Handball-EM Deutsche Handballer stehen vor einer großen Zukunft

Christian Dissinger: Macht Mut für die Zukunft

(Foto: AFP)
Kommentar von Joachim Mölter

Natürlich waren die deutschen Handballer nicht fröhlich gestimmt, als sie am Montag erfuhren, dass sie in den restlichen EM-Spielen in Polen auf zwei ihrer Stützen verzichten müssen, die Rückraumspieler Steffen Weinhold und Christian Dissinger. Aber sie waren auch nicht so niedergeschlagen, wie man es hätte erwarten können. Kopf hoch, hieß die Devise. "Wir dürfen jetzt nicht wieder das Jammern anfangen", forderte Carsten Lichtlein, der Torwart und Co-Kapitän, mit 35 Jahren und 209 Länderspielen der Erfahrenste im Team. Sein Wort hat Gewicht. Denn bei seinen Mitstreitern überwog der Stolz über das bisher Erreichte offenbar die Trauer über die Rückschläge.

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Ausgerechnet vor der Partie ums EM-Halbfinale verletzen sich Steffen Weinhold und Christian Dissinger schwerer. Wie hart trifft es das deutsche Team? Von Saskia Aleythe mehr ...

Schlechter als auf Platz sechs können die Auswahlspieler des Deutschen Handballbundes (DHB) das Turnier nicht mehr beenden. Statistisch gesehen ist das ein kleiner Fortschritt im Vergleich zur WM 2015 in Katar, die sie als Siebte beendeten. Bedenkt man die Umstände, ist es ein großer Sprung nach vorne. Zuletzt hatten sich die DHB-Männer ja sportlich für kein Großereignis mehr qualifiziert: weder für Olympia 2012, noch für die EM 2014, noch für die WM 2015 - in Katar durften sie nur dank einer Wildcard mitspielen.

Der Bundestrainer hat in den Vereinen wieder viel Auswahl

Man kann die Leistung der DHB-Auswahl bei diesem Turnier nicht hoch genug einschätzen, zumal mittlerweile auf jeder Position außer im Tor der beste Mann verletzt fehlt. Bundestrainer Dagur Sigurdsson muss vor dem abschließenden Hauptrunden- und dem anschließenden Platzierungsspiel quasi eine komplette Mannschaft ersetzen. Dass der Isländer das kann, spricht für die Fülle von guten Spielern, über die er mittlerweile verfügt. Da ist in kurzer Zeit viel nachgeholt worden, was nach dem WM-Triumph von 2007 versäumt worden war, in den letzten Jahren der Ära Heiner Brand und dessen Kleinkrieg mit den Bundesliga-Klubs.

Die haben ihre Nachwuchsarbeit intensiviert und die Talente weiter geschliffen, die in den Landesverbänden entdeckt, gefördert und den Klubs später zugeführt worden sind. In Kombination mit der veränderten wirtschaftlichen Situation im europäischen Spitzen-Handball hat das neue Spielplätze für die Jungen ergeben. Die deutschen Vereine wie Rekordmeister THW Kiel sind ja nicht mehr Branchenführer, anderswo wird gestandenen Profis inzwischen genauso viel oder noch mehr gezahlt. Dadurch werden hierzulande Plätze frei, die Talente können schneller in verantwortliche Positionen aufsteigen.

Für den deutschen Handball eröffnen sich damit ganz neue Perspektiven. Stellt man sich die DHB-Mannschaft einmal vor mit all den zurückkehrenden Verletzten, die bei der EM gefehlt haben, dann ist sie auf einem guten Weg zu ihren großen Zielen - der Heim-WM 2019 und Olympia 2020 in Tokio. Dass sie da um Gold kämpft, ist nicht mehr so illusorisch wie noch vor ein, zwei Jahren.