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Rolle der Uefa in der Fifa:Platini - eher ein Mini-Blatter als ein Anti-Blatter

Sepp Blatter, Michel Platini und Franz Beckenbauer bei einem Fußball-Kick 2007

(Foto: AP)

Nun werden die Europäer als Fifa-Retter gehandelt. Doch zu glauben, dass Michel Platini nur das Gute verkörpert, wäre ein großer Irrtum. Indizien für Mauscheleien gibt es viele - auch bei der WM-Vergabe 2006 an Deutschland.

Auf die Frage, wer Sepp Blatter als Fifa-Präsident nachfolgen sollte, wird ein Name immer wieder genannt: Michel Platini. Der Chef des Europa-Verbandes Uefa war zuletzt Blatters schärfster Kritiker. Und wer so energisch gegen das Böse kämpft, der muss ja das Gute verkörpern! Oder nicht?

Es ist dies wohl der größte Irrtum im Ringen um den Thron des Weltfußballs: zu glauben, dass aus Europa automatisch die moralische Rettung kommt.

Tatsächlich ist Michel Platini, 59, eher ein Mini-Blatter als ein Anti-Blatter. Der Franzose war einer der wichtigsten Helfer bei Blatters erster Kandidatur 1998, zum Dank wurde er erst Fifa-Statthalter in Paris und dann, mit Blatters Hilfe, Uefa-Chef. Sein Funktionärshandwerk hat er bei Blatter gelernt - bloß zog Platini, des Ziehvaters überdrüssig, irgendwann halt am anderen Ende der Strippen.

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So wie Blatter sich seine Mehrheiten stets in Insel- und Zwergstaaten sicherte, hat Platini seine Machtbasis in Osteuropa. Die Europameisterschaft hat er gerade von 16 auf 24 Teams aufgeblasen - die Dankbarkeit der Kleinen ist ihm gewiss. Und wer glaubt, dass Schmiergeld nur bei WM-Vergaben fließt, der muss sich noch mal die Geschichte des Zyprers Spyros Marangos vergegenwärtigen. Der wollte der Uefa angebliche Belege präsentieren, dass vier Vorständler bei der Vergabe der EM 2012 an Polen und die Ukraine ihre Stimmen verkauft hätten - doch anstatt ihn anzuhören, wurden ihm Knüppel zwischen die Beine geworfen. Sein Material legte Marangos nie vor. In Blatters Fifa hätte sich womöglich noch eine Ethik-Kommission der Sache angenommen. Die Uefa hat so ein Gremium nicht.

Dann hat Platini auch noch für die WM 2022 in Katar gestimmt - kurz darauf erhielt sein Sohn einen Job bei einer katarischen Staatsfirma. Es sind Zufälle wie diese, für die sich die US-Justiz gerade sehr interessiert. Sollte Platini kandidieren, wüsste Blatter sicher, was zu tun ist.

Am Freitag hat sich Michel Platini in Berlin mit Wolfgang Niersbach getroffen, dem Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Niersbachs Name wird ebenfalls für den Fifa-Chefposten gehandelt. Doch auch die Kandidatur eines Deutschen würde Blatter wohl hintertreiben. Wie, das hat er vor Jahren mal angedeutet: Zum Thema "gekaufte WM", sagte er da in einem Interview, falle ihm spontan das Turnier 2006 in Deutschland ein.

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Wer heute noch glaubt, dass diese WM nur durch die Kraft der Argumente ins Land kam, der glaubt auch an Sommermärchen. Seit der Pleite des Kirch-Imperiums liegen ja sogar entsprechende Dokumente vor: Sie zeichnen ein Bild davon, wie etwa der Medienmogul Leo Kirch, der Beckenbauer-Vertraute Fedor Radmann sowie Ex-Kicker und Rechtehändler Günter Netzer diskret auf Stimmenfang gingen. Die WM-Werber konnten mit Millionenbeträgen hantieren. Ein sechsstelliges Beraterhonorar, das ein Libanese angeblich für Tipps bei Filmdeals erhielt, obwohl er sich mit Filmen gar nicht auskannte, dafür aber einen guten Draht zu Fifa-Vorständen hatte, ist da belegt. Ebenso wie Freundschaftsspiele von Beckenbauers FC Bayern in Malta und Thailand, wo zwei jener Fifa-Vorstände zu Hause waren, deren Stimmen man brauchte. Und ob es wirklich Zufall war, dass der Bundessicherheitsrat wenige Tage vor der WM-Vergabe die Lieferung von 1200 Panzerfäusten nach Saudi-Arabien billigte? Auch Saudi-Arabien stellte einen der 24 Wahlmänner. Die Liste der Zufälle ist jedenfalls lang und reicht bis zu der Frage, warum der Neuseeländer Charles Dempsey vor der finalen Abstimmung den Saal verließ, anstatt den Konkurrenten Südafrika zu wählen.

Blatter-Kritik ist das eine. Aber aus dem Glashaus heraus lässt sich die Fifa auch nur schwer reformieren.