Olympia Ihre Chatgruppe heißt "Mission Gold"

Das deutsche Team feiert den Einzug ins Finale.

(Foto: dpa)
Von Johannes Aumüller, Pyeongchang

Hoch flog der erste Schläger in die Luft, und viele andere Gegenstände folgten ihm. Überall auf dem Eis lag die Ausrüstung der deutschen Mannschaft zerstreut, Handschuhe, Helme, Schläger, weg damit, wer braucht so etwas schon, wenn er hemmungslos jubeln kann? In einer Ecke des Eises versammelten sich die Spieler der deutschen Eishockey-Mannschaft. Sie hüpften und tanzten und schrien, und wenn es nicht zu den Gepflogenheiten des Sports zählen würde, irgendwann zum Händeschütteln mit dem Gegner in der Mitte des Feldes zu erscheinen, dann hätten sie wahrscheinlich noch eine ganze Weile so weitergemacht.

Es war nun wirklich ein sporthistorischer Moment, den das Team des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) dort zelebrierte. Mit 4:3 (1:0, 3:1, 0:2) hatte es in einem phänomenalen Spiel den Rekord-Olympiasieger Kanada bezwungen und sich damit für das Finale des Turniers gegen die Olympischen Athleten aus Russland (5.10 Uhr MEZ) qualifiziert. Zum ersten Mal überhaupt kann eine deutsche Mannschaft Olympiasieger werden, es ist der größte Erfolg in der Geschichte des deutschen Eishockeys. "Verrückt, ne, verrückt, verrückte Welt", sagte Bundestrainer Marco Sturm: "Das ist einmalig."

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Ein ohnehin schon irres Turnier kulminiert in diesem 4:3 im Halbfinale

Ja, einmalig war es in der Tat, was seine Mannschaft da geleistete hatte. Und es war interessant mitzuerleben, wie nach dem Spiel ein Akteur nach dem anderen in die Kabine trottete und sich unterwegs kurz den Journalisten stellte. Da war etwa der Torwart Danny aus den Birken, der völlig ausgelaugt war. Oder Defensivspieler Moritz Müller, der seine Tränen kaum halten konnte. Oder die NHL-gestählten Routiniers Christian Erhoff und Marcel Goc, die schon so viel erlebt haben, aber so etwas wie an diesem Abend dann doch noch nicht. Keiner hatte schon so recht begriffen, was da geschehen war, und keiner wollte zu großen sportfachlichen Analysen ansetzen, als es um die Gründe für den Erfolg ging. Ein jeder sagte nur: Team. Mannschaft. Teamgeist. Mannschaftsgeist.

Diese Wörter fallen oft im Sport, aber soweit sich das von außen beurteilen lässt, trifft das bei den Eishockey-Spielern tatsächlich zu. Sturm hat in den drei Jahren eine bemerkenswerte Mannschaft geformt, die ohnehin ein irres Turnier spielt. Das knappe 0:1 gegen Schweden in der Vorrunde, der Penalty-Sieg über Norwegen, der Erfolg nach Verlängerung gegen die Schweiz, das denkwürdige 4:3 gegen Schweden im Viertelfinale.

Aber all das kulminierte jetzt in diesem 4:3 gegen Kanada im Halbfinale. In einem "Jahrhundertspiel", wie Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, nicht ganz zu Unrecht schwärmte.