Handball-WM Holger Glandorf - der exzellente "Notnagel"

Willkommen zurück: Patrick Wiencek klatscht Holger Glandorf ab. Ob es ein ähnliches Bild bei der WM in Frankreich geben wird?

(Foto: Annegret Hilse/imago)

Holger Glandorf ist einer von Deutschlands besten Handballern - trotzdem fährt er vorerst nicht zur WM. Zumindest so lange, bis es für sein Team um alles geht.

Von Ulrich Hartmann

Holger Glandorf beherrschte den Text der deutschen Nationalhymne noch aus dem Effeff, er trug das deutsche Trikot mit aller erforderlichen Eleganz und erzielte drei Tore binnen seines 20-minütigen Einsatzes. Mehr als zwei Jahre nach seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft feierte der Rückraumspieler der SG Flensburg-Handewitt ein überzeugendes Comeback im Nationalteam.

Doch es war ein mysteriöses Comeback. Denn obwohl Glandorf am Montagabend beim 33:16-Sieg im finalen WM-Test der deutschen Männer gegen Österreich einer der besten Spieler war, obwohl der Bundestrainer Dagur Sigurdsson zuvor den Linkshänder Jens Schöngarth aus dem WM-Kader gestrichen hatte und obwohl in Kai Häfner jetzt nur noch ein Linkshänder für die rechte Rückraumseite im deutschen Kader steht, schickte Sigurdsson Glandorf am Dienstag zurück nach Flensburg.

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Dort wird Glandorf an diesem Mittwoch das Klubtraining wieder aufnehmen. Die Nationalmannschaft fährt zur selben Zeit mit nur 14 statt der erlaubten 16 Spieler mit dem Bus ins französische Städtchen Rouen, in dem sie am Freitag ihr erstes Gruppenspiel gegen Ungarn bestreitet (ab 17.40 Uhr im SZ-Liveticker). Warum aber nimmt Sigurdsson Glandorf nicht gleich mit zur WM nach Frankreich? Glandorf ist 33 Jahre alt. Er hat seine Karriere im Nationalteam eigentlich längst beendet. "Wir wissen, dass er keine zehn Spiele binnen drei Wochen mehr schafft - das müssen wir respektieren", sagt Sigurdsson. Aber er behält Glandorf als "Back-Up", als "Stand-By", als "Notnagel". Er benutzt wirklich alle drei Begriffe. Der Teammanager Oliver Roggisch nennt Glandorf "eine Hintertür". Es deutet momentan also alles darauf hin, dass Glandorf nach der Gruppenphase hinterherreist, um der deutschen Mannschaft zu helfen, sobald es im K.o.-System um Alles geht.

Sigurdsson bleibt cool bei der Kaderplanung

Sigurdsson ist der John Wayne der Kaderplanung. Der Isländer, der nach dieser WM als Nationaltrainer nach Japan wechselt, ist in der Personalgestaltung eines großen Turniers so cool geworden, dass er sogar weniger Spieler mitnimmt als erlaubt. Am Montagmittag hatte er bekannt gegeben, dass er aus seinem erweiterten Kader den Kreisläufer Erik Schmidt (TSV Hannover) sowie die Rückraumspieler Philipp Weber (HSG Wetzlar) und Jens Schöngarth (FA Göppingen) zu ihren Vereinen zurückschickt - obwohl er nicht sicher weiß, wann und ob überhaupt Uwe Gensheimer nach Frankreich nachkommt.

Am Sonntag ist Gensheimers Vater gestorben, der Linksaußen wird in den nächsten Tagen selbst entscheiden, ob er überhaupt bei der WM mitspielen kann. Der deutsche Kader steht damit momentan bloß bei 14 Spielern. Bis Donnerstagabend muss Sigurdsson maximal 16 Spieler für seinen WM-Kader benennen. Bis dahin weiß er vermutlich, wie es Gensheimer geht, und Glandorf hat seine Bereitschaft, jederzeit nach Frankreich zu kommen, ohnehin erklärt. Insofern bleibt Sigurdsson gelassen. Der Großteil seines Kaders steht.