IOC-Präsidentschaftskandidat Thomas Bach Favorit in der Bredouille

Wenige Tage vor der Wahl des neuen IOC-Präsidenten gerät Thomas Bach in die Kritik. Die Ethikkommission prüft, ob der einflussreiche kuwaitische Scheich Al-Sabah den deutschen Kandidaten unrechtmäßig unterstützt hat. Bachs Gegner machen sich Hoffnung.

Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner

Bereits an diesem Wochenende hat sich Thomas Bach auf den Weg nach Buenos Aires gemacht. Die Abstimmung über den neuen Präsidenten für das Internationale Olympische Komitee (IOC) ist zwar erst am 10. September, doch vorher stehen noch ein paar andere wichtige Dinge an: eine Sitzung des IOC-Vorstands, die Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2020 nach Tokio, Madrid oder Istanbul sowie die Entscheidung, ob die Traditionsdisziplin Ringen im olympischen Programm bleibt oder wider Erwarten Squash oder Baseball/Softball zum Zuge kommen.

Doch parallel zu all diesen inhaltlichen Fragen spitzt sich für Bach, 59, und seine fünf Gegenkandidaten auch der Wahlkampf um das höchste Amt in der Sportwelt zu, und ihre Strategen befassen sich derzeit vor allem mit einem Thema: den umstrittenen Äußerungen des einflussreichen kuwaitischen Scheichs Al-Sabah, einem langjährigen IOC-Mitglied, der bei der Wahl als Königsmacher gilt.

Al-Sabah hatte in einem am Donnerstagabend in der WDR-Sendung "Monitor" ausgestrahlten Beitrag erklärt, er sei ein Unterstützer von Bach und es gebe "eine Verabredung seit zwölf Jahren". Eine solche öffentliche Unterstützung für einen Kandidaten ist ein Verstoß gegen die Regeln des Ethikcodes, weswegen nach SZ-Informationen die zuständige unabhängige IOC-Kommission die Äußerungen nun prüfen soll.

Seit Beginn des Wahlkampfes ist der frühere Fecht-Olympiasieger Bach Favorit auf das Amt. Seine Gegner hoffen nun, von dem Vorgang um Al-Sabah profitieren zu können. Der singapurische Kandidat Ser Miang Ng äußert sich auf SZ-Anfrage zwar nicht zum konkreten Fall; "es ist Sache der IOC-Ethikkommission, sich mit den Regelverstößen von Kandidaten und/oder IOC-Mitgliedern zu beschäftigen". Aber der 60-jährige Großunternehmer, der als Vertrauter des scheidenden Präsidenten Jacques Rogge gilt und 2010 in seinem Heimatland die ersten Weltjugendspiele organisiert hatte, gibt relativ klar zu verstehen, was er von der Sache hält.

Das IOC, teilt er mit, verstehe sich gemäß Paragraph eins der olympischen Charta als höchste Autorität der olympischen Bewegung und um diese Rolle auszufüllen, "brauchen wir einen Präsidenten von höchster Integrität, der unabhängig ist, frei von jeglichem Einfluss von außen und frei von Vorwürfen", sagt er. "Unser nächster Präsident muss die Werte von Olympia verkörpern, und durch sein Beispiel vorangehen."

Das ist insofern bemerkenswert, weil sich die IOC-Thron-Anwärter im Wahlkampf normalerweise nie zu Vorgängen einlassen, die einen Mitbewerber betreffen könnten. Die übrigen Gegenkandidaten von Bach äußerten sich auf Anfrage nicht. Der Schweizer Denis Oswald, Präsident des Ruderweltverbandes, hatte allerdings bereits im Juni, als eine mögliche Unterstützung von Al-Sabah für Bach erstmals breiter debattiert wurde, in einem Interview mit der SZ gesagt: "Ja, ich habe dieses Gerücht auch gehört. Wenn es stimmt, ist das nicht unbedingt das, was ich unter Demokratie verstehe."

Eine Anfrage an Bach zu den Aussagen des Scheichs hatte ein Sprecher so beantwortet: "Hierbei handelt es sich um ein Interview, dass Scheich Al-Sabah unseres Wissens nach zurückgezogen hat, weil er sich vor der Aufzeichnung Ende Mai nicht über die IOC-Regeln bewusst gewesen ist. Dementsprechend werden wir ein zurückgezogenes Interview nicht kommentieren." Der WDR wiederum erklärte, es sei "schlichtweg falsch" zu behaupten, dass das Interview zurückgezogen worden sei.

Das Statement von Ser Miang Ng im Wortlaut:

"I am a candidate for the IOC Presidency and I shall abide by the rules of the IOC. It must be up to the IOC Ethic Commission to deal with infraction of rules by candidates and/or IOC members.

I have declared to my IOC colleagues that I am an independent candidate. Pursuant to Article 1 of the Olympic Charter, the IOC is tasked with exercising the "supreme authority and leadership" over the entire Olympic Movement. Of course, the IOC's ability to lead begins with the IOC President. In order to fulfill our role as the Movement's supreme authority and leader, we must have a President of the highest integrity who is independent, free from any outside influence and beyond reproach. Our next President must embody the values of Olympism, have the ability to build consensus among diverse constituents, and lead by example.

Ser Miang Ng"