Korruption in der Fifa E-Mail belastet Sepp Blatter

Was wusste der Präsident? Sepp Blatter gerät in Bedrängnis.

(Foto: AP)

Südafrika hat zehn Millionen Dollar an die Fifa gezahlt. Im Schriftwechsel fällt auch der Name Sepp Blatter. Was wusste der Präsident?

Von Thomas Kistner

Die Fußballwelt ist in Aufruhr. Englands Premier David Cameron brachte den Korruptionssumpf rund um die Fifa sogar beim G7-Gipfel in Garmisch bei seinen Amtskollegen zur Sprache; für Sportfunktionäre aus aller Welt geriet das Berliner Champions-League-Finale zum Pausen- füller: Wichtiger waren Sondierungsgespräche über die Zukunft nach Sepp Blatter. Uefa-Präsident Michel Platini traf informell mit Ahmed Al-Sabah zusammen, der Scheich aus Kuwait kontrolliert die Voten Asiens und Afrikas. Zugleich blickt alles in die Karibik: Dort sitzt Jack Warner (Trinidad&Tobago), langjähriger Fifa-Vize und Blatter-Intimus. Er muss sich sputen mit seinen angekündigten Enthüllungen: Immer mehr Affären kochen um Warners eigene Fußballgeschäfte hoch.

Das FBI will Warner in die Mangel nehmen, bis dahin geht er in Trinidad auf Nummer sicher: Ein Interpol-Haftbefehl würde die Flucht ins Ausland erschweren. Das gilt auch für Warners früheren Fifa-Exekutivkollegen Nicolas Leoz (Paraguay). Warner war bis Mitte 2011 Fifa-Vize, Chef des Erdteilverbands von Nord- und Mittelamerika (Concacaf) und auch der karibischen Fußballunion (CFU).

Es fällt der Name Blatter

Erstmals taucht der Name von Sepp Blatter im Zuge des Korruptionsskandals der Fifa auf: Eine südafrikanische Zeitung veröffentlicht eine E-Mail, in der Blatter mit der ominösen Zahlung aus Südafrika in Verbindung gebracht wird. mehr ...

Auch Südafrikas Staatschef soll involviert gewesen sein

Die derzeit heikelste der vielen Fragen zu Warner rankt sich um eine Spende von zehn Millionen Dollar von 2008, die WM-Ausrichter Südafrika an ein - bisher nicht erkennbares - Entwicklungshilfe-Projekt in der Karibik geleistet hat. Geflossen war das Geld direkt aus der Züricher Fifa-Zentrale; abgezweigt aus einem Betrag, den die Fifa für die WM-Organisation am Kap bereitgestellt hatte. Deshalb geht das FBI nun auch der Frage nach, wer konkret diese Überweisung an Warners Verband in der Karibik unterzeichnet hat - und wer davon wusste. Jetzt bringt die nationale Sunday Times in Südafrika größte Brisanz in das Mysterium: Die Zeitung schreibt, 2007 habe Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke per Mail bei der Regierung am Kap angefragt, wann denn mit den zehn Millionen Dollar für die Concacaf zu rechnen sei - und dabei erwähnt, dass "unser Präsident" (Blatter) und Südafrikas Staatschef Mbeki in die Debatte um die Zahlung eingebunden gewesen seien. Die Fifa äußerte sich nicht.

Träfe das zu, wäre Blatter erstmals konkret mit dieser Zahlung in Bezug gebracht. Aus Sicht der US-Justiz und des Kronzeugen und Ex-Fifa-Vorstands Chuck Blazer handelt es sich bei den zehn Millionen um Bestechungszahlungen an Fifa-Funktionäre. Blazer, seinerzeit Concacaf-Generalsekretär, räumt ein, Schmiergelder kassiert zu haben. Warner weist alle Vorwürfe zurück. Die Fifa stellt die zehn Millionen als karitativen Akt für den Karibikfußball dar.

Das steht nun sehr in Frage. Die BBC will ermittelt haben, wo diese - für das arme Südafrika äußerst ambitionierte - Entwicklungshilfe versickert ist. Während Warner, in Trinidad von Reportern bestürmt, nicht ein Hilfsprojekt benennen konnte, dem das Fifa-Geld zugeflossen sei, lässt sich der Weg des Geldes über Bankauszüge nachzeichnen. In drei Tranchen hatte die Fifa die zehn Millionen an Warner verschickt, erst 616 000 Dollar (4. Januar 2008), dann 1,6 Millionen Dollar (1. Februar), schließlich, am 10. März den großen Rest von 7 784 000 Millionen. Es folgte ein Exzess aus Überweisungen, Bar-Abhebungen, Kreditkartenabzügen. Und ein klassisches Geldwäschemodell: Allein 4,86 Millionen US-Dollar gingen an die nationale Supermarktkette JTA. Dieses Geld soll laut US-Fahndern an Warner zurückgeflossen sein, "vor allem in nationaler Währung".

Zu jener Zeit war Warners Sohn als Strohmann für Papas Ticketgeschäfte bei der WM in Deutschland 2006 aufgeflogen; die Fifa bestrafte ihn milde. Warner selbst aber bediente sich nach Aktenlage schon fleißig aus dem nächsten Fußballtopf: Südafrikas sogenannte Entwicklungshilfe.