Borussia Mönchengladbach Mahmoud Dahoud: Intelligenz, Intuition, Instinkt

Gehört zu den laufstärksten Akteuren der Bundesliga: Mahmoud Dahoud.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Mahmoud Dahoud ist der Senkrechtstarter bei Borussia Mönchengladbach.
  • Der Deutsch-Syrer überzeugt im defensiven Mittelfeld neben Granit Xhaka und hofft auf einen Platz im Olympiateam für die Sommerspiele in Rio.
Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Mahmoud Dahoud sitzt in einem Büro im Fußballstadion. Auf dem Tisch liegt ein Aufnahmegerät. Dahoud soll aus seinem Leben erzählen, über seinen Fußball reflektieren, über die Zukunft spekulieren. Immer wieder fährt er sich mit der Hand durchs dichte schwarze Haar. Er trägt das leuchtend grüne Trikot des Bundesliga-Fünften Borussia Mönchengladbach. Darin fühlt er sich normalerweise pudelwohl. Dahoud, 20, gebürtiger Syrer, ist Gladbachs größtes Talent. Ein Instinkt- und Straßenfußballer. Europas Topklubs haben ihn auf der Liste.

Berühmt geworden ist der begnadete Fußballer als schüchterner Held. Dahoud scheut Interviews. Er fürchtet sich ein bisschen davor. Bis jetzt geht er an jeder TV-Kamera vorbei, an jedem Radiomikrofon. "Ich kann auf dem Platz besser zeigen, was in mir steckt. Grundsätzlich wollen die Fans sehen, was man auf dem Platz zeigt, und nicht nur vor dem Mikrofon. Ich mag nicht alle drei Tage vor der Kamera stehen", sagt er.

Er ist der erste Bundesliga-Spieler syrischer Herkunft

Beim Fußball ist Dahoud ein Senkrechtstarter. Er spielt seine erste Bundesliga-Saison, hat in allen 22 Partien mitgespielt, fünf Tore vorbereitet und drei selbst erzielt. Er war in allen sechs Champions-League-Partien der Gladbacher dabei - und hat brilliert. Er ist der erste Bundesliga-Spieler syrischer Herkunft, aber über Syrien und Flüchtlinge reden mag er nicht. Er weiß nicht, was er dazu sagen soll. Sein Thema ist der Fußball. Über ihn taucht er ein in die Vergangenheit als Flüchtlingskind im rheinischen Städtchen Langenfeld.

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"In der Nachbarschaft waren viele Kinder. Wir hatten nichts zu tun und haben die ganze Zeit nur Fußball gespielt, stundenlang. Manchmal sechs Stunden am Stück. Mit meinem Vater und meinem Bruder war ich oft beim Training von Bayer Leverkusen. Das war nur fünf Minuten entfernt. Ich habe ein Bild von meinem Bruder mit Michael Ballack. Früher ist man zum Training gegangen, um den Profis zuzuschauen, und jetzt steht man selbst auf dem Platz, und die Leute kommen, um einem zuzuschauen - das ist komisch."

Dahoud war ein Baby, als seine Eltern 1996 mit ihm nach Deutschland kamen. Er hat sein ganzes Leben hier verbracht, besitzt beide Staatsbürgerschaften. Er hat bereits 14 Mal in deutschen Jugend-Nationalteams gespielt. Dahoud wurde vom deutschen Fußball sozialisiert - und taktisch geprägt. "Als Bambini in meinem ersten Verein SC Reusrath - da sind wir einfach gelaufen, ohne Ordnung. Danach bin ich zu Fortuna Düsseldorf gegangen, habe dort mal weiter hinten, mal weiter vorn im Mittelfeld gespielt, auch links oder rechts außen. Aber seit ich vor sechs Jahren zu Gladbach kam, bin ich Sechser. Das macht mir am meisten Spaß. Ich komme lieber von hinten, als vorne auf den Ball zu warten."

"Wir sind das Herz der Mannschaft"

Mit dem Schweizer Granit Xhaka bildet Dahoud die Doppel-Sechs im Mittelfeldzentrum von Borussia Mönchengladbach. Xhaka ist 23. Die beiden sind das jüngste Sechser-Paar der Bundesliga. Und machen ihre Sache meist ziemlich gut. "Unsere Position ist so wichtig. Wenn wir nicht funktionieren, dann wackelt alles. Wir sind das Herz der Mannschaft, müssen defensiv die Lücken zumachen, eng an der Kette sein, die Bälle schnell verlagern oder in die Spitze spielen. Es ist nicht so einfach, sich jederzeit schnell zu orientieren und die richtige Entscheidung zu treffen", sagt Dahoud.

Für seine 20 Jahre trifft er auf dem Rasen erstaunlich oft die richtige Entscheidung. Intelligenz, Intuition, Instinkt? "Man trainiert es - und probiert es. Aber es ist auch Instinkt. Die Gladbacher Jugendtrainer Marc Trostel und Thomas Flath haben mir viel beigebracht, Ballbesitz, Kontrolle, Spielaufbau. Auch den Schulterblick haben sie mir gezeigt - um zu überprüfen, ob jemand hinter mir ist."