Als Jürgen Klopp zu Borussia Dortmund kam, stand er im Verdacht, ein Mainzer Milieutrainer zu sein. Jetzt zeigt er sein Talent, auch größere Welten zu erobern.
Er hat 2006 den deutschen Fernsehpreis gewonnen, 2008 die Wahl zum Brillenträger des Jahres, und in der nicht-olympischen Disziplin des Zaunkletterns ist er ohnehin auf Jahre hinaus unschlagbar. Jürgen Klopp hat schon viele Auszeichnungen angehäuft, aber bei einem weiteren Rekordversuch ist er gescheitert: Durch das 2:0 in Frankfurt wird sein BVB die Rekordmarken aus Köln und Kaiserslautern nicht gefährden können. Diese Klubs schafften 18 Remis in einer Saison - Dortmund (Stand:13) kann jetzt nur noch auf 17 kommen.
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Sechster Sieg in Folge: Dortmunds Trainer Jürgen Klopp mit seinem Stürmersohn Mohamed Zidan. (© Foto: Getty)
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Die Statistik weist den BVB mit 13 Siegen, 13 Remis und nur vier Niederlagen als skurrilste Elf der Liga aus, aber hinter der Skurrilität lauert ein Potential, das den Rivalen Sorgen macht. Wer nur den nackten Zahlen vertraut, der nun zählt sechs Siege in Serie. Wer aber rechnet wie Jürgen Klopp, der kommt auf mindestens neuneinhalb; Klopp hat ja schon vor einer Weile beschlossen, so manches Remis als "halben Sieg" zu werten.
Seit Siege mit drei statt zwei Punkten entlohnt werden, hat das arme Remis viel mitmachen müssen. In der Beliebtheitsskala rangiert es nur noch knapp vor dem Abstiegsgespenst, und diese Geringschätzung hat der BVB zur unauffälligen Aufholjagd genutzt. In den vielen Remis steckte ja eine geheime Botschaft: Achtung, hier spielt eine Elf, die nach ein paar wirren Jahren wieder so stabil ist, dass sie ihre Spiele fast gewinnt. Inzwischen gewinnt sie die Spiele ganz.
Jürgen Klopp ist so schnell zum Dortmunder geworden, dass man es für ein Gerücht halten muss, dass er zuvor sieben Jahre lang in Mainz die Zäune hochgeklettert sein soll. Dortmunds Aufschwung verdankt sich neben ein paar banalen Glücksfällen (wie der Genesung von Dede, Kehl oder Owomoyela) vor allem der Arbeit des Mainzelmannes. Als er zum BVB kam, stand er noch im Verdacht, ein Milieutrainer zu sein, der nur Mainz kann. Nun ahnt man: Er kann auch Dortmund.
Er hat das Talent, auch größere Welten zu seinem Milieu zu machen. Seine wuchtigen Ansprachen und sein Gespür für klar strukturierten Sport funktionieren bislang auch eine Ebene höher, und seine Spieler sehen mit Respekt, dass ihr Fernsehpreisträger souverän genug ist, eigene Fehler a) zu erkennen und b) zu korrigieren. Dem eher altmodischen Spiel des Torjägers Frei hat er lange misstraut, aber er hat schnell gemerkt, dass er ohne altmodische Torerfolge den Klub nicht modernisieren kann.
Auf diese Weise hat Jürgen K. jeden Spieler jeden Tag besser gemacht, und in München ärgern sie sich im Stillen gewaltig, dass sie ihr Milieu vor einem Jahr einem anderen Jürgen K. anvertraut haben.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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(SZ vom 04.05.2009)
"Aber in Dortmund stiegen dann relativ schnell die finanziellen Möglichkeiten geringfügig und die Erwartungen beträchtlich wieder, und van Marwijk war schnell nicht mehr gut genug."
Das ist eh der größte Schwach*sinn.
Gerade als Dortmunder sollte man immer mal nach Gelsenkirchen schielen, um zu sehen, wie man es nicht macht. (;
Die zeigen ja eindrucksvoll, wie Realität und Anspruch auseinandergehen kann.
Dortmund wird irgendwann wieder zum Meisterschaftskandidaten avancieren, ganz sicher, aber einen guten Trainer erkennt man nicht nur daran.
Zorc hat ja gesagt, er stellt sich eine sehr lange Zusammenarbeit vor, ich hoffe sie machen ernst, selbst, wenn es mal eine kleine Hängerphase geben sollte.
Da haben Sie in Vielem recht. Bert v. M. scheiterte aber nicht zuletzt daran, dass viele seiner Zöglinge aus finanziellen Gründen abgegeben wurden, die der BVB nicht ersetzen konnte, etwa Ebi Smolarek, Christoph Metzelder, Rosicky oder selbst Odonkor.
Darin sehe ich auch die Gefahr für Jürgen Klopp, wenn nun Vereine wie Juventus Turin ihr Interesse an Neven Subotic anmelden, wird es schwer sein, einen solchen Spieler zu halten und dann adäquat zu ersetzen
Dass Dortmund perpektivisch einer der größten Vereine in Deutschland ist, sehe ich ähnlich. Im Moment aufgrund Fehler der Vergangenheit ein schlafender Riese; bei dem Fan-Potential! Die Entwicklung von Jürgen Klopp würde ich noch ein wenig abwarten wollen, bevor ich mir ein Urteil erlaube. Ein guter und cleverer Trainer ist er sicher; und auch excellente Menschenführung hat er in Mainz mehrfach unter Beweis gestellt. Die Dortmunder Bank war aber in der Vergangenheit nicht selten ein Schleudersitz für Trainer. Ich kann mich erinnern, dass auch ein Bert van Marwijk anfangs sehr gelobt wurde, weil er (letzten Endes auch aus der Not heraus) mit einer überwiegend sehr jungen Mannschaft mit lauter Perspektivspielern ordentliche Resultate erzielte. Aber in Dortmund stiegen dann relativ schnell die finanziellen Möglichkeiten geringfügig und die Erwartungen beträchtlich wieder, und van Marwijk war schnell nicht mehr gut genug. Das Schicksal könnte Klopp auch noch drohen, obwohl ich das nicht gönnen würde. Sollte er diese Saison als 6. beenden, wären alle zufrieden in Dortmund. Das dürfte in ein, zwei Jahren schon wieder ganz anders aussehen.
Als Lauterer erinnere ich mich voller Schrecken an den großen Spieler Brehme, der leider nur der kleine Trainer Brehme wurde.
Beispiele für große Spieler, die große Trainer wurden, gibt es viele. Ebenso allerdings auch anders herum.
Es gibt m.E. nach aber einen klaren Trend zum Trainer, dessen Qualifikation mehr in der Ausbildung (Studium) liegt, als in eigenen großen Erfolgen als Spieler. Vielleicht muss sich einfach ein Trainer, der keine Vorschusslorbeeren bekommt (und nicht den DFB-Schnellkurs für "verdiente Nationalspieler" absolviert hat) mehr anstrengen als der ehemalige große Spieler.
Jedenfalls zeigen Löw, Hitzfeld, Slomka, Ragnick, Klopp, Mourinho und Wenger, dass eine erfolgreiche Spielerkarriere keine Voraussetzung für Erfolg als Trainer ist.
Das zu viele wichtige Spieler verkauft werden, da sehe ich auch die größte gefahr.
Allerdings hat Dortmund ja einiges zu bieten und wenn der sportliche Erfolg zurückkommt, gehe ich davon aus, dass die Mannschaft wieder ganz oben anklopft.
Substanziell ist es hinter Bayern die stärkste Mannschaft in Deutschland.
Paging