Wenn die Schweiz zu ihrer ersten WM-Partie gegen Spanien antritt, ist Unterhaltung einzig vom Gegner zu erwarten. Die Eidgenossen spielen einen unübertroffen unattraktiven Fußball. Die Fans zweifeln, ob die WM-Teilnahme ein Segen ist.
Welche beiden Länder verkörpern in Europa die größtmöglichen Gegensätze, das Yin und Yang der Nationen? Schweiz und Griechenland wäre eine plausible Antwort. Hier viele Berge und viel Geld. Dort keine Berge und kein Geld. Hier viel Ordnung, wenig Sonne und noch weniger Emotionen. Dort viel Sonne, noch mehr Emotionen und - genau, "Chaos" ist ein griechisches Wort. Selbst Emmentaler und Feta könnten unterschiedlicher nicht sein.
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Hofft gegen Favorit Spanien auf ein gutes Ergebnis: der Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld. (© rtr)
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Natürlich lässt sich das Motiv der Gegensätze auch auf die deutschen Teamchefs der beiden Nationalmannschaften übertragen: Ottmar Hitzfeld, so dichtete jüngst das Magazin des Zürcher Tages-Anzeigers, sei der Mann "mit dem Magengesicht, in dem keine Müdigkeit liegt, nur verinnerlichtes Understatement". Otto Rehhagel hingegen zelebriert den expressiven Fußballkasper.
Allerdings, und das ist die verblüffende Erkenntnis des neutralen Beobachters, erinnert die Mannschaft von Schweiz-Trainer Hitzfeld zunehmend an die griechischen Sensationssieger der Europameisterschaft 2004 in Portugal. Damals geschah es wohl zum ersten Mal in der Geschichte der Sportart, dass selbst notorische Fan-Opportunisten, die sich sonst immer auf die Seite des Underdogs schlagen, nach kürzester Zeit auf Favoritensiege hofften. Nur um diese Griechen nicht länger ertragen zu müssen.
Den Schweizern gelang ein ähnliches Kunststück zwei Jahre später, anlässlich ihres WM-Achtelfinales in Köln gegen die Ukraine. Zu Beginn der Begegnung unterstützten die deutschen Zuschauer im Stadion erwartungsfroh und geschlossen das Team des sympathischen Nachbarn. Nach 120 torraumszenenlosen Minuten pfiffen sie sich die Seele aus dem Leib, als stünden elf Sepp Blatters auf dem Rasen.
Bei der Heim-EM 2008 gelang der Schweiz dann ein zweifelhafter Endrunden-Rekord: Nach vier Tagen und zwei Niederlagen war bereits Schluss. So schnell war noch nie eine Mannschaft ausgeschieden.
Mittlerweile ist es neun Monate und vierzehn Partien her seit dem letzten ansehnlichen Spielzug der Schweizer Nationalmannschaft (in Athen, ausgerechnet). Selbst die glühendsten Eidgenossen wissen nicht mehr so recht, ob sie sich darüber freuen sollen, dass ihr Land bereits zum vierten Mal in Folge bei einem großen Turnier dabei ist. Eigentlich ist das für einen Kleinstaat eine bemerkenswerte Leistung, die selbst die diesbezügliche Quote der Engländer übertrifft. Aber dem Ansehen des helvetischen Fußballs wäre wohl mehr gedient, wenn man ihn nicht ständig vor aller Welt zu präsentieren bräuchte.
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Toll wenn auch mal andere gewinnen. Wäre ja sonst langweilig.
