Gerüchte über Wechsel Magath zieht es zu Schalke

Steht ein spektakulärer Wechsel bevor? Schalke 04 und Wolfsburgs Trainer Felix Magath haben mit ihrem Schweigen und fehlenden Dementis die Gerüchte angeheizt.

Von Philipp Selldorf

Als Oliver Kahn neulich zum quasi öffentlichen Zwiegespräch mit Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies in dessen Heimatstadt Rheda-Wiedenbrück zusammentraf, um über die Besetzung des offenen Managerpostens zu reden, sorgte das nicht nur in der Anhängerschaft des Gelsenkirchener Bundesligaklubs für Aufsehen.

Auch ein Mann aus Wolfsburg verfolgte gespannt den Gang der Gespräche. Er kommentierte den Fall skeptisch. Das Auftauchen eines so prominenten Anwärters wie Oliver Kahn - zumal live und in Farbe vor großem Publikum - schaffe eine Erwartungshaltung, die für andere Interessenten schwer zu bewältigen sei. So jedenfalls urteilte vor knapp sechs Wochen Felix Magath - einer der Interessenten für den offenen Managerposten bei den Königsblauen. Und wie es schien, war damit für ihn das Thema Schalke erledigt.

Winterkorn soll im Bild sein

Dieser Schein hat wohl getrogen. Mehrere unterschiedliche Quellen, neben der Stuttgarter Zeitung auch die Boulevardblätter Bild und Kölner Express, meldeten an diesem Mittwoch, dass Schalke 04 und Felix Magath die Zeit seit Kahns Auftritt in Rheda diskret dazu genutzt haben, Einigung über eine Zusammenarbeit ab dem kommenden Sommer zu erzielen. Magath soll demnach in Gelsenkirchen nach dem englischen Vorbild die Doppelfunktion von Trainer und Manager ausüben, obendrein würde er - satzungsgemäß - in den Vorstand des Vereins eintreten. Zwar haben weder der Klub noch der Betroffene selbst diese Meldungen bestätigt, doch haben die beteiligten Parteien auch kein ausdrückliches Dementi abgegeben.

Während Magath erklärte, sich nicht an Spekulationen beteiligen zu wollen, sagte Tönnies, er wolle die Sache nicht kommentieren, und in Gelsenkirchen gab Vorstandsmitglied Peter Peters bekannt, er wolle "keine Wasserstandsmeldungen abgeben". Der Verein werde, wie am vorigen Freitag angekündigt, nach Saisonschluss am 23. Mai über die Besetzung der Trainer- und der Managerstelle informieren, sagte Peters.

Auffallend: Keiner wies die Nachricht als unwahr zurück. Was wiederum nicht überraschen kann. Bei Magaths Arbeitgeber, dem VfLWolfsburg, wird keine Begeisterung darüber ausgebrochen sein, dass der Trainer und Manager auf dem Höhepunkt der erfolgversprechendsten Saison seit Klubbestehen in eine derart prominente Liaison verwickelt wird. Laut Bild hat zwar Magath den Aufsichtsratschef des Vereins, Martin Winterkorn, der auch Vorstandsvorsitzender des Hauptsponsors VW ist, über seine Entscheidung informiert. Aber das Bekanntwerden der Geschichte kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Schon mit Assauer verhandelt

Auch in Schalke hätte man lieber ungestört mit dem populären Aushilfs-Trainertrio Büskens, Mulder & Reck weitergearbeitet, zumindest bis zum Saisonende. Vier Siege nacheinander haben dem ewig aufgeregten Verein ein paar Wochen Ruhe beschert und obendrein die unverhoffte Chance, sich doch noch für den Uefa-Cup zu qualifizieren.

Sollte Magath Wolfsburg tatsächlich verlassen, wäre das auf den ersten Blick schwer erklärlich. Beim VfL besitzt der 55-Jährige alle Freiheiten, ihm steht ein stattliches Transferbudget zur Verfügung, und die Chancen auf das Erreichen der Champions League stehen gut. Doch Magath hegt auch schon länger Sympathien für den Volksklub Schalke, wo er schon einmal fast gelandet wäre: Damals stand er noch in Diensten des VfB Stuttgart, die Verhandlungen mit Manager Rudi Assauer blieben wegen der Forderungen von Magaths Berater Bukovac ohne Erfolg. Angeblich gab es in Wolfsburg nun ebenfalls Uneinigkeit während der Vertragsgespräche mit VW-Boss Winterkorn. Der (noch) amtierende Manager-Trainer des VfL soll zudem die Ansicht vertreten, dass der sportliche Erfolg der laufenden Saison in der nächsten Spielzeit kaum ein zweites Mal zu erreichen sei.