Kritik an Hall of Fame der Leichathletik "Leugnerinnen des eigenen Dopings"

DDR-Leichtathletin Marita Koch bejubelt 1985 in Canberra ihren neuen 400-m-Weltrekord. Nun wurde sie trotz ihrer Doping-Vergangenheit in die Hall of Fame aufgenommen.

(Foto: dpa)
  • Die Aufnahme von Heike Drechsler und Marita Meier-Koch in die Hall of Fame der Leichtathletik stößt auf heftige Kritik.
  • Sowohl der Doping-Opfer-Hilfeverein, als auch der Deutsche Leichtathletik-Verband kritisieren die Entscheidung des Weltverbandes IAAF, zwei nachweisliche Doperinnen zu ehren.

Entsetzen über Drechslers und Kochs Aufnahme in Hall of Fame

Die Aufnahme von Heike Drechsler und Marita Meier-Koch in die Hall of Fame der Leichtathletik stößt in Deutschland auf zum Teil heftige Kritik. Während Ines Geipel, die Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfevereins (DOH), über die Auswahl des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF "entsetzt" ist, kritisierte auch Clemens Prokop die Entscheidung.

"Wir wurden vor dieser Ehrung nicht von der IAAF kontaktiert. Ich hätte mir sehr gewünscht, dass das der Fall gewesen wäre und hoffe, dass das in Zukunft der Fall sein wird", sagte der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) dem Sportinformationsdienst. Mit der Aufnahme in eine Ruhmeshalle sollte laut Prokop "eine Vorbildwirkung verbunden" sein.

"Diese kommt nur Leistungen zu, die nicht unter Dopingverdacht stehen. Ich würde mir wünschen, dass bei solchen Ehrungen nicht nur Leistung eine Rolle spielt, sondern die Gesamtperson gewürdigt wird. Dazu gehört für meine Begriffe auch, dass man sich klar und deutlich zum Kampf gegen Doping bekennt", sagte Prokop.

Das sagen die Dopingopfer

Geipel, eine von rund 200 staatlich anerkannten Dopingopfern und wie Drechsler und Meier-Koch zu DDR-Zeiten Sprinterin, bezeichnete die IAAF-Auswahl als "einfach nur erschütternd". Für ein Gremium wie die IAAF sei es "ausgesprochen heikel, wenn es historische Aufarbeitung in Mitgliedsländern völlig negiert. Die DDR-Sportgeschichte ist aktenkundig, die Realität liegt auf dem Tisch", sagte Geipel. Drechsler und Meier-Koch seien "zwei Leugnerinnen des eigenen Dopings, und die Ehrung ist wie ein Schlag ins Gesicht durch einen internationalen Dachverband".

Die Vorgeschichte von Drechsler und Meier-Koch

Die Doping-Aufklärer Brigitte Berendonk und Werner Franke hatten in der Nachwendezeit nachgewiesen, dass die Olympiasiegerinnen Drechsler und Meier-Koch in den 80er Jahren kontinuierlich und hochdosiert das Anabolikum Oral-Turinabol verordnet bekamen. Beide Sprinterinnen haben wissentliches Doping stets bestritten. Im Gegensatz zu Meier-Koch distanzierte sich Drechsler in den vergangenen Jahren vermehrt von den Vorgängen zu DDR-Zeiten.

Der 400-Meter-Weltrekord, den Meier-Koch am 6. Oktober 1985 in Canberra aufstellte, hat noch immer Bestand und gilt in der Fachwelt heute als unerreichbar. Von der zweimaligen Weitsprung-Olympiasiegerin Drechsler stehen noch heute fünf Versuche in der Top-10-Liste der weitesten Sprünge aller Zeiten.

Die Aufnahme von Drechsler und Meier-Koch in die Hall of Fame wurde am Freitag im Rahmen einer IAAF-Gala in Monaco vollzogen. Sie sind die ersten beiden Deutschen in der 2012 gegründeten Ruhmeshalle.