Wie sauber ist die Leichtathletik? Kurz vor WM in Berlin zeigt die ARD einen Enthüllungsfilm, in dem auch ein Deutscher Meister belastet wird.
Doping? Jamaikas Sportministerin Olivia Grange schaut in etwa so pikiert, als wäre sie in Hundekot getreten. Das Rezept dafür, dass in ihrem Land die schnellsten Sprinter der Welt zu Hause sind, sei doch simpel: Training, richtiges Essen, zudem habe Jamaika "großartiges Wasser".
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Jamaikas Sprinter Usain Bolt (li.) schüttelt erstaunt den Kopf, wenn es um Doping geht. Experten vermuten indes, dass einige jamaikanische Sprinter nicht sauber sind. (© Foto: AFP)
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Doping? Auch Usain Bolt, dreifacher Olympiasieger und zweifacher Sprint-Weltrekordhalter, schüttelt erstaunt den Kopf. Und der Chef der jamaikanischen Anti-Doping-Behörde sagt: "Wir testen sie alle fünf Tage, zumindest die Top-Athleten." Alles eitel Sonnenschein also in der Leichtathletik, besonders auf Jamaika, in diesem Sportzentrum, auf das ein ARD-Team gerade die Kamera hält? Seltsam nur, dass die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada glaubt, die Jamaikaner hätten mit ihrem Kampf gegen illegale Substanzen noch überhaupt nicht angefangen.
Wie sauber ist die Leichtathletik? Das herauszufinden, ist angesichts pharmazeutischer Fortschritte, unfassbar kreativer Manipulationsmethoden und fragwürdiger Kontrollsysteme eine nahezu unlösbare Aufgabe. Hajo Seppelt, Dopingexperte der ARD, hat passend zum Beginn der Leichtathletik-WM in Berlin einen Film zum Thema vorgelegt. Der trägt Züge einer Weltreise: Blitzschnell wechselt die Szenerie zwischen der karibischen Kulisse Jamaikas und einem Bergidyll, zu Beginn befindet sich Seppelts Team in Mexiko.
Angel Heredia war ein ganz großer Doping-Dealer, später Kronzeuge der amerikanischen Justiz. In Mexiko-City "kriegt man alles", sagt er. Wie zum Beweis kauft er mit dem ARD-Team in einer Apotheke ein: Wachstumshormone, Epo. Rezeptfrei. Der Schmuggel in die USA, über eine angeblich gut gesicherte Grenze, läuft ebenso reibungslos. Das Auto des Teams mit der gelben Plastiktüte unter dem Beifahrersitz bleibt unkontrolliert. "Ein Kinderspiel", sagt Heredia, der mehr als 40 Spitzensportler weltweit bedient haben will.
Was läuft in Labors der Wada?
In der nächsten Einstellung sitzt Stefan Matschiner vor einer Alpenkulisse im Salzkammergut. Er war Manager des gedopten Radprofis Bernhard Kohl. Gegen den früheren Profi des inzwischen aufgelösten Teams Gerolsteiner, der bei der Tour de France 2008 "Bergkönig" war, ermittelt die österreichische Justiz. "Mit bestem Wissen und Gewissen", sagte Matschiner, habe er auch Leichtathleten versorgt. Zur "Versorgung" zählte auch "das perfekte Einstellen der Athleten", also die Substanzen so einzunehmen, dass sie in Doping-Kontrollen nicht auffallen. Dann benennt Matschiner zwei brisante Aspekte: Ein Top-Leichtathlet, deutscher Meister in seiner Disziplin, habe über einen Mittelsmann Steroide erhalten. Und: Tests für die perfekte Einstellung fänden auch in Wada-Labors in Europa statt - der Film legt nahe, dass sie von Mitarbeitern heimlich durchgeführt werden. Die Wada lässt alle Testreihen exakt protokollieren. Wenn diese "sehr ernsten Anschuldigungen" zuträfen, sei das "skandalös", sagt Wada-Generalsekretär David Howman im Film.
ARD-Mann Seppelt behauptet zu wissen, wer dieser deutsche Doper ist, dessen Namen er nicht nennt, aus "juristischen Gründen". Anfang des Jahres hatte Seppelt den Verdacht geäußert, deutsche Wintersportler seien Kunden einer Wiener Blutbank gewesen. Der Deutsche Ski-Verband (DSV) klagte, am Ende vergeblich. Rechtlich ist jede Dopingberichterstattung heikel. So gibt Seppelts Film einen guten Einblick in die kriminellen Strukturen, bleibt aber ein einzelner, vager Machetenschlag ins Doping-Dickicht.
Geheimsache Doping, Nacht zu Donnerstag, 0.00 Uhr, ARD.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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(SZ vom 12.08.2009/sewi)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
werden alle Sportarten abqualifiziert: Radsport als Leistungsschau der Pharmaindustrie, Schwimmen als Wettbewerb der Schwimmanzüge, angebliche Spielmanipulationen im Handball, DDR-Vergangenheit bei Biathlon und Eiskunstlauf...
Alle Sportarten? Nein, zum Glück gibt es ein kleines gallisches Dorf namens Fussball. Man stelle sich vor, zu Beginn der Bundesligasaison brächte die ARD einen Enthüllungsbericht über die Fussballkunden von Fuentes oder Freiburg oder eine Reportage über Wettmanipulationen in den europäischen Wettbewerben oder über die vielen Sportinvaliden auf dem Weg zum Profi oder über die edlen Designerdrogen, die die beim Trikottausch gezeigten Körper modellieren oder man stelle sich vor, im Vorfeld der FrauenWM würde aufgezeigt, dass die Nationalmannschaft gerade mal Bezirksliganiveau hat und in einem Testspiel den B-Junioren des VfB Stuttgart mit 0:5 unterlag und es deshalb keine Öffentlichen Spiele gegen Jugendmannschaften mehr gibt.
Ist das wirklich vorstellbar? Keine Sorge, wir werden unsere " Ware " Fussball niemals kaputtenthüllen lassen, die Fussballlobby ist da mindestens eine eine Nummer zu groß. Meine Sorge ist nur, dass durch diese erstrebte Monokultur irgendwann beim Publikum eine Fussballübersättigung eintritt.
Der Sendetermin ist doch völlig egal. Jegliche Live-Sportberichterstattung von ARD und ZDF sind doch ohnehin schon Doping-Diskussionen mit Sportbildern als Hintergrund.
und die deutsche Leichtathletiknation erntet 1 Broncemedaille.
WM Berlin 2009 - die Frisur hält noch immer
und die deutsche Leichathletiknation erntet 10 Medaillen
mission accomplished
Ich kann nur den Hut vor Hajo Seppelt ziehen, schon in den letzten Jahren hat er immer wieder mit großartigen, investigativen Reportagen auf die Dopingproblematik aufmerksam gemacht, er wurde ja auch zeitweie von der ARD geschnitten - das sagt ja einiges aus über die Vernetzung zwischen öffentlich rechtlichen Sendern und dem Hochleistungssport.
Diese Reportage um 0:00 Uhr zu zeigen ist ein schlechter Witz, leider fehlt da irgendwie die Pointe.
Aber so ist die ARD. Sie trägt in meinen Augen die gleichen Züge wie die Stadt Babylon, die hatte doch auch diesen, vermeintlich, ganz treffenden Zusatznamen. Aber wie bei Harry Potter: das ist die Situation, deren Namen man nicht nennen darf.
Geheimsache Doping, Nacht zu Donnerstag, 0.00 Uhr, ARD
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Fast ein geheimer Sendetermin. Die Sponsoren der "Sportler" wird es freuen.
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