@alsonochmals: Haben Sie je in der Schweiz gelebt, kennen Sie die Schweizer Mentalität? Wohl kaum. Haben sie das zuvor schon erwähnte Buch vom Herrn Ziauddin über die Gummihälse gelesen, in dem die in der Schweiz lebenden Deutschen auf noch deutlich plumpere Art diffamiert werden als die schweizer Nati in diesem Text? Anscheinend nicht. Haben Sie je den Aufsatz vom Herrn Ziauddin in der Weltwoche gelesen, in dem er sich zuerst beklagt, dass er als Dunkelhäutiger so oft am Hauptbahnhof Zürich von der Polizei kontrolliert wird, das dann letztlich aber angemessen findet, weil es damit ja die richtigen trifft? Sicher nicht. Wenn es für Sie Rassismus ist, die, die fremdenfeindlich sind, d.h. auch den Herrn Ziauddin, mit den eigenen Mitteln zu schlagen, also z.B. auszuschaffen, dann sollten Sie den Begriff nocheinmal nachschlagen. Bis jetzt kann man nur konstatieren, setzen, sechs, mal wieder nichts begriffen. Zitate mit copy und paste einfügen zu können reicht eben nicht, um gescheit auszuschauen, wenn es beim Leseverständnis hapert. Dabei fällt mir ein, es gab vor ein paar Jahren mal eine schöne Animation mit einem kleinen Pinguin, der sagte, "Wenn du keine Ahnung hast einfach mal die Klappe halten." Sollten Sie das als Gedächtnisstütze benötigen schicke ich es Ihnen gerne zu.
Zum Schluss nochmal zu Schopenhauer. Nationalstolz und Begeisterung für Fussball sind bei weitem nicht dasselbe. Nehmen Sie die WM 2006 in Deutschland, überall deutsche Fahnen, was ich zuerst als sehr abstossend empfand, aber glücklicherweise war das in keinster Weise das Aufkommen eines neuen Nationalismus. Ganz allgemein, die Qualifikation für ein solches Turnier ist eine sportliche Leistung, über die man sich durchaus freuen kann und sogar soll, und das geht eben auch ganz ohne nationalistische Töne. So eine WM ist ein Fest für die Menschen, und dieser Artikel vom Herrn Ziauddin war ein Tiefschlag in die Vorfreude vieler Schweizer. Was mich nun wirklich freut, die schweizer Nati hat die richtige Antwort gegeben, 1:0 gegen Spanien: einerseits recht glücklich, andererseits nicht unverdient - wer hätte das gedacht.
Mir ist schleierhaft, warum Medien wie die Sueddeutsche oder Spon diesem Menschen immer wieder eine Bühne geben. Als Sohn eines Inders in der Schweiz aufgewachsen und dadurch offensichtlich mit Komplexen behaftet versucht er nun, dazu zu gehören, indem er seine schweizer Landsleute rechts überholt. Er wettert gegen Ausländer (Deutsche vor allem) und begrüsst es, dass er als Dunkelhäutiger besonders oft von der Polizei kontrolliert wird. In diesem Artikel nun demonstriert er eine schweizer (Un)art, nämlich Erfolge zu kritisieren und angesichts evtl. kommendem Versagens präventiv alles schlecht zu reden. Und wenn's dann tatsächlich schlecht kommt freut sich der Besserwisser, "Ich hab's ja gleich gesagt...". Zum Glück gibt es auch andere Schweizer, vor allem von der jüngeren Generation, die sich mit Recht freuen über vier nacheinander folgende Teilnahmen bei grossen Turnieren und die ihre Mannschaft feiern und mit ihrer Mannschaft mitfiebern. "Hopp Schwiez!", liebe Schweizer, und bei der nächsten Ausschaffungsinitiative, denkt doch bitte auch an den Herrn Ziauddin.
als "leidgeprüfter" Bayern-Fan fühle ich mit den Schweizern. Das System Hitzfeld ist sehr erfolgreich, der Fußball der gespielt wird ist dafür furchtbar. Am Ende muss man sich halt entscheiden:
Mit Hitzfeld sich die ganze Saison ärgern (Siege mit höchstens einem Tor unterschied inklusive Zittern bis zum Schluß) und dann alles in 2 Tagen Meistersause wieder reinholen oder ohne Hitzfeld sich immer mal wieder über ein tolles Spiel freuen und dafür am Ende der Saison den anderen beim Feiern zusehen.
Ich würde den Schweizern empfehlen, einfach mal ein paar Jahre Hitzfeld mitnehmen und sich über das Endergebnis freuen (dann bleibt er Bayern erspart ;-))
Hallo lieber Redaktor, nun ja, gibt ja wohl keine schönere Antwort zu deinem feinen Artikel über die Schweizer Nati und der Schweizer im Allgemeinen. Ich Danke Dir! Gruss aus der Schweiz
Paging