Homosexualität im Sport Der Sport muss klarstellen, dass jeder mitspielen darf

Tobias Karlsson (re.) facht die Debatte um Homosexualität im Sport wieder an

(Foto: imago/Bildbyran)

Beim Umgang mit dem Thema Homosexualität wirkt der organisierte Sport häufig immer noch unbedarft - und reagiert mit dem falschen Ansatz.

Kommentar von René Hofmann

Jede Wette: Ab Samstag wird das Thema richtig Fahrt aufnehmen. Dann läuft Schwedens Nationalteam bei der Handball-EM in Polen zum ersten Spiel auf. In Wroclaw geht es gegen Slowenien. Die Aufregung im konservativen Polen dürfte groß sein, sollte der Schwede Tobias Karlsson seine Kapitänsbinde mit den Regenbogenfarben tragen, die er sich für das Turnier zurechtgelegt hat. Wird ihm dieses Zeichen für die Gleichberechtigung Homosexueller aber vom Handball-Verband untersagt, wird die Debatte global geführt. Karlsson hat angekündigt, der Konfrontation nicht zu scheuen. "Ich trage die Binde so lange, bis mich jemand aufhält", sagt er.

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Wie viel Meinung dürfen Sportler während eines Wettkampfs äußern? Welche Signale, welche Botschaften können sie setzen? Wo endet das Recht auf eine freie Meinungsäußerung? Das sind die überwölbenden Fragen. Meist hielt sich der kontrollierende Funktionär an die Maxime, die das Internationale Olympische Komitee (IOC) vor den Spielen diktierte: Politische Botschaften haben in der Arena nichts verloren. Sport sei nur Sport - alles Weitere gehöre in den Rest der Welt.

Dieser Ansatz wurde immer wieder als naiv kritisiert. In freien Gesellschaften ist er längst aus der Zeit gefallen. Wo moderne Medientechniken es den Menschen jederzeit ermöglichen, ihre private Meinung in die Öffentlichkeit zu tragen, ist nicht nachzuvollziehen, warum damit kategorisch am Rande des Sportplatzes Schluss sein soll. Gerade, wenn es um allgemeine Menschenrechte geht. Ist es nicht die stärkste Botschaft des Sports überhaupt, dass ein jeder eine faire Chance haben sollte, sein Können zu zeigen, ungeachtet von Geschlecht, Hautfarbe, sexueller Orientierung?

Egal, unter welchen Farben der Handballer Karlsson letztlich spielt, eines zeigt sein Vorstoß schon jetzt: die Versäumnisse der Sportverbände. Die Rechte Homosexueller werden im Sport massiv ausgeblendet, nicht selten unter dem fadenscheinigen Verweis darauf, dass das Thema in den Ländern, in denen die nächste Großveranstaltung stattfinden soll, doch ein sehr kompliziertes sei.

Der Ansatz ist falsch. Der richtige wäre: klarzumachen, dass selbstverständlich jeder mitspielen, jeder zuschauen kann. Länder, in denen die Regenbogenfarben nicht gerne gesehen sind, wüssten dann von vorneherein, was auf sie zukommt.