Kommentar Geld her! Woher? Egal

Auch der FC Bayern lässt sich vom Sportwettenanbieter sponsern.

(Foto: Getty Images for FC Bayern)

Die Bundesliga lässt sich jetzt von einem Sportwetten-Anbieter sponsern. Das ist aufgrund von Spielsucht oder Spielmanipulation problematisch, scheint den Fußball aber nicht weiter zu kümmern.

Kommentar von Thomas Kistner

Die Korruptionsbekämpfer von Transparency International vermelden eine alarmierende Entdeckung: Spitzeneinrichtungen der Sportindustrie wie die Deutsche Fußball-Liga übernehmen gar nicht die gesellschaftliche Verantwortung, mit der sie sich gerne werbewirksam schmücken! Im Gegenteil: Das soeben mit dem Sportwettanbieter Tipico besiegelte Sponsoring für erste und zweite Bundesliga sei erfolgt, ohne die Bekämpfung der Spielmanipulation auszuweiten und in gebotener Schärfe auf die Gefahren der Spielsucht hinzuweisen, die es gerade für junge Kicker gibt.

Oje. Ist vorstellbar, dass im realen Wirtschaftsleben wirklich irgendwer noch glaubte, der Profisport und vorneweg das Geldtransfergewerbe Fußball verfolge andere Interessen als die schiere Geldvermehrung? Der DFL-Deal mit dem Zockerbusiness, dessen Finanzvolumen nicht enthüllt wird, ist nicht empörend - sondern ein aufrichtiges Branchenbekenntnis. Diese Branche giert halt nach immer mehr Geld, weshalb immer unwichtiger wird, woher es kommt. Und wird die Kritik einmal zu laut, wie die an der Werbeliaison eines nationalen Spitzenklubs mit einem Emirat, das Menschenrechte eher nachrangig behandelt, lässt sich das Publikum gern erzählen, die Sache sei völlig okay, weil die Millionen abkassierenden Funktionäre ihren Gönnern angeblich unter vier Augen kräftig die Leviten lesen.

Ehrenamt macht reich - zumindest bei der Fifa

Der Fifa fehlen Sponsoren, aber ihre Vorstandsmitglieder kassieren je 250 000 Dollar im Jahr - für nur drei Sitzungen. Die Summe verrät viel über die Amtsführung des Präsidenten Infantino. Von Thomas Kistner mehr ...

Im Fußball sind Märchen heute noch mühelos vermittelbar. Weil der Verstand, wenn der Ball rollt, oftmals Richtung Bauch abrutscht. Das hilft erklären, warum selbst Werbedeals mit der Zockerbranche locker durchgewunken werden. Dabei wird ja gerade im Fußball dem Wettglück gern nachgeholfen - das zeigt der permanente Strom an Spielbetrugsaffären quer durch die Welt. Und das belegen Studien wie jene, die die internationale Spielergewerkschaft Fifpro vorgelegt hat: Allein in Europa werde ein Drittel der etwa 25 000 Fußballprofis nicht pünktlich bezahlt, in so einem hauptsächlich in Ost- und Südeuropa vorherrschenden Betriebsklima trage die Spielmanipulation schon ganz logisch zum Broterwerb bei.

Spielsucht und Schiebung sind unschön, aber die Kasse stimmt

Aber auch im Spitzenbereich wird ständig gemogelt. Belege und harte Verdachtsmomente, die selten konsequent verfolgt werden, reichen von der Türkei über Griechenland und Italien bis Spanien. Gerade ganz oben ist ja oft enorm viel Geld im Spiel - kann man das alles nur dem Glück, sprich: Zufall überlassen? Wer die Glückssträhnen der Branche kennt, könnte jedenfalls schon mal darauf wetten, dass im Sommer bei der WM Russlands spielerisch limitiertes Team weit in die Schlussrunden vordringen wird. Ein Riesendusel bei der WM-Gruppenauslosung hat dafür übrigens die Basis gelegt.

Und dann ist da die Spielsucht. Eine still, aber rasant wachsende Volkskrankheit. Besonders junge Leute sind anfällig, seit im Internet live auf jeden Querpass gewettet werden kann. Zumal bei illegalen Anbietern, denen mangels passender Gesetze niemand beikommt. Betrugen die Spieleinsätze anno 2000 hierzulande 500 Millionen Euro, waren es 2016 schon 6,13 Milliarden, 2017 sollen es bis zu acht Milliarden sein. Aber mal ehrlich: Sind solche Bedenken nicht kleinkariert, wenn es um mehr Geld geht, damit der Volkssport Nummer eins nicht den Anschluss an Europas Topligen verliert?

"Es wäre fahrlässig, sie spielen zu lassen"

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