormone, die etwa Hexapeptide (GHRP) freisetzen. Auch die Zahl der Google-Anfragen nach dem Stichwort "GHRP" sei in Australien ungewöhnlich hoch. "Das sind leistungssteigernde Substanzen, im Moment sind sie sehr schwer nachzuweisen", sagte der ehemalige Asada-Chef Richard Ings.

Sport unterwandert von organisierter Kriminalität

Die Beschaffung der Substanzen sei häufig von kriminellen Banden übernommen worden. Auch geht die Kommission davon aus, dass die organisierte Kriminalität den Profisport unterwandert habe. So sollen unter anderem Spiele für Wetten manipuliert worden sein.

Clare wollte keine Namen von Sportlern und Vereinen nennen, um die Strafverfolgung nicht zu gefährden. "Wenn du betrügen willst, werden wir dich kriegen. Wenn du manipulieren willst, werden wir dich kriegen", kündigte Australiens Sportministerin Kate Lundy an.

"Das ist ein sehr schwarzer Tag für den Sport", sagte John Fahey, der australische Vorsitzende der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada). Der Bericht nennt zwar keine Sportarten, der Chef der Nationalen Rugby Liga (NRL) hat aber bereits offengelegt, dass auch eine der beliebtesten australischen Sportarten betroffen ist. Es sei mehr als ein Spieler und mehr als ein Klub betroffen, sagte NRL-Boss Dave Smith. Cricket und Fußball sind nach Angaben der jeweiligen Verbandsvorsitzenden nicht in die Vorfälle verwickelt.

Nach den Enthüllungen haben erste Sponsoren bereits angekündigt, ihr Engagement im australischen Sport zu überdenken. David Thodey, Chef der Telekommunikationsfirma Telstra, sagte, die Affäre könnte das Image seines Unternehmens beschädigen. Sollten sich die Dopingvorwürfe erhärten, könnte der 100-Millionen-Dollar-Deal mit der australischen Rugby-Liga in Gefahr sein.