Lebenslange Sperre für Fußballer Für immer ins Abseits geprügelt

Wieder ein Fall von brutaler Gewalt gegen einen Fußball-Schiedsrichter: Nach einer gefährlichen Attacke auf einen Referee ist in Krefeld ein Hobbykicker gesperrt worden - das Strafmaß fällt drastisch aus.

Von Ulrich Hartmann, Krefeld

Reiner Hohn sagt, es sei an der Zeit gewesen, ein Zeichen zu setzen. Die Bedrohungen gegen Schiedsrichter hätten zugenommen, vor allem in den untersten Kreisligen. "Ausgerechnet dort", sagt Hohn, "wo nur Hobbyteams spielen." Der Krefelder ist Vorsitzender der Spruchkammer im Fußballkreis Kempen/Krefeld.

Die Strafe, die Hohns Gremium soeben gegen den 26-jährigen Zafer K. ausgesprochen hat, lässt aufhorchen: eine lebenslang Sperre. Der türkische Hobbyfußballer hatte im Januar bei einem Hallenturnier vor 400 Zuschauern einen Schiedsrichter erst beleidigt, dann gegen den Kopf geschlagen und war ihm schließlich mit den Beinen voran in den Rücken gesprungen. Jetzt darf dieser Spieler nie wieder für einen Verein spielen, nie wieder bei einer offiziellen Partie mitwirken.

Für den Rest seines Lebens. Das Urteil soll abschrecken. Die Spruchkammer, sagt Hohn, sei vom Verband ermahnt worden, härter durchzugreifen. Der gewaltsame Tod eines Linienrichters Anfang Dezember im niederländischen Almere nach brutalen Attacken durch jugendliche Spieler zeigt offenbar grenzüberschreitende Wirkung. Die Angst vor immer drastischeren Übergriffen wächst.

Bei der Hallenkreismeisterschaft in der Krefelder Glockenspitzhalle im Januar war Zafer K. zunächst wegen einer Schiedsrichterbeleidigung des Feldes verwiesen worden. Dann attackierte er den Schiedsrichter Andreas S. brutal. Das Spiel wurde abgebrochen, die Mannschaft Anadolu Türkspor Krefeld sofort vom Turnier disqualifiziert. Bei der späteren Spruchkammersitzung kam zur Sprache, dass Zafer K. bereits zwei Monate zuvor bei einem Ligaspiel einen Schiedsrichter angegangen und für einen Spielabbruch gesorgt hatte.

Die Schiedsrichter des Krefelder Fußballkreises hatten nach dem Vorfall beim Hallenturnier einen Streik in Erwägung gezogen. "Wenn die Gewalt gegen uns Schiedsrichter nicht abnimmt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir auch in Deutschland den ersten Todesfall zu beklagen haben", hatte Schiedsrichter Thomas Kirches der Rheinischen Post gesagt. Im Fall des verletzten Schiedsrichters Andreas S. ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Körperverletzung.

Der Krefelder Klub Anadolu beschreibt sich auf seiner Internetseite so: "Spiel, Integration, Gleichberechtigung, Zusammengehörigkeit, Disziplin, Ausbildung." Dass beim Hallenturnier im Januar eine Grenze überschritten worden war, ist den Verantwortlichen klar geworden. Zunächst entschuldigte sich der Vorsitzende Ahmet Arslan schriftlich beim Schiedsrichter: "Das Verhalten ist absolut intolerabel und kann unter keinen Umständen akzeptiert werden."

Der Verein hat die Mannschaft noch vor dem Ende der Winterpause vom Spielbetrieb der Kreisliga A Krefeld abgemeldet, zumal sich weitere Spieler und auch das Trainerduo vor der Spruchkammer hatten verantworten müssen.

Zafer K. zeigte während der Verhandlung vor der Kammer Reue. Das Gremium brauchte nur eine Viertelstunde für die Beratung und entschied einstimmig für die Sperre. Der Spieler könnte in drei Jahren ein Gnadengesuch stellen, will dies nach eigenen Angaben aber nicht tun. "Ich höre mit dem Fußball auf", sagte er, als er nach dem Urteilsspruch den Saal verließ.