Olympia Möglicher Meldonium-Fall bei russischem Curler

Der Curler Alexander Kruschelnizki könnte der nächste russische Doping-Fall sein.

(Foto: dpa)
  • Olympia erlebt womöglich den nächsten gedopten Russen: Curling-Spieler Alexander Kruschelnizki soll mit Meldonium nachgeholfen haben.
  • Der Beschuldigte behauptet, er wisse von nichts.
  • Steht nun die Aufhebung von Russlands Olympia-Suspendierung auf dem Spiel?
Von Johannes Aumüller, Pyeongchang

Alexander Kruschelnizki, Olympia-Teilnehmer aus Russland im Curling, steht unter Dopingverdacht. Das bestätigte ein Sprecher der Mannschaft, die bei den Wettkämpfen in Pyeongchang unter dem Label "Olympische Athleten aus Russland" antritt, am Sonntagabend. Demnach sei die russische Delegation durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) über eine "mögliche Verletzung der Anti-Doping-Regeln" informiert worden. Weitere Angaben wollte der Sprecher nicht machen, sondern verwies auf die noch ausstehende Öffnung der B-Probe, die am Montagmorgen koreanischer Zeit erfolgen sollte. Inzwischen hat auch der internationale Sportgerichtshof (CAS) bekannt gegeben, ein Verfahren gegen den Athleten eröffnet zu haben. Das IOC wiederum teilte mit, es wolle einzelne Verfahren nicht kommentieren, habe aber das Statement der russischen Delegation zur Kenntnis genommen.

In mehreren russischen Medien hieß es, der Dopingverdacht richte sich gegen Kruschelnizki. Dieser hatte gemeinsam mit seiner Curling-Partnerin und Ehefrau Anastassija Brysgalowa im Mixed-Wettbewerb Bronze gewonnen. Kruschelnizki sagte der Agentur Ria Novosti, er wisse von nichts. Sein Trainer und sein Verbandspräsident sagten, es handele sich derzeit noch um Spekulationen. Es wird von russischer Seite darauf verwiesen, dass Kruschelnizki noch Ende Januar bei einem Doping-Test im Trainingslager sauber gewesen sei.

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Bei der verbotenen Substanz soll es sich um Meldonium handeln. Das ist ein durchblutungsförderndes Mittel, das eigentlich für Herzpatienten gedacht ist, aber insbesondere im osteuropäischen Sport über Jahre massiv zum Einsatz kam. 2016 kam es jedoch auf die Verbotsliste der Welt- Anti-Doping-Agentur (Wada). In den Folgemonaten wurden Dutzende russische Sportler, die das Medikament trotz des Verbotes weiter nahmen, positiv getestet und gesperrt. Der prominenteste Fall war die Tennisspielerin Maria Scharapowa.

Meldonium ist relativ leicht und zudem über mehrere Monate nachweisbar. Dennoch fliegen immer noch Sportler damit auf. Erst kürzlich erkannte der europäische Handball-Verband der russischen U19-Mannschaft die EM-Silbermedaille aus dem Jahr 2017 ab - drei Akteurinnen waren positiv auf Meldonium getestet worden. Der Trainer des Curlers Kruschelnizki sagte nun, dieser habe Meldonium nur bis 2016 genommen, danach nicht mehr.

Unabhängig von der Frage, um welchen Sportler und um welches Präparat genau es sich handelt, wäre ein positiver Dopingfall eines russischen Sportlers brisant. Russlands Olympia-Komitee ist aufgrund des Dopingsystems der vergangenen Jahre bei den Spielen in Pyeongchang suspendiert. Es dürfen nur 168 speziell geprüfte Athleten unter neutraler Flagge starten. Das IOC hat Russland allerdings die rasche Rückkehr in die olympische Familie zur Schlussfeier in Aussicht gestellt.

Konkrete Bedingungen für die Wiederaufnahme nannte das IOC bisher nicht, nicht einmal die Anerkennung des Reportes von Wada-Sonderermittler Richard McLaren. Es hieß nur, Russland solle "den Text und den Geist" jener Entscheidung aus dem Dezember befolgen, in der das IOC die kurzzeitige Suspendierung beschlossen hatte. Bisher galt eine Rückkehr als diskret ausgemacht. Mit einem Dopingfall könnte das plötzlich nicht mehr vertretbar sein.

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