Interview: Claudio Catuogno

Hertha-Coach Lucien Favre über den Umbau einer Mannschaft, falsche Klischees und den langen Weg zu einem guten Trainer.

Als Lucien Favre, 50, im Juli 2007 den Bundesligisten Hertha BSC übernahm, war er in der Schweiz gerade zum zweiten Mal hintereinander zum Trainer des Jahres gewählt worden. In Deutschland galt er als weitgehend unbekannt. Inzwischen wird der ehemalige Schweizer Nationalspieler auch hierzulande als konsequenter Erneuerer geschätzt, der gerade dabei ist, Hertha in ein interessantes Projekt mit vielen jungen Spielern zu verwandeln. Die nächsten Tage könnten schon zeigen, in welche Richtung sich das Projekt entwickelt. Am Samstag geht es im Heimspiel gegen Wolfsburg darum, den Anschluss nach oben nicht zu verlieren - am Dienstag empfängt Hertha im Uefa-Cup den schottischen Klub St. Patrick's Athletic.

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"Eine Mannschaft braucht immer eine Seele": Lucien Favre, Schweizer Trainer von Hertha BSC. (© Foto: dpa)

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SZ: Herr Favre, es gibt einen Satz, den Sie wohl in jedem Gespräch gesagt haben, seit Sie Trainer bei Hertha sind.

Favre: Welchen meinen Sie?

SZ: Ihr Ziel sei es, "eine Mannschaft aufzubauen,..."

Favre: "...die eines Tages um den Titel mitspielen kann". Oh ja, das habe ich oft gesagt. Deshalb müssen wir jetzt nicht darüber sprechen.

SZ: Sprechen wir darüber, ob Sie im Zeitplan sind.

Favre: Wir sind im Zeitplan, mehr nicht. Seit einem Jahr bin ich hier, mein Vertrag läuft bis 2010. Ich will, dass wir dann spielerisch eine sehr gute Elf haben. Aber wissen Sie: Es ist ein Aufbau. In einem Aufbau gibt es immer Höhen und Tiefen. Es kann schnell gehen, aber es hängt auch oft am Detail. Ein Beispiel: Du machst einen Kuchen. Kochen Sie?

SZ: Kuchen selten.

Favre: Du brauchst Salz, Zucker, Mehl, solche Dinge. Wenn du nur einen Fehler machst, kannst du später alles wegwerfen. Es schmeckt nicht. Weil die Mischung nicht richtig ist. Wie im Fußball: Ein falscher Spieler kann in einer Mannschaft alles kaputt machen. Deshalb musst du die richtige Spielermischung finden: Kombinieren sie richtig? Stehen sie an der richtigen Stelle? Es geht immer um Spielintelligenz. Entweder du bist mit Spielintelligenz geboren oder nicht. Für Spielintelligenz kannst du keine Ausbildung machen. SZ: Der Spieler Lucien Favre war berüchtigt für seine Spielintelligenz.

Favre: Ich war polyvalent. Ich habe überall gespielt: Innenverteidiger, Libero, rechter Flügel, linker Flügel. Am liebsten Mittelfeldspieler. Aber ich war keine Nummer zehn, ich war eine Sechs. Ich war ein Spielmacher vor der Abwehr.

SZ: Dabei heißt es doch, Sie seien ein Schönspieler gewesen. Sie hätten immer einen Wasserträger gebraucht, der Sie nach hinten absichert.

Favre: Nein! Das ist ganz falsch. Ich bin immer am meisten gelaufen. Ich war in der Ausdauer der Beste. Ich habe jeden Tag mehr trainiert als ich musste.

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