Kehrtwende bei der Fifa Sepp Blatter spielt auf Zeit

Sepp Blatter will im Mai wiedergewählt werden.

(Foto: AFP)

Der Fußball-Weltverband legt eine 180-Grad-Wendung hin und will den Garcia-Report zur WM-Vergabe nun doch veröffentlichen. In welchem Umfang und wann ist jedoch unklar. Ein gewiefter Schachzug von Sepp Blatter, der unbedingt wiedergewählt werden will.

Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner

Am Freitag zur Mittagszeit versuchte der Fußball-Weltverband (Fifa) den Befreiungsschlag. Es sickerte durch, was der Vorstand bei der Sitzung in Marrakesch/Marokko beschlossen hatte: Er spricht sich für eine Veröffentlichung des sogenannten Garcia-Reports aus, zu den umstrittenen WM-Vergaben an Russland (2018) und Katar (2022, der genaue Termin soll übrigens im März festgelegt werden). "Es war ein langer Weg, und ich verstehe auch die Kritiker. Wir waren immer entschlossen, die Wahrheit muss ans Licht", sagte Fifa-Chef Sepp Blatter und dankte den Kollegen, die seinen Vorschlag einstimmig angenommen hätten. Dabei war es Blatter, der bis vor kurzem dargelegt hatte: "Veröffentlicht die Fifa diesen Bericht, verletzt sie ihr eigenes Verbandsrecht und auch staatliches Recht. (. . .) Die Fifa hat ihren Sitz in einem Rechtsstaat und hat sich demnach an Recht und Gesetz zu halten."

Seit Monaten wird die Fifa wegen ihres Umgangs mit diesem 430 Seiten starken Ermittlungsreport kritisiert. Durch den Rücktritt von Michael Garcia, dem Leiter der Untersuchungskammer in der zweigeteilten Ethik-Kommission, eskalierte die Lage am Mittwochabend, das globale Echo war verheerend. Doch der krisenerprobte Verbandschef Blatter weiß, was in solchen Turbulenzen weiterhilft: In Marrakesch legte er eine 180-Grad-Wendung hin und plädierte plötzlich für eine Veröffentlichung des Dokumentes. Allerdings findet sich auch bei dieser Volte das Wesentliche in fein ziselierten Formulierungen und Fußnoten.

Den Schwarzen Peter schiebt die Fifa weiter

Da ist zum einen die grundsätzliche Frage, was das Votum des Fifa-Vorstands konkret bedeutet. Er stimmte zwar für eine Veröffentlichung in "angemessener" Form, doch wurde in den vergangenen Monaten immerzu betont, dass über diese Frage formal nur die rechtsprechende Kammer der Ethikkommission zu befinden habe, die der Münchner Richter Hans-Joachim Eckert leitet. Auch der hatte bis zuletzt beteuert, dass er für Transparenz sei, eine Veröffentlichung aber mit Blick auf Regel 36 des Ethik-Codes legal gar nicht möglich sei. An Regel 36 hat sich nichts geändert. Trotzdem geht es plötzlich nur noch um die Frage, welche Stellen des Reports zu schwärzen seien. Und den Schwarzen Peter diesbezüglich hat die Fifa an Richter Eckert weitergereicht. Zum anderen ist da der zeitliche Aspekt. Vor einer Publikation des Reports, betont Blatter, sei das Ende der "noch laufenden Untersuchungen" abzuwarten - und Untersuchungen gibt es zuhauf.