Madrid Keiner für Disneyland

Kam im Sommer 2015 zur Hertha: Spielmacher Vladimir Darida aus Tschechien.

(Foto: Ronny Hartmann/Bongarts/Getty Images)

Für Vladimir Darida von Hertha BSC Berlin hat sich offenbar Real Madrid interessiert. Die Chancen für seinen Wechsel sind aber gering. Der Deutsche Toni Kroos könnte derweil auf dem Absprung sein und nach England gehen.

Von Javier Cáceres

Ein namentlich nicht genanntes Vorstandsmitglied von Real Madrid hat bestätigt, dass die Scouts des Vereins Vladimir Darida von Hertha BSC und N'Golo Kanté von Premier-League-Klub Leicester City für die beiden Spieler halten, die die Mittelfeldprobleme des spanischen Rekordmeisters lösen würden. Dies berichtete die Zeitung El País am Sonntag. Dem Bericht zufolge standen weitere Namen auf einer von den in Europa und Amerika tätigen Spähern erarbeiteten Liste, die zwischen Oktober und Dezember erstellt worden sei. Die Identitäten der Profis, die einem ähnlichen Profil wie Darida und Kanté entsprächen, wurden nicht öffentlich.

Die Chancen dieser Spieler, bei Real Madrid anzuheuern, sind aber gering. Nach Darstellung der Zeitung sei die Liste "von der Spitze des Klubs miss- billigt" worden. Damit dürfte Vereinsboss Florentino Pérez gemeint sein. Laut El País habe es Klagen gegeben, dass auf der Liste "keine Spieler von wirklicher Klasse" verzeichnet seien.

Pérez verfolgt eine radikal marktorientierte Strategie, die auf die Verpflichtung von global bekannten Profis abzielt. Sein Real Madrid ist eine Art fußballerisches Disneyland. Stets sollen drei Stürmer auflaufen - Cristiano Ronaldo, Gareth Bale und Karim Benzema -; das bleibt nicht ohne Folgen für die Statik des Madrider Spiels. Leidtragender der Ungleichgewichte im Mittelfeld ist unter anderen der deutsche Weltmeister Toni Kroos. Ihm werden zu viele Aufgaben aufgebürdet, vor allem defensive, was seiner offensiven Ausrichtung entgegenläuft. Die Konsequenzen bekommt Kroos aktuell zu spüren. Für das Ligaspiel am Sonntag in Las Palmas wurde er nicht berufen.

In Madrid heißt es, dass Kroos in diesem Sommer wechseln könnte. Ein plausibler Kandidat wäre Manchester City. Dort heuert Pep Guardiola an. Der Trainer gilt als erklärter Kroos-Fan, seit er mit ihm in der Saison 2013/14 beim FC Bayern zusammenarbeitete. Die Begeisterung teilt Guardiola mit seinem fußballerischen Ziehvater. Kroos sei der einzige Bayern-Profi, wegen dem Johan Cruyff zum Telefonhörer gegriffen habe, um Guardiola zu beglückwünschen. "Das ist einer der unseren", habe Cruyff ausgerufen, heißt es aus Kreisen, die den Inhalt des Gesprächs kennen. Kroos zog 2014 gegen Guardiolas Willen nach Madrid. Zuvor hatte sich Kroos mit Bayerns Klubboss Karl-Heinz Rummenigge nicht über einen neuen Vertrag einigen können.