Internationales Olympisches Komitee Kampf um den Thron im Olymp

Thomas Bach und Ng Ser Miang eröffnen sehr unterschiedlich das Rennen um das Amt des IOC-Präsidenten. Mehr Mitbewerber werden folgen, darunter ein drittes Schwergewicht. Während Bach bisher als Favorit gilt, wird deutlich: Der Sport und sein höchstes Amt, der IOC-Thron, sind extrem begehrt.

Von Thomas Kistner

Thomas Bach ist vorgeprescht im olympischen Kandidatenrennen, Kollege Ng Ser Miang zog als Erster nach. Wobei der Singapurer in der B-Note Vorteile verbucht. Der deutsche Thronaspirant sprang seltsam überfallartig in den Ring, als scheue er jede Diskussion: an einem Feiertag mit vier Stunden Vorankündigung für die Medien. Am Frankfurter Verbandssitz parlierte Bach dann geschraubt vor einer Logo-Wand des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Ng hingegen zelebrierte am Donnerstag seine Kandidatur an der Pariser Universität Sorbonne, dort, wo das Internationale Olympische Komitee 1894 gegründet wurde. Während manches IOC-Mitglied irritiert vermerkte, dass Bach gleich öffentlichen Applaus von der Bundeskanzlerin erhielt, blieb der Kandidat aus dem bevölkerungsreichsten Erdteil ganz bei sich. Stolz sei er, Asiate zu sein, sagte der 64-jährige Ng, "und stolz, Weltbürger zu sein".

Das Rennen ist eröffnet, mehr Mitbewerber werden folgen. Außenseiter wie Wu Ching-Kuo, Chef des Boxweltverbandes Aiba, der aus Taiwan stammt und sich der Unterstützung der Sportgroßmacht China nicht so sicher sein darf wie Kollege Ng. Oder Sergej Bubka, Stabhochsprung-Legende aus der Ukraine. Aber auch ein drittes Schwergewicht wird noch erwartet: Richard Carrion, 60-jähriger Banker aus Puerto Rico.

Carrion führte das IOC als Chef der Finanzkommission, in der auch Ng sitzt, souverän durch die Krisenzeiten nach 2008. Beide zählen zum Kreis um den bis September regierenden Jacques Rogge. Carrion ist sogar ein enger persönlicher Freund Rogges, allerdings bastelt der Finanzmagnat noch an beruflichen Lösungen: Im März wurde er ins Direktorium der bedeutenden US-Federal Reserve Bank von New York berufen.

Mit Bach verbindet mancher eher die Ära des Rogge-Vorgängers Juan Antonio Samaranch. Auch ist es der dort geübte Führungsstil, der heute im Flurfunk des seit 2006 von Bach regierten DOSB beraunt wird. Kritik an dem von Bach und seinem General, dem Grünen-Politiker Michael Vesper, kontrollierten Verbandswesen fand jüngst Eingang in einen Beitrag des NDR-Magazins Zapp: Vorgeführt wurde eine restriktive Medienarbeit. Stramme Kontrolle herrschte auch im IOC, bis 2001 Rogge kam und jene Kommunikationsagenturen ausmistete, die Samaranchs Getreuen zugearbeitet und schwarze Listen über kritische Journalisten erstellt hatten.

Unter Samaranch, Abkömmling der spanischen Franco-Ära, gelangte Bach 1991 ins IOC und 1996 in den Vorstand. Als es 2001 nach einer enormen Korruptionsaffäre um Samaranchs Nachfolge ging, stand Bach bei Rogges Hauptrivalen - er war einer von drei IOC-Mitgliedern, die Kim Un Yong die zur Kandidatur erforderliche Unterschrift leisteten. Der Südkoreaner, Samaranchs Engster und im Korruptionsskandal angezählt, kassierte vor der Kür noch eine Verwarnung, weil er Wähler mit Geldofferten umgarnt hatte.