Kosten-Debatte im Fußball "Es scheint einer Majestätsbeleidigung gleichzukommen"

Ulrich Mäurer, 63, kennt sich mit rechtlich heiklen Fragen aus.

(Foto: Carmen Jaspersen/dpa)

Tausende Polizisten, Tausende Überstunden: Der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer erklärt im SZ-Interview, warum er die Bundesliga für Polizeieinsätze zur Kasse bitten will. Der Konter der Liga und der Bundesländer lässt nicht lange auf sich warten.

Von Marc Widmann
  • Bremens Innensenator Mäurer (SPD) will die Deutsche Fußball Liga an Polizeieinsätzen bei sogenannten Risikospielen beteiligen. Er hält den Plan für gesetzeskonform.
  • DFL und Bundesländer widersprechen, auch von Parteifreunden kommt Kritik.

Normalerweise legt sich Bremens Innensenator Ulrich Mäurer mit Rockerbanden wie den Mongols an, die er kurzerhand verbot. Nun fordert Mäurer die Fußball-Bundesliga heraus. Er will für teure Polizeieinsätze bei sogenannten Risikospielen Geld von der Deutschen Fußball Liga (DFL) kassieren. Er plant, der DFL noch in diesem Jahr die erste Rechnung zu schicken. "Wir sind nicht in der Lage, die vielen Tausend Überstunden zu bezahlen, die in den letzten Jahren angefallen sind. Und wir sehen auch nicht, dass sich die Entwicklung sich bessert, im Gegenteil. Deswegen halten wir es für angemessen, dass die DFL sich an den Kosten beteiligt", sagte Mäurer der Süddeutschen Zeitung (Donnerstagsausgabe).

Der SPD-Politiker betonte, dass es ihm lediglich um die Problemspiele wie gegen Hamburg oder Hannover gehe, bei denen oft mehr als Tausend Polizisten zum Einsatz kämen. "So ein Spiel kann gut und gerne 250.000 oder 300.000 Euro mehr kosten als ein normales Spiel", sagte Mäurer. Im Hinblick auf die Höhe der Forderungen betonte er: "Nur diese Mehrkosten wollten wir in Rechnung stellen." Dafür nehme man auch ein Gerichtsverfahren in Kauf, dass die DFL in einer ersten Reaktion erwogen hatte.

Rechnung für die Deutsche Fußball Liga

Alleingang mit Vorbildfunktion? Das rot-grün regierte Bremen will die Bundesliga als erstes Bundesland an den Kosten für Polizeieinsätze bei Risikospielen beteiligen. Die DFL kündigt an, "alle juristischen Möglichkeiten ausschöpfen" zu wollen - der DFB erwägt, der Hansestadt ein Länderspiel wegzunehmen. Von Jan Bielicki und Marc Widmann, Bremen mehr ...

Die Kritik der DFL an seinen Plänen kann Mäurer nicht nachvollziehen. "Es scheint einer Majestätsbeleidigung gleichzukommen", glaubt er. Den Einwand der Liga, dass die Sicherheit bei Fußballspielen allein Aufgabe des Staates und Mäurers Plan somit unvereinbar mit der Verfassung sei, bezeichnet der Innensenator als "groben Unsinn". Man könne sich selbstverständlich gewisse Kosten über das Gebührenrecht erstatten lassen.

Politiker aus anderen Bundesländern hatten auf ähnliche Vorstöße trotz hoher Kosten bislang verzichtet. Mäurer begründet das mit "rechtlichen Risiken", er vermutet, "dass die anderen erst mal abwarten, ob wir erfolgreich sind".

Keine Unterstützung aus anderen Bundesländern

Aus den Bundesländern kam am Mittwoch allerdings weitgehend Kritik. "Für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung liegt die originäre Zuständigkeit beim Staat und damit bei der Polizei", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und fügte an: "Wenn HSV-Fans am Marienplatz randalieren, kann man nicht den FC Bayern dafür verantwortlich machen." Auch aus Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Hessen, Berlin, Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern kamen ablehnende Reaktionen.

Hörmann: "Sportpolitische Geisterbahnfahrt"

Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), bezeichnete das Vorgehen Bremens gar als "sportpolitische Geisterbahnfahrt, die dem Großen und Ganzen nur schadet". Es werde dadurch an den Grundfesten der Aufgaben für die öffentliche Sicherheit und des Gewaltmonopols des Staates gerüttelt. "An öffentliche Sicherheit darf kein Preisschild gehängt werden!" Der Sport könne und dürfe seine Veranstaltungen nicht in gewinnorientiert oder gemeinnützig auseinanderdividieren lassen.

Das vollständige Interview mit Mäurer lesen Sie in der Donnerstagsausgabe der Süddeutschen Zeitung und in der SZ-Digital-App auf iPhone, iPad, Android und Windows 8.